Schlank um jeden Preis: Gründerin bringt neue Trend-Behandlung nach Wien

Melanie Lehner Gründerin The Detox Club
Melanie Lehner war die Erste, die eine neue Trend-Behandlung aus Brasilien nach Wien holte. Seitdem ist ihr Terminkalender binnen 30 Minuten ausgebucht.

Mit Tempo und ordentlich Druck wird ein eingeölter Bauch mit kreisenden Bewegungen bearbeitet. Sechzig Minuten später ist er so flach, dass der Rippenbogen eine Höhle formt und die Muskeln sich glänzend abzeichnen. Die Wundermethode dahinter? Lymphdrainage – eine Behandlung mit erstaunlichem Imagewandel. Weg von Kurort und Venenschwäche, hin zu einer Lifestyle-Prozedur, die weltweit die sozialen Medien flutet. Und die, wie andere virale Trends vor ihr – von Dubai-Schokolade bis Reformer Pilates – auch in Österreich angekommen ist.

Melanie Lehner ist ausgebildete Physiotherapeutin, arbeitete in einer burgenländischen Hilfsorganisation mit entwicklungsverzögerten Kindern, in Baden auf der Intensivstation und später mit Leistungssportlern – etwa bei den Fußballklubs Rapid und Austria. Ihre Patienten kamen meist mit einem Leidensweg, mit Verletzungen oder weil es ihnen verschrieben wurde. Bis zum Sommer 2024.

Wer ist Renata França?

Lehner liegt am Strand, wischt durch Social Media und bekommt den neuen Lymphdrainage-Trend auf ihre Startseite gespült. Benannt ist die brasilianische Methode nach ihrer Erfinderin: Renata França. Diese zählt mittlerweile eine Million Follower auf Instagram, Supermodels wie Naomi Campbell schwören auf ihre Technik. Doch die lässt sich nicht einfach kopieren.

Lehner beginnt zu recherchieren. Die medizinische Lymphdrainage hat sie gelernt, die ästhetische, die neben den gesundheitlichen Effekten auch noch schlank und straff machen soll, aber gibt es in Wien nicht. Noch nicht.

„Es läuft alles über die Institution Renata França“, sagt sie. Wer die Original-Methode anbieten will, muss sie von zertifizierten Therapeutinnen erlernen. Diese bieten auch Kurse in Europa an. Lehner macht die zweitägige Ausbildung in Hamburg, bezahlt 4.500 Euro und hat zurück in Wien eine so hohe Nachfrage, dass ihr klar wird: Jetzt muss sie aufs Ganze gehen. Macht sie das nicht, wird jemand anderer schneller sein. Und wenn der große Hype einmal abflaut, bleiben meist nur die, die zuerst da waren.

The Detox Club

Seit knapp einem halben Jahr ist „The Detox Club“ im sechsten Bezirk Wiens erste offizielle Adresse für die Renata-França-Methode. Seitdem sind auch ein paar weitere Studios auf den Zug aufgesprungen. Lehner ist gerüstet. Sie hat sich vier weitere zertifizierte Renata-França-Therapeutinnen an Bord geholt, die auf selbstständiger Basis bei ihr arbeiten.

The Detox Club

Melanie Lehner ist im Detox Club mittlerweile zu fünft - vier Kolleginnen (eine ist noch nicht abgebildet) und die Chefin selbst.

The Detox Club

Das Studio befindet sich im sechsten Bezirk in Wien nähe Pilgramgasse.

The Detox Club

Neben der Ganzkörper-Lymphdrainage gibt es auch eine "Miracle Face"-Behandlung - ebenfalls nach Renata-França-Methode.

Am Monatsende schaltet Melanie Lehner den Terminkalender frei. Rund dreißig Minuten später ist sie ausgebucht. Im längsten Fall warten Termine drei Stunden auf Abnehmerinnen. Und das, obwohl der Preis alles andere als günstig ist. Die Brasilianerin Renata França gibt nämlich nicht nur eine Methode vor, an die sich Therapeutinnen zu halten haben, sondern auch einen Mindestpreis. Der liegt bei 150 Euro pro Behandlung – mehr geht aber immer.

60 Minuten 200 Euro, die Nachfrage boomt

Im „Detox Club“ kosten sechzig Minuten 200 Euro – kurz nach Eröffnung waren es noch 180 Euro. „Qualität hat einfach ihren Preis“, sagt Melanie Lehner dazu. Außerdem war der Ansturm so groß, dass sie selektieren musste. „Es ist schon auch der Gedanke dahinter, dass ich eine gewisse Kundschaft erreichen will“, sagt sie.

Diese ist zu 90 Prozent weiblich, gesundheitsbewusst, zwischen 20 und 55 Jahre alt, beruflich gut situiert – von der Managerin über die Anwältin bis zur Lehrerin. Im Idealfall kommen die Kundinnen alle zwei Wochen bis einmal monatlich, um Lipödeme, Wassereinlagerungen oder den aufgeblähten Bauch wegzubekommen. Einmal im Jahr mache keinen Sinn, sagt die Therapeutin.

Der gewünschte Vorher-Nachher-Effekt wäre nämlich, anders als Social Media vermuten lässt, nicht schlagartig da, sondern ein Prozess. „Ich versuche deshalb zu kommunizieren, dass es nicht nur einen ästhetischen Vorteil gibt. Habe ich ein starkes Lymphsystem, habe ich ein starkes Immunsystem. Deshalb macht die Behandlung auch im Winter Sinn und nicht nur im Sommer, wenn man schlank aussehen will.“

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