Markenhersteller: Mehrwertsteuersenkung nur teures Marketing der Regierung

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Konsumenten würden sich durch Maßnahmen der Regierung gegen Teuerung und Shrinkflation nichts ersparen.

Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV)  lässt kein gutes Haar an der geplanten Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel. „Die Maßnahme ist eine Marketingidee der Regierung, die an Originalität nicht zu überbieten ist“, ätzte MAV-Geschäftsführer Günter Thumser am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. 

Die Konsumenten würden durch die Senkung zwar kurzfristig einen Preiseffekt merken, dieser sei nach spätestens einem Jahr, wahrscheinlich schon früher, aber wieder weg, glaubt Thumser. „Wir leben im Zeitalter dynamischer Preise.“ Wie schon Ökonomen zuvor verweist auch Thumser auf die durch Steuersenkung verursachten unrunden Preise von 1,37 oder 0,83 Euro, denen er keine lange Lebensdauer bescheinigt. „Die Maßnahme ist mit 400 Millionen Euro teuer und hat keinen nachhaltigen Effekt auf die Inflation.“ 

Der Anteil der Kategorie Lebensmittel/Alkohol/Tabak an der allgemeinen Inflationsrate sei mit 0,6 Prozentpunkten von zuletzt 3,8 Prozent überschaubar. Die größten Inflationstreiber seien die Dienstleistungen mit 2,1 Prozentpunkten und die Energie mit 0,8 Prozentpunkten. Thumser vermisst besonders am Energiesektor Maßnahmen für mehr Wettbewerb. „Niedrigstpreis-Wahn und Hersteller-Bashing senken keine Inflation.“ 

Befürchtungen, dass die Hersteller die MwSt.-Senkung nutzen könnten, um im Supermarkt Preiserhöhungen leichter durchzubringen, weist Thumser zurück. Die Preisgestaltung obliege den Händlern. 

Preisanpassungen versus Shrinkflation

Das von der Regierung eiligst verabschiedete Anti-Mogelpackungsgesetz („Shrinkflation-Gesetz“) bezeichnet Thumser selbst als Mogelpackung. „Der einzige, der hier mogelt, ist der Wirtschaftsminister“, schimpft der frühere Henkel-Österreich-Chef. Minister Hattmannsdorfer behaupte, mit den Shrinkflation-Hinweisen die Inflation bekämpfen zu wollen, was falsch sei. Die  Kennzeichnung führe jedenfalls zu Mehrkosten im Handel und bei den Herstellern, die am Ende beim Endverbraucher landen werden.  Thumser geht auch davon aus, dass die nationale Vorschrift EU-rechtswidrig sein könnte, weil sie eine nationale Handelsbeschränkung darstelle. 

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MAV-Geschäftsführer Günter Thumser

Familienunternehmen: Seit 2023 keine Einstandspreisanpassung im Supermarkt

Kaum ein Hersteller wähle freiwillig anstelle einer direkten Preiserhöhung den deutlich aufwändigeren Weg einer Inhaltsreduktion, erläuterte Thumser.  Die Packung geschrumpft werde nur, wenn die Supermarkt-Ketten keine höheren Einstandspreise zuließen oder mit Auslistung drohten. Als Beispiel nennt Thumser  einen heimischen Familienbetrieb, der seit 2023 keine Einstandspreisanpassung bei einer Lebensmittel-Kette erhalten habe. Diese habe jedoch inzwischen zwei mal die Verkaufspreise nach oben geschraubt. Im übrigen sei niemand gezwungen, irgendein Produkt zu kaufen, die Auswahl im Regal sei groß. 

„Österreich-Aufschlag“ gerechtfertigt

Einmal mehr verteidigte Thumser den so genannten „Österreich-Aufschlag“, also territoriale Lieferbeschränkungen, vor allem bei Drogerieprodukten, die in EU-Ländern zu unterschiedlichen Preisen für das gleiche Produkt führen. Dieser sei in Wahrheit ein „Österreich-Kosten-Aufschlag, verursacht durch nationale Regularien wie Lebensmittelkodex, Tierwohl, Düngemittelverbote, Pfand- oder Verpackungsverordnung.

Würden die territorialen Lieferbeschränkungen fallen, könnte sich der Handel über sämtliche mit Lieferanten in Österreich getroffenen vertraglichen Vereinbarungen hinwegsetzen und billigst produzierte Produkte aus den Billiglohnländern der EU dafür einsetzen. Ein Verbot der regionalen Lieferdifferenzierungen würde einen „dramatischen Wettbewerbsnachteil“ der heimischen Wertschöpfungskette nach sich ziehen und vor allem die heimischen Landwirte treffen. 

Zu glauben, es könnte einen europäischen Einheitspreis geben, sei vermessen, zumal es auch keine europäischen Einheitskosten gäbe. 

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Der Markenartikelverband präsentiert die neue Kampagne 2026

Markenartikelkampagne 2026

Am Donnerstag stellte der MAV auch seine neue Markenartikelkampagne vor, die heuer zum 30. Mal stattfindet. Die von der Werbeagentur Demner erstellte Kampagne stellt den Mehrwert der Marken in den Mittelpunkt.

 „Wenn Konsum nur über den Preis definiert wird, gehen Vielfalt und Wahlfreiheit verloren, Marken-Originale geben Orientierung, schaffen Vertrauen und halten den Wettbewerb über Leistung lebendig, nicht über kurzfristige Billiglogik“, umschreibt MAV-Präsident Josef Braunshofer die Idee dahinter. An der 3,8 Millionen Euro teuren Kampagne nehmen 40 Marken teil. 

An der 3,8 Millionen Euro teuren Kampagne nehmen 40 Marken teil. Der MAV wurde 1925 gegründet und repräsentiert rund 100 national und international tätige Hersteller, darunter große Konzerne wie Mondelez, Nestle, Unilever oder Procter&Gamble als auch mittelständische österreichische Unternehmen wie Staud's, Wiesbauer oder Darbo

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