Wirtschaft
21.11.2018

Millionenpleite einer Tunnelsicherheits-Firma

Das Unternehmen hat rund 5,57 Millionen Euro Schulden angehäuft und sucht Käufer.

In diesem Fall gibt es kein Licht am Ende des Tunnels - zumindest nicht aus wirtschaftlicher Sicht. Die G. Völkl G.m.b.H., kurz Völkl genannt, mit Sitz im steirischen Niklasdorf hat heute am Landesgericht Leoben die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragt. 40 Mitarbeiter sind laut Creditreform und KSV1870 betroffen. Völkl ist ein spezialisierter Komplettanbieter mit den Schwerpunkten Tunnelsicherheit und Komponentenbau und deckt zudem auch weitere spezifische Anwendungsgebiete im Stahl- und Metallbau, wie etwa Haftraumtüren, Außenliftanlagen und Spezialschlosserarbeiten ab.

"Die Alleingesellschafterin Dr. Aichhorn GmbH war seit Sommer 2018 darum bemüht, die Beteiligung an der G. Völkl Gesellschaft m.b.H. zu veräußern, wobei zuletzt mit einem konkreten Kaufinteressenten Verhandlungen geführt wurden. Die entsprechende finanzielle Ausstattung durch die Gesellschafterin bis zum Abschluss der Transaktion - geplant bis spätestens Ende November 2018 - und danach direkt vom vermeintlichen Käufer wurde zugesichert", heißt es dazu von Franz Blantz vom Gläubigerschutzverband AKV. "Kurzfristig hat jedoch der Kaufinteressent nunmehr die Verhandlungen abgebrochen, sodass derzeit die Übernahme durch einen Investor als gescheitert anzusehen ist. Dadurch ist auch eine entsprechende Liquiditätsabsicherung nicht mehr gegeben, sodass kurzfristig mit dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit gerechnet wird."

Schulden und Vermögen

Die Passiva betragen laut Insolvenzstatus rund 5,57 Millionen Euro, davon entfallen rund 3,3 Millionen Euro auf Banken, etwa 300.000 Euro auf Lieferanten, zirka 300.000 Euro auf die Dienstnehmer und rund 1,66 Millionen Euro auf den eigenen Konzern.

Die Aktiva werden laut Creditreform mit rund 2,667 Millionen Euro beziffert, davon entfallen rund 1,7 Millionen Euro auf offene Forderungen, 200.000 Euro auf kurzfristig zu fertigstellende Aufträge und 500.000 Euro auf langfristig zu fertigstellende Aufträge sowie je 100.000 auf die Betriebsausstattung und das Lager. Die offenen Forderungen in Höhe von 600.000 Euro sind strittig und in Höhe von 840.000 Euro verpfändet. In der Kasse liegen gerade einmal 7000 Euro.

Der Hintergrund

Durch die Eröffnung des Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung über die Schwestergesellschaft Hitzinger GmbH (vor dem LG Linz zu GZ 17 S 85/18a) erhoffte man sich eine Beschleunigung des Investorenprozesses.

„In den vergangenen Wochen wurde deutlich, dass die Schwankungen im kurzlebigen Projektgeschäft trotz aktuell sehr guter Auslastung nicht aus eigener Kraft ausgeglichen werden können“, erklärt Völkl-Geschäftsführer Jörg Süssenbacher. „Daher haben wir einen strategischen Partner gesucht, der für die nächsten Monate die benötigte Finanzierung sicherstellt und langfristig die nötigen Investitionen tätigt, sodass Völkl mit ihrem hervorragenden Know-how am umkämpften Markt bestehen kann.“
 

Das Unternehmen beabsichtigt nun, mit dem Masseverwalter die Fertigstellung der Aufträge abzustimmen. „Es wurde bisher alles unternommen, um das Unternehmen mit seinen 40 Dienstnehmern zu retten. Da der Investorenprozess nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat, war die Geschäftsführung gezwungen, Insolvenz zu beantragen", sagt Firmenanwalt Clemens Jaufer von der Kanzlei ScherbaumSeebacher. "Wir hoffen auch weiterhin, dass Interessenten hervorkommen, die an der Übernahme und Fortführung des Unternehmens interessiert sind. Dass das Geschäftsmodell grundsätzlich funktioniert, haben die letzten Jahre gezeigt, in denen operativ immer ein positives Ergebnis geschafft wurde“,