Gastro-Betrieb macht Schluss mit Dauerstress durch Gruppen-Chats

Person trinkt, während sie auf ihr Smartphone blickt, das sie in der Hand hält.
Wie die Gastro-Familie Querfeld ihre Mitarbeiter vor Dauer-Erreichbarkeit durch berufliche WhatsApp-Gruppen bewahrt.

Spätestens seit Corona haben sich in vielen Unternehmen die Chatgruppen auf dem Smartphone eingeschlichen – und sind geblieben. Die Familie Querfeld, die u. a. die Cafés Landtmann, Mozart oder Museum in der Wiener Innenstadt und das Bootshaus an der Alten Donau betreibt, will ihre Mitarbeiter aber nicht mit Dauererreichbarkeit stressen und ist deshalb vor zwei Jahren auf eine Mitarbeiter-App umgestiegen. Jetzt gibt es das erste Fazit von Chefin Irmgard Querfeld.

KURIER: Eine App für Ihre 350 Mitarbeiter – braucht es das?

Irmgard Querfeld: In der Covid-Zeit haben wir uns alle daran gewöhnt, über WhatsApp zu kommunizieren. Es war für diese Zeit auch wirklich wunderbar, aber diese Gruppen haben sich immer mehr in unser Unternehmen eingeschlichen. Das ist aber nicht gut für unsere Mitarbeiter. Nachdem jeder WhatsApp auch privat verwendet, ist man permanent in der Freizeit gestört. Unsere Employer-Branding-Abteilung ist dann auf Lolyo gestoßen, eine steirische Firma.

Die App dieser Firma soll jetzt bei Ihnen voll etabliert sein. 85 Prozent sollen die App nutzen. Ein leichter Weg?

Zuerst waren alle so: Oje, der nächste Kanal. Also die Skepsis war schon groß. Durch Inhalte haben wir aber geschafft, unsere Mitarbeiter nicht nur zu informieren, sondern auch Dinge zu kommunizieren, die in den Betrieben gerade passieren.

Ein Austausch wie auf Social Media also? 

Genau, jeder will informiert sein. Man ist stolz auf den eigenen Betrieb, weil jeder sehen kann, was der andere geleistet hat. Die Nutzung soll auch nicht einseitig sein. Mitarbeiter können selbst etwas kundtun, wenn sie glauben, dass alle Bescheid wissen sollten. Führungskräfte nützen es, um DSGVO-gerecht Dienstpläne zu verschicken. Aber es gibt auch einen sehr hohen Schulungsanteil – für Hygiene, Service und Weiterbildung. Da haben wir sehr viel Entwicklungsarbeit geleistet, bieten mittlerweile Videos, Podcasts, schriftliche Infos an. Alles, was wir glauben, was unsere Mitarbeiter interessieren könnte, findet in der App statt.

Familie Querfeld definiert Employee Experience neu

 Irmgard Querfeld, Geschäftsführerin der Querfeld-Lokale.

Ist ein weiteres Tool keine Belastung? 

Es hat sicher ein Jahr gedauert, bis wir das Gefühl hatten: Jetzt sind alle dabei. Das Positive ist, dass man sich abmelden kann, wenn man frei hat. Man schaut also nicht permanent darauf, weil man glaubt, eine private Nachricht erhalten zu haben. Die Mitarbeiter müssen die App aber auch nicht auf ihrem Handy haben. Wir haben in allen Betrieben Mitarbeiter-PCs.

Lässt ein digitales Tool auch das Team menschlich näher zusammenrücken? 

In der Gastronomie ist alles sehr persönlich. Wir sind immer am Gast, immer am Menschen, wir reden sehr viel miteinander. Das ersetzt das Tool auf keinen Fall, aber es ist eine Hilfestellung. Die braucht es, weil die Kommunikation oft sehr schnell gehen muss.

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