Wirtschaft
21.08.2018

Millionenpleite von Kaffee-Großhändler Alvorada

Traditionsunternehmen hat rund 2,4 Millionen Euro Schulden und soll fortgeführt werden. Durch angeblichen Betrug soll hoher Schaden entstanden sein.

Dieses Unternehmen hat eine lange Geschichte, die jetzt einen heftigen Tiefschlag erlebt. Die Firma ALVORADA Kaffee Vertrieb GmbH & Co KG  hat am Handelsgericht Wien einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt, das berichtet Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform. Es sind 46 Gläubiger und sieben Arbeitnehmer betroffen.

"Das Unternehmen wurde 2015 gegründet und beschäftigt sich mit dem (Groß-)Handel von Kaffee aller Art. Das Sortiment umfasst gerösteteten Kaffee gemahlen und in ganzen Bohnen, Instant-Kaffee sowie Tee. Alvorada kauft Rohkaffee von diversen Lieferanten zu, lässt diesen rösten und verpacken und liefert dann an diverse Einzelhandelsketten oder Gastronomiebetriebe", teilt Creditreform mit. "Die Insolvenzursachen liegen zu hohen Fixkosten. Seit der Gründung 2015 konnten die Umsatzerlöse keinen ausreichenden Deckungsbeitrag generieren."
Ein Sanierungskonzept einer Unternehmensberatung sähe einen Kapitalzuschuss von rund einer Million Euro vor. Das erscheint für den Hauptgesellschafter nicht darstellbar. Daher wurde der Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens gestellt. 

Den Aktiva werden laut AKV Und Creditreform mit rund 1,4 Millionen Euro beziffert, davon 1,1 Millionen Euro mit Absonderungsrechten belastet, die Passiva betragen rund 2,4 Mio Millionen Euro. Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten.

Der Hintergrund

Die ALVORADA Kaffee Vertrieb GmbH & Co KG um Peter Kramberger hat  Ende Oktober 2015  den Teilbetriebs "Vertrieb und Vermarktung von warmen Erfrischungsgetränken, wie insbesondere gerösteter Kaffee, instant Kaffee und Tee" von der ALVORADA Kaffeehandelsgesellschaft m.b.H., mit Sitz in der Deutschstraße 1, in Vösendorf bei Wien übernommen. Doch die Geschäfte gingen offenbar nicht auf. Im Jahr 2015 wurde ein Verlust in Höhe von 483.000 Euro eingefahren, 2016 waren es sogar 2,177 Millionen Euro und im Vorjahr 2,199 Millionen Euro.

"Es zeigte sich, dass die Umsatzerlöse zu keiner Zeit reichten, um einen ausreichenden Deckungsbeitrag zu generieren", heißt es im Insolvenzantrag aus der renommierten Anwaltskanzlei Graf & Pitkowitz. Ursache für die negativen Ergebnisse seien die " zu hohen Fixkosten". Auch das Engagement eines externen Unternehmensberaters konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Indes ist Ende Juli auch der Geschäftsführer Peter Kramberger zurückgetreten.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 2,402 Millionen Euro beziffert, das Vermögen hat einen Liquidationswert in Höhe von 1,4 Millionen Euro; das freie Vermögen beträgt aber nur rund 300.000 Euro. Das Warenlagen (Wert: 316.000 Euro) soll an eine Bank verpfändet sein, der Wert der Marken wird aufgrund des hohen Bekanntheitsgrad mit rund 300.000 Euro beziffert.

Die offenen Forderungen werden mit Buchwerten in Höhe von 1,552 Millionen Euro ausgewiesen. Laut Insolvenzantrag soll aber eine Forderung in Höhe von 500.000 Euro aufgrund eines mutmaßlichen Betruges zum Nachteil von Alvorada verloren sein. Über die genauen Umstände werden keine angaben gemacht. Jedenfalls sollen die gesamten Forderungen am Ende nur einen Liquidationswert in Höhe von 776.000 Euro haben.

Die Zukunft

Kurz vor der Insolvenz soll mit einer namhaften deutschen Kaffeerösterei eine Lizenzvereinbarung über die Nutzung der Alvorada-Marken abgeschlossen worden sein, um die Lebensmittelhandelsketten weiter zu beliefern. Damit soll ein Wertverlust der Marke Alvorada verhindert werden. Sollte es aber zu einem Lieferausfall kommen, wird wahrscheinlich die Gläubigerquote (20 Prozent) nicht bedient werden können.