Wirtschaft
23.10.2018

Millionenpleite eine Stahlbau-Unternehmens

Tochter Waagner-Biro AG hat zumindest 77 Millionen Euro Schulden, 107 Mitarbeiter sind betroffen.

Diese Pleite schlägt sprichwörtlich ein wie eine Bombe. Die SBE Alpha AG, Tochter der Waagner-Biro AG, hat heute  am Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Konkursverfahrens beantragt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform, KSV870 und AKV dem KURIER. 107 Mitarbeiter und 388 Gläubiger sind betroffen. Ein Fortbetrieb ist laut Konkursantrag nicht möglich. Creditreform beziffert die Schulden mit zumindest 77 Millionen Euro, der KSV1870 sogar mit bis zu 108 Millionen Euro. Die Aktiva werden mit 39 Millionen Euro ausgewiesen.

„Bei der Antragstellerin handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Waagner-Biro AG. Das Schuldnerunternehmen ist insbesondere als Spezialist für komplexe Konstruktionen aus Stahl und Glas bekannt“, heißt es weiter.  „So war die Schuldnerin für die Umsetzung der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin und für den Queen Elisabeth II. Court im British Museum in London verantwortlich. Auch die Konstruktion des Red Bull Hanger-7 in Salzburg stand im Verantwortungsbereich des Schuldnerunternehmens.“

Glas-Bruch sorgt für Probleme

Laut Angaben der Schuldnerin waren neben Schwierigkeiten bei mehreren Projekten, insbesondere aber ein erheblicher Zahlungsausfall im Rahmen eines Großprojektes in Russland ursächlich für Stellung eines Konkursantrages. Dabei soll es zu keiner Einigung zwischen Auftraggeber und Generalunternehmer gekommen sein, für Oktober 2018 erwartete Zahlungen sollen nicht geleistet worden sein. In Russland wird derzeit das höchste Gebäude Europas errichtet. Auftraggeber ist eine russische Baufirma. Es werden je 1,2 Tonnen Glaselemente an zwei Gebäuden montiert.

Aufgrund eines Produktionsfehlers des Lieferanten soll es zu massiven Spannungen gekommen sein. Gläser an den Gebäuden sollen gebrochen sein. An einem Gebäude sollen 15 Prozent, an am zweiten sogar 40 Prozent der Gläser gebrochen sein.

Das schlug mit sieben Millionen Euro auf die SBE Alpha AG durch. Trotz Verhandlungen konnte keine Zahlung erreicht werden. Der Finanzierungsbedarf stieg auf 15 Millionen Euro. Eine Zwischenfinanzierung mit einem Finanzierungspartner konnte nicht erzielt werden. Dazu kam ein unerwartet niedriger Auftragseingang in den ersten drei Quartalen 2018. 13 aufträge mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 76,6 Millionen Euro soll das Unternehmen nicht erhalten haben. Teilweise wurden Projekte abgesagt oder verschoben.

Kein Fortbetrieb möglich

Das Unternehmen verfügt derzeit über keine Liquidität und ein Fortbetrieb ist derzeit nicht möglich. So wird auch kein Sanierungsplan beantragt werden. Das Unternehmen schuldet auch der Holding Waagner-Biro AG und eine Schwestergesellschaft Geld. "Es ist mit keinem wesentlichen freien Vermögen zu rechnen", heißt es im Konkursantrag aus der Feder der renommierten Anwaltskanzlei Kosch & Partner.

Der renommierte Insolvenzexperte Stephan Riel, der schon die Alpine Bau abwickelte, wurde vom Konkursgericht zum Masseverwalter bestellt.