Ein Geschäft nach alter Tradition
Das Interesse ist familiär bedingt. Seit den 1970er-Jahren führten seine Eltern, Romana und Christian Tesarik, ein Juweliergeschäft in der Wiener Naglergasse. Als sie 2019 in Pension gingen, schien ihr Unternehmen ohne Nachfolger vor dem Aus zu stehen. Bis ihr Sohn sich 2020 doch noch für das Schmuckgeschäft entschied und mit 27 Jahren die Goldschmiedelehre startete. „Später habe ich mich mit der Gemmologie (Edelsteinkunde, Anm.) beschäftigt und in einer Goldschmiedewerkstatt gearbeitet“, erzählt Philipp Tesarik.
Mit der Zeit stellte sich die Frage: Warum die Leidenschaft nicht zum Beruf machen? Und so kam es dann auch. Durch sein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium verkürzte sich die Lehrzeit von dreieinhalb auf zwei Jahre. Und weil er schon dabei war, legte er gleich die Prüfung zum Goldschmiedemeister ab. „Es war ein großes Glück, dass sich das so ergeben hat“, sagt er heute. Eine Lehrstelle sei nämlich schwer zu finden, da viele Goldschmiede Einzelunternehmer sind und kaum Kapazitäten für Ausbildungen haben. Außerdem bieten die oft kleinen Betriebe nicht die nötige Bandbreite an Arbeiten, die ein Lehrling lernen sollte, erklärt Tesarik.
Dafür war der Sprung in die Selbstständigkeit kein allzu großer. Sein wirtschaftliches Vorwissen und die Erfahrung seiner Eltern seien ein klarer Vorteil gewesen. Er hatte aber noch ein Ass im Ärmel: „Ich habe mich nicht nur mit Leuten unterhalten, die erfolgreich gegründet haben, sondern auch mit jenen, die gescheitert sind.“ So wollte er vorweg Fehlern aus dem Weg gehen. „Je besser man vorbereitet ist, desto mehr Glück hat man.“
Von Stammkunden und Touristen aus aller Welt
Die Kundensuche falle ihm bislang recht leicht. Immerhin sei der Name vielen ein Begriff. Seine Mutter erkennt seit der Eröffnung sogar manche Gesichter wieder: „Ehemalige Kunden, noch aus der Naglergasse, kommen und freuen sich, dass wir zurück sind“, sagt sie.
Nicht nur Stammkunden, auch Touristen aus aller Welt bleiben vorm Geschäft stehen. Ein Erfolg, den Philipp Tesarik auch dem Standort zuschreibt. „Wir haben lange nach dem richtigen Ort gesucht.“ Zentral, gut frequentiert, groß genug und leistbar sollte er sein. „Viele Optionen gab es da nicht“, sagt er schmunzelnd. In der Seilergasse wurde er fündig. Das Geschäft musste er, auch aus Sicherheitsgründen, aber komplett umbauen. „Deswegen war die Zustimmung des Denkmalamts notwendig, was zu zeitichen Verzögerungen geführt hat“, erzählt er.
Genau diese Geduld mache einen guten Goldschmied aus. „Natürlich braucht es handwerkliches Geschick, aber Geduld, Selbstdisziplin und Selbstkritik sind zentral.“ Man sitzt Stunden, Tage, Wochen vor einem Projekt, sagt er. Aber nur, weil man viel Mühe und Zeit investiert, heißt das nicht, dass das Schmuckstück auch gut geworden ist. Manchmal müsse man sich erneut hinsetzen und weiterarbeiten. „Es braucht den Willen und die Einstellung, es mehr als perfekt zu machen.“
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