Fed-Chef Jerome Powell (li.) im Gespräch mit Großbritanniens Notenbank-Gouverneur Mark Carney.

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Wirtschaft
08/26/2019

Konjunktursorgen: "Das Problem ist der Präsident der Vereinigten Staaten"

Beim Treffen der Zentralbanker standen die globalen Zwistigkeiten im Zentrum. Finanzpolitische Lösungen sind so schnell keine in Sicht.

von Robert Kleedorfer

Das idyllische Bild vor der Kulisse der Rocky Mountains trügt. Beim alljährlichen Treffen der weltweit wichtigsten Notenbanker war Streit und Twist angesagt, wenn auch nicht zwischen den Teilnehmern. Der Ärger wurde von außen hereingetragen, vor allem wieder einmal von US-Präsident Donald Trump. Schon bald nach der Eröffnungsrede von Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, ließ Trump einen seiner Wut-Tweets vom Stapel. „Meine einzige Frage lautet, wer ist unser größerer Feind, Jay Powel (sic) oder der Vorsitzende Xi?“

Was brachte Trump so in Rage (und ließ ihn auch gleich den Namen des Notenbankers falsch schreiben)?

Powell enttäuschte in seiner Rede Trump, der sich eine klare Ansage Richtung einer deutlichen Zinssenkung erhoffte. Doch diese blieb aus. Powell benannte zwar eine Reihe von Risiken für die US-Konjunktur. Viele davon hingen mit dem US-Handelskonflikt mit China und anderen Ländern zusammen. Aber „insgesamt hat sich die US-Wirtschaft weiter gut entwickelt“, sagte der Fed-Chef.

Die Notenbank hatte Ende Juli erstmals seit mehr als zehn Jahren ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Schon damals wütete Trump über das aus seiner Sicht laxe Vorgehen. Doch was können die Notenbanker konkret tun?

Stimulation

Generell wirken Zinssenkungen konjunkturstimulierend, da infolge Unternehmen und Private günstiger Kredite aufnehmen können und die Mittel wieder in die Wirtschaft zurückfließen. Die USA haben noch genug Spielraum und die Konjunktur läuft in der Tat noch recht gut. Nach Einschätzung des Präsidenten des Fed-Ablegers von St. Louis, James Bullard, wird die Fed im kommenden Monat intensiv über eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt debattieren. Doch Trump will mindestens einen Prozentpunkt.

In der Eurozone hingegen sind die Zinsen schon bei Null. Und die Konjunktur kühlt sich merkbar ab, vor allem in Deutschland.

„Es gibt die sehr starke Ansicht, dass die Notenbanken die Probleme lösen sollen“, sagte Australiens oberster Zentralbanker Philip Lowe. „Die Realität ist aber viel komplizierter und nicht irgendetwas, was Finanzpolitik reparieren könnte.“

Alternativen gefragt

Denn die Probleme sind nicht primär Konjunkturzyklus-bedingt oder gehen von bestimmten Branchen aus, wie es etwa bei der Finanzkrise 2008 der Fall war. Tiefere Zinsen können gegen die wahren Ursachen nichts ausrichten. „Das Problem ist der Präsident der Vereinigten Staaten“, sagte der frühere Fed-Vizechef Stanley Fischer. „Ich habe keine Ahnung, wie man mit dem Problem umgehen könnte.“ Seine Politik, die zahlreiche Handelskonflikte ausgelöst hat, sorgt zunehmend für wirtschaftliche Turbulenzen. Hinzu kommen ebenfalls von Populisten ausgelöste ökonomische Schwierigkeiten in Großbritannien (Brexit) oder Italien (höheres Defizit als geplant).

Welche Möglichkeiten bleiben also? Lowe schlägt mehr Ausgaben in Infrastruktur und Strukturreformen vor. „Aber da hält sich die Politik zurück“, kritisiert er.

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