Verantwortungslos aus Prinzip?

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Insolvenzen
12/20/2016

Mehr aber kleinere Firmen pleitegegangen

Anstieg der Firmeninsolvenzen heuer im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent. Die betroffenen Dienstnehmer sind aber gesunken.

Der moderate Anstieg der Firmeninsolvenzen heuer im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent ist „keinesfalls Anlass zur besonderen Besorgnis, Verzweiflung oder Alarm“. Das sagte der KSV-Experte Hans-Georg Kantner am Dienstag vor Journalisten in Wien. Die Zahl der eröffneten und auch abgewiesenen Insolvenzen stieg hochgerechnet um je 1,5 Prozent auf 3.162 bzw. 2.065 - insgesamt also 5.227 Pleiten.

Mehr Kleinstunternehmen insolvent geworden

Die Insolvenzverbindlichkeiten stiegen zwar deutlich stärker an - und zwar um 21 Prozent auf 2,94 Mrd. Euro. Ohne der Pleiten der Activ Solar und der SLAV AG, die sich im Ausland abspielten aber in die heimische Statistik fallen und 620 Mio. Euro Passiva brachten, wäre aber auch die Verbindlichkeitshöhe um 4,5 Prozent auf 2,32 Mrd. Euro gesunken.

Die Zahl der von Pleiten betroffenen Dienstnehmer ging heuer um rund 13 Prozent auf 18.900 zurück. Das zeigt beim gleichzeitigen Anstieg der Pleiten, dass im laufenden Jahr mehr Kleine und Kleinstunternehmen insolvent wurden. „Es hat im Jahr 2016 deutlich kleinere Unternehmen getroffen“, sagte Kantner.
Die Insolvenzquote, also der Anteil der insolventen an allen Unternehmen, sank über die vergangenen Jahre auf nunmehr rund 1,3 Prozent, erklärte Kantner. Die Anzahl der Pleiten heuer entspricht beispielsweise „nur“ 83 Prozent des Werts aus 2007, dem letzten Jahr vor der Krise.

Wachstumserwartungen seien positiv

Fürs kommende Jahr sieht der KSV-Fachmann einen moderaten weiteren Zuwachs bei den Unternehmensinsolvenzen. Die Talsohle sei schon vor etwa einem Jahr durchschritten worden. Sorge sei fürs kommende Jahr aber keine angebracht. Die Wachstumserwartungen seien positiv. Diese Erwartungen seien aber auch Vorboten für Zinserhöhungen. „Beides sind Motoren für mehr Unternehmensinsolvenzen“, sagte Kantner.

Unternehmensgründer erinnerte Kantner an das notwendige Eigenkapital. Es sollte in etwa so berechnet werden, dass man zumindest ein Jahr als Gründer sein Auslangen finden können müsse, ohne aus der Firma regelmäßig Geld entnehmen zu müssen. „Das wäre sozusagen eine Mindestkapitalisierung, eine Art Humankapitalisierung eines neuen Unternehmens.“ Daher sei es auch schwer vorstellbar, aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen zu gründen, gab Kantner zu bedenken. „Wiewohl man sagen muss, aus der Not sind schon viele Erfolge entstanden“, sagte der KSV-Vertreter.

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