Folgen des Klimawandels: Mehr Hochwasser

© APA/dpa/Thomas Frey

750 Naturkatastrophen
01/05/2017

Katastrophales Jahr 2016

Rückversicherer Munich Re stellte Schäden in Höhe von 168 Milliarden Euro fest.

von Franz Jandrasits

Gemessen an der Zahl der Todesopfer bei Naturkatastrophen war 2016 ein "gutes" Jahr. Laut Statistik des weltgrößten Rückversicherungsunternehmens Munich Re kamen im Vorjahr 8700 Menschen bei Erdbeben, Überschwemmungen und Stürmen ums Leben. Das war nach dem ebenfalls vergleichsweise harmlosen Jahr 2014 der tiefste Stand seit drei Jahrzehnten. 2015 waren es mit 25.400 fast drei Mal so viel gewesen. In den vergangenen zehn Jahren waren es sogar durchschnittlich 60.600 pro Jahr.

Diametral dazu entwickelten sich allerdings die Schäden durch Naturkatastrophen. Diese erreichten mit 175 Milliarden US-Dollar (rund 168 Milliarden Euro) den höchsten Wert seit 2012. Im langjährigen Durchschnitt – der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 154 Milliarden Dollar (siehe Grafik) – war 2016 allerdings kein besonders teures Jahr.

Japanische Erdbeben am teuersten

Am stärksten schlugen sich in der finanziellen Schadensbilanz im Vorjahr die Erdbeben auf der südjapanischen Insel Kyushu mit 31 Milliarden Dollar zu Buche. Rund 20 Milliarden Dollar an Schäden verursachten Überschwemmungen in China.

Die meisten Unwetter gab es allerdings nicht in Ostasien, sondern in Nordamerika. Dort zählten die Experten der Munich Re mit 160 wetterbedingten Schadensereignissen die meisten seit 1980. Der schwerste Sturm war Hurrikan "Matthew", der Verwüstungen mit mehr als 10 Milliarden Dollar an Schäden hinterließ.

Europa kam im Vorjahr relativ glimpflich davon. Die größten Schäden mit 6 Milliarden Dollar verursachten die Gewitter und Sturzfluten vor allem in Deutschland sowie das Hochwasser der Seine bei Paris .

Nur 30 Prozent versichert

Relativ glimpflich kamen auch die Versicherungen selbst davon: Von den Gesamtschäden in Höhe von 175 Milliarden Dollar war mit weltweit 50 Milliarden weniger als ein Drittel versichert. Vor allem in Asien ist die Bereitschaft für eine Versicherung gering. So mussten die Versicherer vom Megaschaden des japanischen Erdbebens (31 Milliarden Dollar) nur rund ein Fünftel decken. Und bei den Überschwemmungen in China – 20 Milliarden Dollar Schaden – mussten sie nur rund 300 Millionen Dollar zahlen.

Für die Rückversicherer sind schadensärmere Jahre freilich ein zweischneidiges Schwert. Sie müssen einspringen, wenn die finanziellen Folgen der Katastrophen ihre Kunden, die Erstversicherer, zu überfordern drohen. Auf der anderen Seite geben ihnen schadensarme Jahre wenig Argumente für Prämienerhöhungen. Die Rückversicherer leiden seit Jahren unter einem massiven Preisdruck, den Finanzinvestoren auslösen, indem sie den Markt mit frischem Kapital fluten. Bei großen Schäden dürften sich einige von ihnen aber schnell wieder aus dem Markt zurückziehen.

Vorgeschmack auf den Klimawandel

Bedenklich ist für Peter Höppe, Chef der Georisiko-Forschung bei der Munich Re, die Entwicklung der Schadensfälle: Die Zahl lag mit 750 deutlich höher als im Zehnjahresdurchschnitt (590). Und der Anteil von Hochwasser und Überschwemmungen war bereits ein Drittel aller Schäden, im Zehnjahresdurchschnitt machten diese Naturkatastrophen nur gut ein Fünftel aus. Höppe: "Natürlich lassen sich einzelne Ereignisse nie direkt auf den Klimawandel zurückführen. Inzwischen spricht jedoch vieles dafür, dass der Klimawandel bestimmte Ereignisse wie Unwetter mit Starkregen und Hagel in bestimmten Regionen schon heute wahrscheinlicher macht." Der Blick auf diese wetterbedingten Katastrophen zeige, "wie sich ein ungebremster Klimawandel auswirken könnte".

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