Ausblick und Warner-Deal drücken Netflix-Aktie

Vier Stranger-Things-Hauptfiguren fassen einander im Wald zu einem Schwur an den Händen
"Stranger Things" und "Knives Out" lockten zusätzliche Kunden. Ausblick für erstes Quartal und für 2026 unter Markterwartungen.

Der Erfolg der finalen Staffel "Stranger Things" und des neuen Films der Krimireihe "Knives Out" hat Netflix Rückenwind gegeben. Mit seinem Ausblick konnte der Streamingdienst dagegen nicht überzeugen. Zudem bereitete der Übernahmekampf um den Rivalen Warner Bros Discovery einigen Anlegern Sorgen. Die Netflix-Aktie fiel daher im nachbörslichen Geschäft der Wall Street am Dienstag um etwa fünf Prozent.

"Investoren sind skeptisch, ob sich eine Warner-Übernahme für Netflix auszahlen wird", sagte Analyst Ross Benes von der Marktforschungsfirma eMarketer. Der Konzern stehe finanziell zwar besser da als so mancher Konkurrent. Dennoch werde das Thema die Geschäftszahlen mehrere Quartale lang überschatten. Netflix will zur Finanzierung der Transaktion unter anderem Aktienrückkäufe aussetzen.

Wenige Stunden vor Veröffentlichung der Quartalsergebnisse hatte Netflix sein Angebot für Warner Bros aktualisiert. Die Eigner des Unterhaltungskonzerns erhielten 27,75 Dollar (23,66 Euro) je Aktie oder insgesamt knapp 83 Mrd. Dollar (70,8 Mrd. Euro) in bar. Bisher hatte Netflix die gleiche Summe geboten. Diese sollte jedoch teilweise mit eigenen Anteilsscheinen bezahlt werden. Seit Bekanntgabe der Übernahmepläne Anfang Dezember haben die Titel des Branchenprimus knapp ein Viertel an Wert eingebüßt. Paramount Skydance bietet zwar etwa 108 Mrd. Dollar, dennoch hat Warner dieses Angebot mehrfach zurückgewiesen. Die Finanzierung stehe auf wackligen Beinen.

Warner Bros hält die Rechte an Filmklassikern wie "Casablanca", der "Harry Potter"-Reihe oder der TV-Serie "Game of Thrones". Zum Konzern gehören außerdem der Bezahlsender HBO und der Nachrichtenkanal CNN.

Wachstum ungebrochen

Gestützt auf einen anhaltenden Kundenzuwachs stieg der Umsatz von Netflix den Angaben zufolge im abgelaufenen Quartal um rund 17 Prozent auf 12,05 Mrd. Dollar. Der Überschuss lag bei 0,56 Dollar je Aktie. Die Zahl der Nutzer habe zum Jahresende die Marke von 325 Millionen überschritten. Experten des Analysehauses Visible Alpha hatten mit 327 Millionen gerechnet.

Die Kunden hätten Netflix in den vergangenen Monaten zudem etwa zehn Prozent häufiger genutzt, rechnete die Marktforschungsfirma Nielsen vor. Allein die neuen Folgen von "Stranger Things" seien insgesamt 15 Milliarden Minuten lang gestreamt worden. Das entspricht rund 28.500 Jahren. Aktuell liefen acht der zehn am häufigsten gesehenen Streaming-Produktionen bei Netflix, teilte Nielsen weiter mit.

Für das erste Quartal sagte Netflix einen Umsatz von 12,16 Mrd. Dollar und einen Gewinn von 0,76 Dollar je Aktie voraus. Im Gesamtjahr 2026 würden die Konzernerlöse voraussichtlich zwischen 50,7 und 51,7 Mrd. Dollar liegen und sich die Werbeeinnahmen in etwa verdoppeln. Letztere lagen Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr bei mehr als zwei Mrd. Dollar. Netflix veröffentlicht hierzu keine genauen Zahlen.

Sport-Übertragungen und Hochkant-Videos sollen Nutzer fesseln

Das Unternehmen lockt Kunden seit einiger Zeit mit preisgünstigeren Zugängen, bei denen Filme und Serien durch Werbung unterbrochen werden. Dadurch verspricht sich der Streamingdienst langfristig höhere Einnahmen pro Nutzer als durch werbefreie Abonnements. Hierzu müssen die Zuschauer aber möglichst lange vor dem Bildschirm gehalten werden. Dies sollen unter anderem Live-Übertragungen von Sportwettkämpfen gewährleisten. Das American-Football-Spiel der Detroit Lions gegen die Minnesota Vikings am ersten Weihnachtsfeiertag war die meistgestreamte US-Sportveranstaltung überhaupt.

Zugleich will der Streaming-Marktführer aber auch Hochkant-Videos auf dem Smartphone nicht komplett Rivalen wie Tiktok oder Instagram überlassen. Co-Chef Greg Peters verwies darauf, dass der Dienst bereits seit Monaten einen Feed mit Senkrecht-Clips aus seinen Filmen und Serien teste. In Zukunft könnten Ausschnitte aus Video-Podcasts dazukommen. Das Format soll Teil einer Erneuerung der Smartphone-App von Netflix im heurigen Jahr werden.

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