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Wirtschaft
09/21/2019

Konjunkturflaute: Indien sucht dringend Investoren

Die indische Regierung will der Flaute mit Steuersenkungen und Mega-Projekten gegensteuern.

von Andrea Hodoschek

„Slowdown“ ist derzeit das Unwort in der größten Demokratie der Welt. Die Jahre, als Indien unter den aufstrebenden Nationen der Liebling der internationalen Investoren war, dürften vorläufig vorbei sein. Das hohe Wachstum, dem Indien den Aufstieg zur siebtgrößten Wirtschaftsmacht der Welt verdankte, hat sich abrupt eingebremst.

Nach einem Wirtschaftswachstum im Vorjahr von offiziell 7,9 Prozent verlangsamte sich die Dynamik im ersten Quartal 2019 (April bis Juni) auf fünf Prozent. Regierungskritische Wirtschaftsforscher bezweifeln allerdings bereits die Vorjahreszahlen und hegen den Verdacht, die Werte seien aus Wahlkampfgründen geschönt worden. In allen Rankings der großen Emerging Markets ist Indien deutlich abgerutscht, vor allem hinter den Erzrivalen China.

"Haben die niedrigsten Steuern international"

Der neuen, alten Regierung Modi ist klar, dass sie wirtschaftspolitisch gegensteuern muss. Denn der Subkontinent braucht dringend internationales Kapital, um die Infrastruktur und Teile der Wirtschaft zu modernisieren. In der vorherigen Legislaturperiode war es bei der Ankündigungspolitik geblieben.

Dass die Regierung jetzt die Unternehmensbesteuerung von 37 auf 22 Prozent senken will, kommt in der Wirtschaft natürlich gut an. „Damit haben wir eine der niedrigsten Steuern international“, anerkennt Baba N Kalyani, Mehrheitseigentümer und Chef des hoch profitablen Technologiekonzerns Bharat Forge.

Über die angekündigten staatlichen Interventionen sind die Meinungen allerdings geteilt. Der Unternehmerverband FICCI, vergleichbar mit der Industriellenvereinigung hierzulande, applaudiert. Der Staat will beispielsweise beim Wohnungsbau mitfinanzieren. Einschränkungen für Dieselfahrzeuge sind kein Thema mehr und die Klein- und Mittelbetriebe sollen Steuerrückzahlungen rascher erhalten. Indiens Wirtschaft ist mit sieben Millionen Unternehmen äußerst kleinteilig aufgestellt.

Mega-Projekte

Die staatliche Agentur Invest India muss gute Stimmung machen. Ihre Aufgabe ist es, Kapitalgeber ins Land zu holen. Bis 2025 hat die Regierung ein gigantisches Programm zur Erneuerung der großteils veralteten Infrastruktur verordnet. Die To-do-Liste ist lange: Mehr als 100 Smart Cities sind geplant, 10.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsnetz für die Bahn und 175 Milliarden Dollar sollen in erneuerbare Energie investiert werden.

Weiters sollen 300 Milliarden Dollar in die Automobilindustrie gepumpt werden, der Sektor hat seit dem Vorjahr mehr als 300.000 Arbeitsplätze verloren.

Riesige Investitionen geplant

E-Mobilität ist noch nicht wirklich ein Thema, wenn Millionen Haushalte am Land, geschätzte 18.000 Dörfer, immer noch ohne Strom sind. Da ist der Ausbau der Solarenergie wichtiger. 60 Prozent des Energiemix kommen derzeit noch aus Kohle.

100 Milliarden Dollar sollen laut Regierungsplan in die Biotechnologie fließen, 419 Milliarden in den Tourismus und 640 Milliarden in die Bauwirtschaft.

Viel ist die Rede von Public-Private-Partnerships. Und von Start-ups. Cloud Services werden kostenlos angeboten, Start-ups sind während der ersten drei Jahre steuerfrei. Indien hat derzeit 594 Millionen Internet-Nutzer und 1,2 Milliarden Mobilfunk-Kunden. Invest India versucht, Investoren und Unternehmen zu verkuppeln. Das wird nicht einfach, wenn selbst nationales Kapital zur Zeit lieber das Ausland sucht.

Der KURIER war auf Einladung des indischen Außenministeriums vor Ort.

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