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Wirtschaft
05/19/2020

Lufthansa: Hunderte Flugzeuge sogar 2022 noch am Boden

Unternehmensführung und Betriebsräte drängen zur Eile bei deutscher Staatshilfe: Eine Insolvenz wäre ein unkalkulierbares Risiko.

Die AUA-Mutter Lufthansa erwartet kein rasches Ende der Krise. Erst 2023 werde die Krise vollends überstanden sein, bis dahin blieben voraussichtlich hunderte Flieger am Boden, geht aus Prognosen hervor.

Zuletzt umfasste die Lufthansa-Flotte 763 Flugzeuge, davon würden sogar im Jahr 2022 noch immerhin 200 Stück nicht benötigt werden.

Warnung vor Insolvenz

Die Lufthansa-Führung und Betriebsräte drängten unterdessen am Dienstag gemeinsam auf eine schnelle Entscheidung zur geplanten Staatshilfe in Milliardenhöhe.

In einem Offenen Brief warnten die Arbeitnehmervertreter vor einer Insolvenz oder einem Schutzschirmverfahren. Beides berge unkalkulierbare Risiken und würde wirtschaftlich und politisch das falsche Signal setzen, so der Betriebsrat.

Liquidität schwindet

In einer Botschaft an die Mitarbeiter erklärte der Lufthansa-Vorstand um Carsten Spohr, dass man "in diesen Tagen" ein Finanzierungskonzept erwarte, dass zwischen dem geplanten Wirtschaftsstabilisierungsfonds und der deutschen Bundesregierung abgestimmt sei.

"Da sich unsere Liquidität absehbar weiter verringert, hoffen wir auf einen raschen Abschluss der politischen Willensbildung und einen zukunftsweisenden Kompromiss in Berlin, der auch unsere Zukunftsfähigkeit im globalen Wettbewerb berücksichtigt", heißt es in dem Brief an die Mitarbeiter.

Stellenabbau

Der Lufthansa-Vorstand stimmte die Belegschaft zudem auf weitere "schmerzhafte Restrukturierungen" ein. Man müsse 2021 noch damit rechnen, dass rund 300 der ursprünglich 760 Konzern-Flugzeuge am Boden stehen. Erst 2023 werde mit rund 660 Jets im Einsatz die Krise überstanden sein. Auch die Service-Gesellschaften LSG Sky Chefs und die Lufthansa Technik müssten wegen fehlender Aufträge Stellen in großer Zahl reduzieren.

Neun Milliarden Euro

Die Lufthansa hatte am 7. Mai einen Zwischenstand zu den Gesprächen über ein Rettungspaket von rund 9 Milliarden Euro veröffentlicht.

Neben einer stillen Beteiligung des noch nicht etablierten Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) geht es um einen KfW-Kredit und als kleinsten Bestandteil um eine direkte Beteiligung des Bundes am Grundkapital des DAX-Konzerns. Diese könnte bis zu einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Stimme reichen.

Zudem will der Staat im Aufsichtsrat vertreten sein. Lufthansa will den staatlichen Einfluss möglichst gering halten.

Internationale Gespräche

Der multinationale Konzern spricht auch mit anderen Staaten um Hilfen in der Corona-Krise. Die Schweiz hat bereits eine zum größten Teil vom Staat besicherte Kreditlinie über 1,4 Milliarden Euro freigegeben.

Österreich wie Belgien pochen für Hilfen für die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) bzw. die Brussels Airlines auf Standortgarantien, müssen sich aber wie die Deutschen auf ein kleineres Angebot von ihren Drehkreuzen einstellen. Am Mittwoch findet bei der AUA die wegweisende Aufsichtsratssitzung statt.