"Mit Arroganz aufzutreten, wäre eine Todsünde"
Der 29-jährige
Arnulf Gressel hat in Salzburg studiert. Nach Stationen in Hongkong und Schanghai ist das Außenwirtschafts-Center in Peking der nächste Karriereschritt für den jungen Juristen. Etwa 550 österreichische Unternehmen gilt es zu unterstützen. China braucht etwa Seilbahnen und Leuchten aus Vorarlberg, Schiebedach-Mechanik aus Niederösterreich, Leiterplatten-Know-how aus der Steiermark. Nischen-Weltmeister aus Österreich sind in China längst präsent. Auch kleine Unternehmen haben große Chancen, sagt Gressel - sofern sie die Spielregeln kennen und befolgen. Der KURIER sprach mit ihm über ...
... Rahmenbedingungen Man muss sich vom Gedanken lösen, dass China immer westlicher wird, nur weil hier die Glasfassaden glitzern. Meiner Ansicht nach ist das Gegenteil der Fall: China wird immer chinesischer. Die Menschen beziehen sich auf ihre Traditionen und das eigene Potenzial. Politiker und Unternehmer sehen sich in einer Position, von der aus sie sich kaum auf ihr Gegenüber einlassen müssen. Sie sind sich ihrer Stärke bewusst und stolz auf das, was sie in so kurzer Zeit geschafft haben. Viele führen das auf die ureigene chinesische Kultur zurück, die sich durch eine sehr hohe Wertschätzung für Bildung, kollektive Geschlossenheit und doch stetes Streben nach individuellem Erfolg auszeichnet.
... Chancen und Risiken Mit Arroganz aufzutreten, wäre eine absolute Todsünde. Hier geht es nicht um den Superdeal, das kurzfristige Geld. In den
Geschäftsbeziehungen ist es wichtig, langfristige Beziehungen und Netzwerke aufzubauen und bei der Partnerwahl genau hinzuschauen. So wie bei einer Heirat. Eine Scheidung könnte mitunter sehr schmutzig werden. Eine Herausforderung ist sicher auch die Unternehmenskultur. Man bemüht sich teilweise um Transparenz, aber die hält sich noch in Grenzen. Die Hierarchien sind streng. Feedback in die Führungsetagen vonseiten der Mitarbeiter gibt es nicht.
... den Blick chinesischer Konsumenten auf Österreich Der chinesische Konsument ist sehr neugierig und empfänglich für neue Produkte. Man muss dem Konsumenten aber erst erklären, warum er dieses Produkt denn kaufen soll. Mit gutem Marketing ist in China alles möglich. Nicht umsonst hat es Starbucks geschafft, sich in einem Land mit Jahrtausende alter Teekultur zu etablieren. Hier haben viele österreichische Unternehmen noch Potenzial. Northland hat das erkannt und in diesem Bereich gut gearbeitet. Mit Northland kauft und gönnt man sich ein Stück Luxus und Qualität. Das hebt den Status der Käufer.
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