Wirtschaft
05.09.2018

Mehr Frauen in heimischen Aufsichtsräten

Die im Jänner eingeführte Frauenquote von 30 Prozent beginnt langsam zu greifen. Rückgang allerdings in den Vorständen.

Laut dem EY Mixed Leadership Barometer sind von den 560 Aufsichtsratsmitgliedern der im WBI, dem im  Wiener Börse Index-notierten Unternehmen 125 Frauen und damit um 19 mehr als noch im Dezember 2017. Trotz dieses Anstiegs auf 22,3 Prozent an weiblichen Aufsichtsräten, ist die Quote von 30 Prozent aber noch nicht erfüllt.

Die Einführung der gesetzlichen Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten börsenotierter Konzerne und Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern zeigt erste Effekte. Durch die Steigerung von 18,9 Prozent im vergangenen Halbjahr auf derzeit 22,3 Prozent ist nun jedes fünfte Mitglied des Aufsichtsrates eine Frau. Zudem sind erstmals in gut jedem zweiten Unternehmen (55 Prozent) mindestens zwei Aufsichtsräte weiblich. Am höchsten ist der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder derzeit in der Telekommunikationsbranche, wo jedes dritte Aufsichtsratsmitglied eine Frau ist.

Quote als Türöffner

"Die Frauenquote zeigt bereits zaghaft Wirkung. Allerdings ist es immer noch ein weiter Weg zum Ziel. Nach wie vor erfüllt fast jedes zweite der verpflichteten Unternehmen, also elf von 25, die Frauenquote nicht", erklärte Helen Pelzmann, Partnerin EY Law. Die Zahlen würden zeigen, dass die Quote zwar kein Allheilmittel, aber doch ein notwendiger Türöffner sein kann. Vergleicht man die Verteilung in den Gremien, werde deutlich, dass gerade auf Vorstandsebene immer noch eindeutig Männer dominieren, so Pelzmann weiter.

In den Vorstandsetagen von Österreichs börsenotierten Unternehmen ist der Frauenanteil im Vergleich zum Dezember 2017 leicht zurückgegangen. Von den derzeit 191 Vorstandsmitgliedern der im WBI notierten Unternehmen waren zum Stichtag 30. Juli 2018 nach wie vor nur zehn Frauen. Der Anteil ging zurück von 5,8 auf 5,2 Prozent. 13 Prozent der Unternehmen haben mindestens eine Frau im Vorstand, 87 Prozent haben rein männliche Vorstände.

Selbstschädigung

"Der Frauenanteil in Chefetagen stagniert auf niedrigem Niveau", und dies trotz erkennbarer Bemühungen, meinte Pelzmann. Mit einer einseitigen Besetzung von Führungsetagen würden sich Firmen aber selbst schaden, denn dadurch verlieren sie an Attraktivität für Nachwuchskräfte.

Bei EY Österreich sind acht der 35 Partner Frauen, was einem Anteil von 22,9 Prozent entspricht. Auf Management-Ebene liegt der Frauenanteil bei 43,3 Prozent. Um den Frauenanteil auf Führungsebene weiter zu vergrößern, gebe es Programme, die bereits bei der Einstellung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ansetzen, hieß es.