Wirtschaft
20.12.2017

Millionenpleite eines Fahrzeug- u. Maschinenbauers

Planungsfehler dürften zur Insolvenz geführt haben, der Schuldenberg wird mit 11,98 Millionen Euro beziffert.

Fast zwei Millionen Euro wird dieses insolvente Unternehmen in die Hand nehmen müssen, um sich aus der finanziellen Bredouille zu ziehen. Denn die Fahrzeug- und Maschinenbau-Prototypen-GesmbH mit Sitz in Dietach, OÖ, hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und Creditreform dem KURIER. Den 110 Gläubigern wird 20 Prozent Quote geboten. Zehn Mitarbeiter sind betroffen.

Das Unternehmen, das unter der Bezeichung FMP GmbH firmiert, ist hauptsächlich für einen ausländischen Hauptauftraggeber tätig. Der Betrieb produziert und handelt mit Blechen und Schweißteilen u.a. für Traktoren. Diese werden vorwiegend in Slowenien hergestellt, aber auch andere Firmen beauftragt. Hauptauftraggeber ist die Unternehmensgruppe C., die zum Fiat-Chrysler-Konzern gehört und Traktoren, Busse und Lkw herstellt. Die FMP ist am besten mit einem Lieferanten für Autoindustrie zur vergleichen, der Teile genau nach den Wünschen des Kunden fertigt und zeitgerecht liefert. So werden Teile mit Laser geschnitten, gekantet, gepresst und geschweißt.

Selbst die Produktionsabläufe und die Produktionspläne werden gemeinsam mit dem Hauptauftraggeber analysiert, erstellt und verbessert. Doch die gesamte Abwicklung und der Produktionsprozess ist sehr komplex. FMP kauft zum Beispiel Rohmaterial ein und stellt es einem Lieferanten zur Verfügung. Das soll sich künftig ändern.

„Derzeit werden 600 Teile geliefert, die in unterschiedlichen Fertigungsstadien zur Herstellung von Traktoren weltweit benötigt werden“, heißt es dazu vom KSV1870. „Seit 2014 wirkt sich die Russland- und Ukraine-Krise sehr massiv auf das Geschäft des Hauptkunden aus.“

So ist der Umsatz im Geschäftsjahr 2014/15 um drei Millionen Euro auf 12,83 Millionen Euro gesunken. Auch im Geschäftsjahr 2015/16 haben sich nicht vorhersehbare Umsatzrückläufe ergeben. Die Planzahlen mussten um rund 15 Prozent reduziert werden, bei Sublieferanten wurde Personal abgebaut.

Ab 2017 kam es zu kurzfristigen und massiven Umsatzsteigerungen, wofür nun die Personaldecke aber nicht ausreichte, um die Aufträge zu erledigen. Die Sublieferanten stellten daher auf einen Drei-Schicht-Betrieb um, der zu massiven Mehrkosten und folglich zu den hohen Verlusten führte.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 11,983 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 6,91 Millionen Euro auf fünf Banken und 2,61 Millionen Euro auf die Lieferanten. Zwei Lieferanten sollen aufgrund hoher Rückstände bei der Finanz und der Krankenkasse selber an einer möglichen Insolvenz entlang kratzen.

Die Aktiva werden mit einem Buchwert in Höhe von 8,81 Millionen Euro beziffert, der Liquidationswert beträgt aber nur 4,11 Millionen Euro und das freie Vermögen lediglich 1,08 Millionen Euro.

Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Das geht aber nur, wenn der Hauptkunde weiter Aufträge an FMP vergibt.