Wirtschaft
05.08.2018

Laudamotion: "Turbo für den Wettbewerb"

Mit Ryanair ist Niki Lauda unter den Diskontern der schärfste Konkurrent für AUA-Lufthansa.

Ryanair-Boss Michael O’Leary ist in der Branche als harter Hund gefürchtet. Der unkonventionelle, erfolgreiche Ire zeigt jetzt seine menschliche Seite. „O’Leary verhält sich wirklich großartig und sehr verständnisvoll, das hilft Niki sehr“, ist ein enger Vertrauter von Lauda erleichtert.

Ausgerechnet als Niki Lauda bereits schwer krank im AKH lag, holte die Lufthansa aus und versuchte, Laudamotion neun Maschinen abzujagen. Die Hälfte der Flotte. O’Leary hätte die Schwäche seines Partners ausnutzen und versuchen können, sich Laudas 25 Prozent an der Airline um ein Butterbrot zu krallen. „Er steht solidarisch hinter Niki und ist ihm eine große Stütze“, hört man aus Laudas unmittelbarer Umgebung. Der dreifache Formel-1-Weltmeister ist zwar ein zäher Charakter und auf dem Weg der Besserung, bei Laudamotion wird er freilich noch längere Zeit ausfallen.

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Die Lufthansa wirft der jungen Low-Cost-Airline vor, die Leasingraten für die Maschinen nicht bezahlt zu haben, die Causa ist vor Gericht. Europas Luftfahrtindustrie brummt und Flugzeuge sind Mangelware. Die AUA-Mutter würde die Auseinandersetzung mit Laudamotion allerdings kaum derart heftig führen, wenn dahinter nicht Ryanair stünde. Der große Erzrivale, der im Vorjahr 1,45 Milliarden Euro Gewinn einflog und die Lufthansa-Gruppe mit mehr als 139 Millionen Passagieren überholte.

Lauda ist ein Turbo, der den Wettbewerb nach Wien gebracht hat, jetzt vor allem durch die Stärke von Ryanair“, stellt Theo Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), fest. Seit Anfang Juni hat Laudamotion bereits zwei Millionen Tickets verkauft. Im vergangenen Herbst korrigierten Lufthansa und AUA die Preise in Österreich und Deutschland nach oben – auf jenen Strecken, die nicht mehr von der Konkurrenz Air Berlin und deren Österreich-Tochter NIKI bedient wurden. Die Verteidigung, der Algorithmus würde die Preise festsetzen, war reichlich seltsam. Als ob es nicht immer noch in der Hand der Unternehmen liegt, Pricing-Systeme zu steuern und Obergrenzen einzuziehen.

„Der Wettbewerb hat gewonnen“, so Thanner. Neben Ryanair sind Level (IAG-Konzern aus British Airways und Iberia) und die ungarische Wizz Air in Wien gelandet, easyJet und die Lufthansa-Billigtochter Eurowings stockten auf. Die Konkurrenz zeigt bereits Wirkung. Laut Beobachtungen der BWB sind die Ticketpreise auf den Wettbewerbsstrecken um rund 35 Prozent gesunken.Doch es gibt nach wie vor Monopol-Routen. Thanner hat die Tarife zwischen Wien und Brüssel auf dem Radar. Kurzfristige Buchungen kosten schon mal bis zu 980 Euro, „um dieses Geld kann man auf die Malediven fliegen. Österreich hat die EU-Präsidentschaft und die Tarife fahren hinauf, das ist untragbar“, wettert Thanner. Der neue AUA-Chef Alexis von Hoensbroech hat nicht nur wegen Laudamotion & Co. einen schweren Start, die BWB wird ihm bald ihre Untersuchungsergebnisse präsentieren.

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Die Lufthansa-Taktik, Preise runter, bis die Konkurrenz aufgibt und dann wieder rauf damit, wird bei Ryanair nicht so leicht aufgehen. „Dieses Spiel kann Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit O’Leary nicht spielen. Ryanair geht Wettbewerb nicht aus dem Weg, sondern fliegt erst recht, wenn Konkurrenz da ist“, meint ein Brancheninsider. Mitteleuropa war ein weißer Fleck für Ryanair, attraktive Slots (Start- und Landefenster) gab es nur auf Nebenflughäfen, nicht aber in Düsseldorf und Berlin. Ähnlich war es in Wien.

Bis insolvenzbedingt die Slots von Air Berlin und NIKI frei wurden.

Aber warum steigt Lauda, der hervorragend von den Erträgen seines Wertpapier- und Immobilienvermögens leben könnte, nochmals in die Luftfahrt ein? Ein Business, das immer härter wird.

Es motiviere ihn, „neue Herausforderungen anzunehmen. Darauf bin ich seit dem Rennsport konditioniert und trainiert“, sagte er vor der entscheidenden Bieterrunde im Übernahmekampf um NIKI im KURIER-Interview. Wettbewerb ist für den Formel-1-Weltmeister selbstverständlich, Widerstände spornen ihn an: „Je schwieriger etwas wird, desto mehr interessiert mich etwas“. Er fange an hineinzukippen, „wenn’s kompliziert wird“.

In der Nacht auf den 23. Jänner überschlugen sich in der Kanzlei von Insolvenzverwalterin Ulla Reisch die Ereignisse. Die Lufthansa war von den Kartellwächtern bereits zuvor ausgebremst worden. Am Start waren die Level-Mutter IAG/Vueling, Ryanair mit Flugbetriebschef David O’Brien und Lauda mit seinem Anwalt Haig Asenbauer. Um 3:13 Uhr ging Lauda als Sieger über die Ziellinie. Damals war der Reiseveranstalter Thomas Cook mit der Ferienfluggesellschaft Condor der Partner. Nach einem ziemlich chaotischen Start rief O’Leary an. Lauda und der hemdsärmelige Konzernboss haben eine ähnliche Wellenlänge.

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O’Leary lässt es sich einiges kosten, Laudamotion in Wien zur Nummer zwei aufzubauen. Das wird nicht nur ein Match gegen die AUA, sondern auch gegen alle anderen Billig-Airlines. 150 Millionen Euro Verlust für heuer, 50 Millionen im nächsten Jahr, dann ein ausgeglichenes Ergebnis.

Bei Lauda kann vom großen Abcashen keine Rede sein – derzeit jedenfalls nicht. Er hat rund 50 Millionen Euro investiert, in den Kaufpreis und in Gesellschafterdarlehen für den laufenden Betrieb. Die Kredite sind mit Wertpapieren der Lauda-Stiftung besichert. Seit dem Einstieg von Ryanair fließen Teile der Darlehen wieder zurück an Lauda. Gewinne gibt’s jedoch erst, wenn Lauda in drei Jahren seine Option zieht und den Rest an Ryanair verkauft. andrea.hodoschek