Wirtschaft
20.07.2018

Nordkoreas Wirtschaft schrumpft so stark wie zuletzt 1997

Wirtschaftssanktionen machten dem Nachbarland zu schaffen, heißt es aus Südkorea. Industrie sei um 8,5 Prozent eingebrochen.

Die internationalen Sanktionen lassen die Konjunktur Nordkoreas so stark einbrechen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die südkoreanische Zentralbank (BOK) schätzte am Freitag, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Nachbarland 2017 um 3,5 Prozent geschrumpft sei. Demnach brach die Industrieproduktion um 8,5 Prozent ein und damit ebenfalls so stark wie zuletzt 1997.

Grund sei der beschränkte Zugang Nordkoreas zu Öl und anderen Energieträgern. Auch die Produktion der Landwirtschaft und am Bau habe spürbar nachgelassen. Die Sanktionen seien 2017 stärker als 2016 gewesen, sagte ein BOK-Experte. Mit dem Exportverbot für Kohle, Stahl, Fischerei und Textilprodukte sei das das Außenhandelsvolumen deutlich zurückgegangen.

Es sei schwierig, das genaue Ausmaß der Rezession zu berechnen, aber die Exportverbote hätten die Industrieproduktion einbrechen lassen.

Vorbild China

Der steile Abschwung kommt zu einer Zeit, in der Fachleute dem isolierten Land nahelegen, sich verstärkt auf die wirtschaftliche Entwicklung zu konzentrieren. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hatte im Frühjahr erklärt, er wolle den strategischen Fokus des Landes von der Entwicklung seines Atomwaffenarsenals auf die Nachahmung des "sozialistischen Wirtschaftsaufbaus" Chinas verlagern.

Südkoreas Zentralbank verwendet die von der Regierung in Seoul und den Spionagebehörden erhobenen Zahlen für ihre Schätzungen. Die Auswertung der Bank umfasst die Größe von Reisfeldfrüchten in Grenzgebieten, die Verkehrsüberwachung und Interviews mit Überläufern. Nordkorea selbst veröffentlicht keine Wirtschaftsdaten.