Wirtschaft
13.01.2018

NIKI-Pleite: Neuer Kapitän im Cockpit, Sauerstoff-Maske für 800 Mitarbeiter

NIKI ist seit Mittwoch Geschichte © Bild: Paul Schirnhofer

Der Korneuburger Richter hat die Frist, in der Interessenten neue Angebote für den Kauf von NIKI legen können, von zwei Wochen auf eine Woche verkürzt.

Nach heftigen Turbulenzen ist das Konkursverfahren über die österreichische Billig-Airline NIKI (1000 Mitarbeiter, davon 800 Österreicher) doch noch mit Mann und Maus beim Landesgericht Korneuburg gelandet. Am Freitagnachmittag hat Richter Richard Tschugguel aber nicht ein sogenanntes Sekundärverfahren eröffnet, wie es die NIKI-Geschäftsführung und der vorläufige deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther beantragt hatten, sondern ein Hauptverfahren. Er hat sich damit über das vorläufige, in Berlin eingeleitete Primärverfahren hinweggesetzt.

Laut Experten wird mit dieser Entscheidung rechtliches Neuland betreten. Laut EU-Recht kann über ein- und dasselbe Unternehmen nur ein Haupt-Insolvenzverfahren eröffnet werden. "Diese Eröffnung widerspricht der Europäischen Insolvenzordnung", kontert der deutsche Verwalter Lucas Flöther. "Die NIKI Luftfahrt wird nun die zur Verfügung stehenden rechtlichen Schritte prüfen."

Rechtlicher Trumpf

Creditreform-Experte Gerhard Weinhofer ist der Ansicht, dass das österreichische Konkursverfahren das Berliner Insolvenzverfahren deshalb aussticht, weil das deutsche ja noch nicht eröffnet wurde. Für die 800 österreichischen NIKI-Mitarbeiter ist die Korneuburger Verfahrenseröffnung deshalb wichtig, weil nun der Wiener Insolvenzentgeltfonds für etwaige offene Gehälter, für nicht bezahlte Urlaubsgelder, Abfertigungen und Kündigungsentschädigungen einspringt.

Das Gericht hat die renommierte Sanierungsanwältin Ulla Reisch zur NIKI-Masseverwalterin bestellt. Sie wird kurzfristig die "rechtliche Ausgangslage analysieren" und mit ihrem deutschen Kollegen das weitere Vorgehen koordinieren.

Rasche Prüfung

Die Zeit drängt. Der Korneuburger Richter hat deshalb die Frist, in der Interessenten neue Angebote für den Kauf von NIKI legen können, von zwei Wochen auf eine Woche verkürzt. Reisch will nun rasch prüfen, ob an dem vom deutschen Kollegen mit dem britischen Airline-Konzern IAG/ Vueling abgeschlossene Kaufvertrag für die NIKI-Assets festgehalten werden kann oder ob Alternativen bestehen.

IAG/Vuleing will für Marke, Slots und Flieger 20 Millionen Euro in die Hand nehmen und 750 NIKI-Mitarbeiter übernehmen. Zugleich haben die Briten dem deutschen Insolvenzverwalter 16,5 Millionen Euro "Kredit" für den Fortbetrieb zur Verfügung gestellt. Drei Millionen Euro sind davon schon verbraucht.

Kleiner Kreis

Das Korneuburger Gericht schränkt das neue Bieterverfahren drastisch ein. Es dürfen nur jene Bieter in den Ring steigen, die schon zum deutschen Bieterverfahren eingeladenen worden waren.

Interview mit Niki Lauda am 03.02.2014 in Wien © Bild: KURIER/Juerg Christandl

Somit könnte auch Formel-1-Legende Niki Lauda, der in Deutschland mitgeboten hat, aber überboten wurde, nochmals ins Rennen kommen. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, sagt Lauda, schaue er sich die Sache mit seinem Anwalt nochmals an.

Trotz der rechtlichen Differenzen stellt der deutsche Verwalter Flöther klar, dass auch für ihn die rechtswirksame Umsetzung des Verkaufs an IAG/Vueling und die Rettung der NIKI-Arbeitsplätze Vorrang habe.

Heftiger Schlagabtausch

Lauda und Flöthers Team werden in diesem Leben keine Freunde mehr. "Es wurden viele verdrehte Tatsachen verbreitet", sagt Flöthers Sprecher Christoph Möller zum KURIER. "Was ich in Medien gelesen habe, war haarsträubend." Außerdem soll Lauda "fünf Millionen Euro weniger geboten haben" als IAG/Vueling".

"Er konnte nicht nachweisen, dass er finanziell in der Lage ist, die Flugzeuge zu erwerben oder zu leasen", sagt Möller. "Er hat gesagt, das macht dann die Lauda Stiftung, er hat aber nichts Schriftliches vorgelegt." Lauda weist die Vorwürfe zurück. "Es ist absolut falsch, dass wir fünf Millionen weniger geboten haben", sagt Lauda zum KURIER. "Wir wurden auch nie aufgefordert, irgendwelche Bankkonten offenzulegen."