© REUTERS/Heinz-Peter Bader

Wirtschaft
10/07/2019

Millionenpleite einer IT-Firma: Kunden drohen massive Probleme

Bis zu 700.000 Dokumente wie Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen werden pro Monat für die Kunden über Schnittstellen abgewickelt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Diese Pleite könnte für viele Kunden ein Riesen-Problem werden. Seit 2016 hat sich diese IT-Firma auf zwei Bereiche konzentriert: Einerseits auf die Entwicklung einer 3D- Konfigurationssoftware, um Verkaufs- und Produktionsprozesse zu vereinfachen. Das hat in drei Jahren rund 850.000 Euro verschlungen, dazu kamen noch 100.000 Euro Vertriebskosten. Außerdem sollen zwei angeblich fixe Aufträge mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 1,1 Millionen Euro nicht zustande gekommen sein.

Doch die Derwid.com GmbH hat einen zweiten Geschäftsbereich, nämlich den Betrieb "hoch individueller Datenschnittstellen" für rund 140 multinationale Unternehmen und Klein- Mittelunternehmen (KMU). Es werden zwischen 500.000 und 700.000 Dokumente pro Monat über die Schnittstellen für die Kunden abgewickelt.

Aufgrund des Liquiditätsengpasses suchte das Unternehmen nach einen finanziellen Lösung. Es suchte seit August 2019 nach potenziellen Investoren. Doch für einen erfolgreichen Abschluss soll die Zeit offenbar zu kurz gewesen sein. Mitte September 2019 soll die Hausbank die Geschäftsbeziehung aufgekündigt und eine Forderung in Höhe von knapp weniger als eine Million Euro fällig gestellt haben.

Detail am Rande: Laut Firmenhomepage stammt die Bezeichnung Derwid für einen Druiden aus der "antiken keltischen Sprache".

2,1 Millionen Euro Schulden

Jetzt musste die Derwid.com GmbH mit Sitz in Villach laut KSV1870 und Creditreform ein Konkursverfahren beantragen. Zuletzt wurden nur zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Die September-Löhne wurden nicht mehr bezahlt. Das Unternehmen hat vier Tochterfirmen in Deutschland und Italien mit 22 Mitarbeitern. Alleine Derwid.it machte im Vorjahr 2018 rund 755.000 Euro Umsatz und Derwid Milano rund 688.500 Euro.

Die Schulden der Österreich-Mutter werden mit 2,1 Millionen Euro beziffert, davon entfallen rund 1,564 Millionen Euro auf Banken und etwa 484.500 Euro auf Konzernverbindlichkeiten. Das Vermögen wird mit 1,554 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,125 Millionen Euro auf eine Liegenschaft, die an die Hausbank verpfändet ist.

Keine Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen?

Das Unternehmen soll geschlossen werden. Das könnte für die Kunden aber teuer werden. Als Folge der Schließung könnten die Kunden womöglich keine Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen über die Schnittstellen mehr erhalten. Oder anders gesagt: Die Kunden sollen bei einer Schließung nicht mehr in der Lage sein, ihre Aufträge abzuwickeln und könnten mit Vertragskündigungen und möglichen Pönalen konfrontiert sein.

Eine kurzfristige Umleitung auf Alternativanbieter soll laut Firmenangaben nicht möglich sein. Das Unternehmen rechnet daher mit erheblichen Schadenersatzforderungen. Um den Schaden aber etwas zu begrenzen, soll dieser Schnittstellen-Bereich mit drei Mitarbeitern fortgeführt und an ein anderes Unternehmen übertragen werden. Der Wert der 3D-Konfigurationssoftware wird auf rund 200.000 Euro geschätzt.