Eien ganz besondere Insolvenz

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Konkurs
12/22/2016

Millionen-Pleite eines Medizinprodukte-Händlers

Das betroffene Unternehmen hat Aufträge des Wiener Krankenanstaltenverbund KAV verloren, es wird nun vom Massverwalter zugesperrt.

von Kid Möchel

Die Pleitewelle kurz vor Jahresende erreicht bald ihren Höhepunkt. Jetzt hat es die Firma SV Geriatrie- und Krankenhausbedarf HandelsgmbH mit Sitz in Wien erwischt. Das Unternehmen hat am Handelsgericht Wien einen Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens gestellt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER.

Das Unternehmen wurde 1989 gegründet und belieferte Krankenanstalten im Großraum Wien und Niederösterreich mit Medizinprodukten wie OP-Handschuhe, Bettunterlagen, Verbandsstoffe, Badewannen- und Personen-Lifter. Zu den Kunden gehören der Wiener Krankenanstaltenverbund KAV, die Wien Holding, öffentliche und private Spitäler, Pflege- und Pensionistenheime.

Die Insolvenzursachen liegen laut Creditreform im starken Wettbewerb am ostösterreichischen Markt, dem schlechten Deckungsbeitrag bei nicht veredelter Handelsware sowie der Tatsache, dass große Ausschreibungslose nicht neuerlich gewonnen werden konnten.

Aufträge verloren

„Das Hauptkriterium um Aufträge erhalten zu können, ist der Preis. Dadurch ist der Deckungsbeitrag in den vergangenen Jahren rückläufig und der Geschäftserfolg negativ“, heißt es im Konkursantrag aus der Feder der Anwaltskanzlei Koroschetz-Lang-Herzer. „Im Geschäftsjahr 2011 wurden seitens der Gesellschafter 700.000 Euro Kapital eingebracht, um den Fortbestand zu sichern. Das wurde deswegen gemacht, da durch den Gewinn zweier Ausschreibungen zur Belieferung des Wiener Krankenanstaltenverbunds KAV mit Hygienetüchern eine positive Planrechnung erstellt werden konnte.“ Das Jahresauftragsvolumen betrug rund eine Million Euro.

Keine Trendumkehr

Durch den Verlust eines dieser Aufträge im Jahr 2014 „kam es 2015 zu einer deutlichen Verschlechterung der Ertragslage und einem negativem operativen Betriebsergebnis“. „Die Bemühungen des Vertriebs durch Aufnahme weiterer Außendienstmitarbeiter führten nicht zum erhofften Erfolg“, heißt es weiter. Auch heuer konnte der Trend nicht umgekehrt werden, zwei Ausschreibungslose gingen verloren. Zugleich ist der Verkauf des Unternehmens an einen Investor gescheitert.

„Die Gesellschaft beabsichtigt keine Fortführung der Tätigkeit“, heißt es im Antrag. „Der Geschäftsführer stimmt ausdrücklich einer Schließung des Unternehmens zu.“

Laut AKV und KSV1870 sind 57 Gläubiger und 13 Mitarbeiter von der Pleite betroffen. Die Aktiva bestehen aus dem Warenlager mit einem Wert in Höhe von 61.000 Euro. Die Schulden werden mit 1,4 Millionen Euro beziffert.

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