Das neue Tencel-Garn wiegt auf zehn Kilometer nur 40 Gramm.

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Wirtschaft
06/26/2019

Lenzing investiert Milliarde in Lyocell-Produktion in Thailand

Weltgrößte Anlage für Fasern: Zum Auftakt kommt eine 400 Millionen Euro teure Anlage mit Kapazität für 100.000 Tonnen.

von Anita Staudacher

Der börsennotierte oberösterreichische Faserhersteller Lenzing investiert in den nächsten Jahren über eine Milliarde Euro in Anlagen zur Produktion von Lyocellfasern in Thailand. Für die erste Ausbaustufe, eine Anlage um 400 Mio. Euro mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen in Prachinburi (Thailand), sei nun die Genehmigung erteilt worden, teilte Lenzing am Mittwoch mit. Entsprechende Pläne gab es im Unternehmen schon länger.

Die Anlage werde "weltweit die größte ihrer Art" sein, das Areal umfasst insgesamt 60 Hektar. Die Bauarbeiten starten im Herbst, die Produktion "gegen Ende 2021". Insgesamt 700 Mitarbeiter werden beschäftigt.

Lyocell ist eine aus Zellulose hergestellte Faser, die in der Textilindustrie aber auch für technische Anwendungen genutzt werden kann. Sie wird unter anderem für die Herstellung von Jeansstoffen, Blusenstoffen, Sport-Funktionstextilien, Arbeitsbekleidung, Unterwäsche und Bettartikel sowie als Vliesstoff für Hygiene- und Kosmetikartikel verwendet

Lenzing sieht in Spezialfasern (Marke Tencel) einen riesigen Wachstumsmarkt und baut daher die Produktion aus. Für Lenzing-CEO Thomas Doboczky ist das Thailand-Investment "ein großer Schritt für Lenzing", handelt es sich doch um das größte Investment seit den 1990er Jahren. Finanziert wird der Neubau aus Eigenmitteln - "haben gesunde Bilanz" - Bank- sowie ERP-Krediten.

Geopolitische Entscheidung

Die endgültige Entscheidung für Thailand sei auch aus "geopolitischen Gründen" gefallen, verweist Doboczky auf den Handelsstreit zwischen den USA und China, der auch die Textilinudstrie massiv verunsichere. Nach dem Ausbau-Stopp im US-Werk Mobile/Alabama habe man sich entschlossen in Thailand zu investieren. Thailand unterhält Handelsabkommen mit den wichtigsten Wirtschaftsblöcken Asiens, China und Indien. Asien ist für Lenzing der mit Abstand wichtigste Markt, 70 Prozent des Faseraufkommens gehen dorthin.

Gute Infrastruktur

Die Auswahl des Industrieparks 304 in Pranchinburi erfolgte aufgrund der guten Infrastruktur sowie der nachhaltigen biogenen Energieversorgung. Doboczky lobt auch die raschen behördlichen Genehmigungen.  "Neben Singapur hat Thailand die professionellste Abwicklung in einem asiatischen Land". Der Rohstoff Holz für die neue Anlage stammt vorwiegend aus Brasilien und Tschechien, wo Lenzing ein Zellstoffwerk hat. In Brasilien will Lenzing in ein neues Zellstoffwerk investieren. Ziel sei eine 75-prozentige Eigenversorgung, so der Vorstandschef.

Zur Kritik, dass der weite Rohstoff-Transport klimaschädlich ist, meint Doboczky: "Die Kunden sind in unserer Branche nicht dort, wo der Rohstoff ist. Und es ist am effizientesten den Zellstoff zu transportieren.

Vier Lyocell-Standorte

Derzeit produziert Lenzing an vier Standorten - darunter die Österreich-Standort Heiligenkreuz/Burgenland und Lenzing - etwa 200.000 Tonnen Lyocellfasern. In Österreich sollen künftig mehr Spezialfasern hergestellt werden, während die Standardfaser aus Thailand kommen werde.