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Wirtschaft
11/12/2020

ÖGB-Präsident für "Überbrückungsgeld" bis zur Pension

Neue Idee: Wolfgang Katzian fordert höheres Arbeitslosengeld für ältere Arbeitslose ab maximal 5 Jahre vor Pensionsantritt

von Michael Bachner

Ältere Arbeitslose und insbesondere Langzeitarbeitslose haben in der momentan enorm angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen auf einen neuen Job.

Selbst wenn sich die Konjunktur im kommenden Jahr wieder erholen sollte, dürften Arbeitslose aus der Gruppe 55 plus nur sehr schwierig ins Berufsleben zurückfinden, ist ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian überzeugt. Er hat deshalb eine neue Idee geboren, wie er im KURIER-Gespräch erklärt.

Konkret macht sich Katzian für ein neues „Überbrückungsgeld“ stark, wenn der oder die Betroffene einfach keine Arbeit mehr findet und aber bereits kurz vor der Pension steht.

Der Gewerkschaftschef denkt dabei an ein erhöhtes Arbeitslosengeld mit einer Nettoersatzrate von 70 Prozent vom letzten Einkommen, ohne dass sich die „Menschen sinnlosen Bewerbungen hingeben“ müssen.

Anspruchsberechtigt sollen im ÖGB-Modell Langzeitarbeitslose sein, die bis zu maximal fünf Jahre vor der Pension stehen. Finanziert werden sollte das Ganze über den Covid-19-Krisenbewältigungsfond, schwebt der Gewerkschaft vor. Verhandlungen mit der Regierung wurden aber noch nicht aufgenommen.

Nach den Vorstellungen der Arbeitnehmervertreter liegen die Vorteile dieses Modells auf der Hand: Das AMS könnte sich auf Gruppen mit besseren Vermittlungschancen konzentrieren. Der Wettbewerb zwischen Jüngeren und Älteren um zu wenige offene Stellen würde sich reduzieren und die Arbeitsmarktsituation insgesamt könnte sich entspannen. Katzian sagt: „Mit zunehmendem Alter sinken angesichts der verheerenden Situation auf dem Arbeitsmarkt ihre Chancen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Hier geht es auch um Würde – darum, Menschen, die oft jahrzehntelang gearbeitet haben und ihren Job ohne eigenes Verschulden verloren haben, nicht zu Bittstellern werden zu lassen.“

Klar vermieden werden soll jedoch ein neues Frühpensionsmodell mit einer Anspruchsautomatik der Betroffenen, meint Katzian auf entsprechende Nachfrage.

Um das klar zu machen, sollte die Pensionsversicherungsanstalt auch aus der Administration und Finanzierung des Überbrückungsgeldes herausgehalten werden. Die Abwicklung liege allein beim AMS, so Katzian.

Insgesamt soll die Aktion auch mit der Dauer der Pandemie begrenzt werden, sagt Katzian und wirbt nochmals eindringlich für seine Idee: „Wir haben bald 500.000 Arbeitslose bei 63.000 offenen Stellen. Die Langzeitarbeitslosen finden einfach keinen Job. Deshalb wäre hier das Überbrückungsgeld eine spitzen Sache.“

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