© Gilbert Novy

Wirtschaft
07/01/2019

Machtkampf um Casinos-Austria: Staat könnte die Kontrolle verlieren

Hintergrund: Warum die tschechische Sazka jetzt eine Klage gegen Novomatic eingebracht hat.

von Andrea Hodoschek

Die Ruhe war trügerisch. Dafür ist das Match um die Beherrschung der teilstaatlichen Glücksspielgruppe Casinos Austria AG (Casag) jetzt umso härter. Kontrahenten sind die tschechische Sazka Group, die mit 38 Prozent der größte Aktionär ist, und die Staatsholding ÖBAG mit 33 Prozent.

Vorerst aber klagt Saska die Novomatic, die 17 Prozent hält. Gewinnt Sazka die Klage gegen Novomatic, die sich auf die Seite der Republik geschlagen hat, dann hat der Staat bei Casinos und Lotto de facto nichts mehr zu reden.

Sazka und Novomatic schlossen 2016 einen Stimmbindungsvertrag. Da herrschte noch Friede. Die beiden Aktionäre halten gemeinsam die Mehrheit an der Casag und vereinbarten, bei wichtigen Entscheidungen gemeinsam vorzugehen.

Niederlagen

Bei der letzten Hauptversammlung reklamierte Sazka plötzlich alle 12 Kapitalvertreter für sich. Auf der Sazka-Liste standen keine Vertreter der heimischen Staatsholding. Novomatic, der Gaming-Konzern des Industriellen Johann F. Graf, stimmte allerdings nicht mit den Tschechen, sondern mit der Republik.

Sazka bekam nur fünf Aufsichtsräte und nicht die Kontrolle. Diese würden die Tschechen aber brauchen, um die Casag für einen möglichen Börsegang der Sazka konsolidieren zu können. Sazka-Chef Robert Chvatal stellte damals eine Klage gegen Novomatic in den Raum.

Diese kommt allerdings erst jetzt, ein Jahr später. Inzwischen nämlich verlor Sazka auch noch das Rennen um den neuen Casag-Vorstand. Ex-Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) ging nicht auf die Pläne des Großaktionärs ein.

Die letzte Niederlage spielte sich um die Medial Beteiligungsgesellschaft ab. Die Casag-Beteiligung der Sazka läuft über diese Zwischenholding, die Casinos halten daran immer noch 0,3 Prozent. In der Medial müssen jedoch alle Entscheidungen einstimmig sein. Mit diesem winzigen Anteil kann die Casag sehr lästig sein und ihren größten Aktionär blockieren. Der Versuch, die Casag hinaus zu bekommen, scheiterte. Chvatal kritisierte zuletzt im KURIER heftig den politischen Einfluss.

Sazkas letzter Trumpf

Jetzt spielt Sazka den letzten Trumpf aus und und reichte beim Schiedsgericht der ICC (Internationale Handelskammer) eine Klage gegen Novomatic ein. Auf einen Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe und die Mehrheit im Aufsichtsrat. Mit der Begründung, Novomatic habe sich nicht an das Shareholder-Agreement gehalten.

Gewinnen die Tschechen, müsste Novomatic zahlen und – das wäre freilich von wesentlich größerer Tragweite – die Republik würde die Kontrolle über ihre Beteiligung verlieren. Als Aktionär entmachtet, würde der nächste Finanzminister vermutlich eines tun: Die Glücksspielsteuer kräftig nach oben schrauben.

Novomatic-Vorstand Harald Neumann bestätigte die Klage, die derzeit von der ICC geprüft wird. Auf Details wollte Neumann auf Anfrage des KURIER nicht eingehen.

Aktionärsstruktur mit Konfliktpotenzial

Der Novomatic-Konzern wollte  von Alteigentümern (einer Privatstiftung, Leipnik Lundenburger, UNIQA) durchgerechnet die Mehrheit am Erzrivalen Casinos Austria AG übernehmen. Wegen des Njet der Wettbewerbsbehörde hält Novomatic nur 17 Prozent. Mit 38 Prozent ist die tschechische Sazka Group, die zum Mischkonzern-Imperium des Milliardärs Karel Komárek gehört, heute der größte Aktionär.

Novomatic und Sazka waren ursprünglich Konkurrenten im Rennen um die Casag, schlossen aber ein Shareholder-Agreement.  Die Republik Österreich (33 Prozent) ist  der zweitgrößte Eigentümer. Das Asset der Casinos-Gruppe ist die Tochter Lotterien, die den größten Gewinn einspielt.