Klimaschutz: Warum in Österreich nichts weitergeht
„Club 20“ im Hotel Intercontinental. Diskutiert wurde unter der Moderation des stv. KURIER-Chefredakteurs Christoph Schwarz.
Die USA drängen darauf, den Klimafokus aufzugeben, titelte jüngst die New York Times. Dass Donald Trump kein Klimaschutz-Fan ist, ist bekannt. Doch auch in der EU rückt das Thema plötzlich in den Hintergrund. Stichwort: Abbau von Nachhaltigkeitsregulierungen. Doch welches Signal sendet es, wenn die Mächtigen und Einflussreichen dem Klimaschutz mehr oder weniger den Rücken kehren?
Schneller wird der Klimaschutz dadurch jedenfalls nicht vorangetrieben. Dass sich in Österreich tatsächlich wenig tut, zeigt eine aktuelle Studie, die demnächst veröffentlicht wird, kündigt Jesús Crespo Cuaresma, Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien, an.
Klimapolitik wirkt kaum
Am Donnerstag war er Teil des Experten-Podiums im Wiener Hotel Intercontinental. Dort fand die „Club-20“-Veranstaltung „Ein Klimaplan für Österreich“ (in Kooperation mit „eXplore!“; moderiert vom stv. KURIER-Chefredakteur Christoph Schwarz) statt.
„Auf dem Papier ist die Klimapolitik in Österreich sehr ambitioniert. De facto ist sie aber erfolglos“, lautet die harte Kritik von Jesús Crespo Cuaresma. „Wir haben uns angeschaut, wie sich die Treibhausgasemissionen in Österreich entwickelt haben – wie viel der Reduktion der vergangenen Jahrzehnte tatsächlich auf die Klimapolitik zurückzuführen ist und wie viel ohnehin passiert wäre.“
Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein Viertel des Rückgangs kann mit aktiv gesetzten politischen Maßnahmen in Verbindung gebracht werden. Cuaresma spricht von einer eklatanten Umsetzungs- und Ambitionslücke (siehe Grafik). Ein Trend, der sich künftig fortsetzen wird, wenn man mit „business as usual“ weitermache, so Cuaresma.
Woran scheitert es?
„Klimaschutz ist populär“, sagt Hermine Mitter, Professorin am Institut für Umweltsystemwissenschaften an der Uni Graz. Laut Umfragen ist die Zustimmung zum Klimaneutralitätsziel auf österreichischer, europäischer und internationaler Ebene mit 80 Prozent sehr hoch. Und dennoch: Warum verbessert sich nichts? Schuld seien sogenannte sozialpsychologische Barrieren, sagt sie. Einfach ausgedrückt, halten mehrere Mechanismen vom Handeln ab. Sie nennt drei.
„Es gibt eine Lücke zwischen dem, was man sich vornimmt, und dem, was man tatsächlich tut“, so Mitter. Das nennt sich Intention-Behaviour-Gap. Wie man ihn überwindet? Wer weniger Benzin verbrauchen wolle, brauche konkrete Ziele, sagt Mitter. Etwa dreimal pro Woche mit dem Fahrrad zur Arbeit statt mit dem Auto. Der zweite Mechanismus ist die psychologische Distanz: Klimafolgen wirken weit weg. „Man spricht vom Jahr 2100 oder steigenden Meeresspiegeln, sieht aber im eigenen Umfeld wenig davon.“ Ergänzt wird das vom dritten Mechanismus, die pluralistische Ignoranz. „Wir verstecken uns oft dahinter, dass andere ja auch nichts machen – und tun dann erst recht nichts.“
Einwände gibt es hier von der Vorständin des Kontext-Instituts für Klimafragen, Tina Deutsch – und auch das Publikum bringt sich ein: Das Thema werde zu stark auf Einzelpersonen abgewälzt – die Verantwortung gehe weit darüber hinaus.
Die falsche Sprache
„Die Frage ist, wie wir ein System und Rahmenbedingungen schaffen, die es jedem Einzelnen leichter machen, das Richtige zu tun“, sagt Tina Deutsch. Eine Antwort hat Jesús Crespo Cuaresma: Es brauche Klarheit, Planbarkeit und Kohärenz. Aber auch ein „Reframing“, einen Perspektivenwechsel.
Ein grundsätzliches Problem sieht Deutsch schon im Begriff „Klimaschutz“ und in der Art, wie darüber gesprochen wird: „Wir schützen kein Klima, wir schützen uns. Es geht um Menschenschutz und nicht um etwas Abstraktes.“ Auch der negative Ton, der mit dem Thema einhergeht, ist ihrer Meinung nach kontraproduktiv. Um zu mobilisieren, brauche es zwar Dringlichkeit, aber auch eine positive Vision. „Wenn ich nur mit der Keule des Weltuntergangs komme, reagieren viele mit fight, flight oder freeze – und bewegen sich gar nicht mehr, weil sie es als sinnlos sehen.“
Ein weiteres Problem: die Narrative, dass Klimaschutz und Wohlstand Gegensätze sind. „Klimaschutz wird als Kostenfaktor betrachtet, anstatt als Investition“, sagt sie. Und genau das sei vor allem jetzt ein Nachteil. „In einer Zeit, in der es viel um Budgetzwänge und Sparmaßnahmen geht, wird alles, was etwas kostet, gestrichen.“ Dabei würden Investitionen Jobs schaffen und, wie Deutsch sagt, in vielen Fällen zumindest mittel- und langfristig zu BIP-Wachstum führen.
Geld vor Klimaschutz
Das hat Michael Kowatschew längst erkannt und gründete vor gut zwei Jahren gemeinsam mit Alexander Valtingojer und Valentin Perkonigg das Start-up „Heizma“. Seit seinem 18. Lebensjahr ist Kowatschew „aus vollem Herzen Unternehmer und Gründer“. Mit Heizma will er einen Wechsel von einer Gasheizung zu einem „autarken, elektrischen, klimafreundlichen Haus“ ermöglichen – und verbaut dafür u. a. Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und ein eigenes intelligentes Energiemanagement- system.
Dabei erkennt Kowatschew bei seinen Kundinnen und Kunden ein klares Verhaltensmuster: „Die meisten machen das nicht nur, weil sie etwas Gutes für das Klima tun wollen.“ Entsprechend positioniert er sich nicht als reines Klimaunternehmen – sondern als Firma, die hilft, Geld zu sparen. „Ich will dafür sorgen, dass die klimafreundlichste Lösung auch die finanziell sinnvollste ist.“
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