Weltklasse-Forschung in Österreich: Was internationale Spitzenforscher anzieht
Francesca Ferlaino mit ihrem Team
Eine Frage begleitet Nuno Maulide seit zwölf Jahren. Sie wird ihm bei jedem Gespräch gestellt. Deswegen lacht er, als es auch der KURIER tut: „Warum sind Sie nach Wien gekommen?“ Der Forscher aus Portugal war zuvor an der Stanford University und am Max-Planck-Institut. Für Österreich entschied er sich aus einem pragmatischen Grund: „Ich wollte dahin, wo es die besten Bedingungen für eine Weiterentwicklung und die stärkste Forschungsförderung gibt. Das Angebot der Uni Wien war das beste“, sagt der Chemiker. Ähnliche Antworten geben auch drei weitere Top-Forscher, die nach Österreich gezogen sind.
Heimische Spitzenforschung: Das sind die unterschätzten Vorteile
„Ich war von dem sehr hohen Forschungsstandard hier beeindruckt, der mit den besten Einrichtungen weltweit vergleichbar ist“, sagt etwa die US-amerikanische Biochemikerin Elly Tanaka. Ende 2016 ist sie nach Österreich gezogen und arbeitet heute als Direktorin des IMBA, eines Instituts der ÖAW, am Vienna BioCenter. „Das BioCenter zieht Talente aus aller Welt an, wir haben hier Kollegen aus 80 Ländern. Wie ich selbst kommen sie vor allem wegen der hervorragenden Bedingungen für Forschung auf Weltklasseniveau.“ Sie hebt besonders die Biowissenschaften und die Quantenphysik hervor.
Zweiteres ist ein Feld, auf dem Physikerin Francesca Ferlaino eine Expertin ist – und vor Kurzem für ihre Leistungen als Wissenschafterin des Jahres 2025 geehrt wurde. Was sie 2006 nach Österreich führte, waren nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern eine bestimmte Person. Sie wollte in Innsbruck eine neue experimentelle Technik erlernen, die in der Gruppe von Rudi Grimm entwickelt wurde. „Innsbruck ist als einer der globalen Hotspots für Quantenphysik bekannt. Für viele junge Forscher ist es ein Traum, hierherzukommen“, sagt sie.
Ob sie in den vergangenen zwanzig Jahren überlegt hat, in ein anderes Land zu gehen? „Ich habe das Angebot bekommen, mit der Alexander-von-Humboldt-Professur nach Deutschland zu kommen, aber Österreich hat ein besseres Gegenangebot gemacht“, lautet ihre Antwort. Außerdem würde sie auch „die Struktur der Forschungsförderung“ in Österreich halten: „Im europäischen Vergleich ist sie hervorragend. Es besteht ein starkes Interesse daran, vielversprechende Wissenschafter zu unterstützen, was sich direkt in Fördermöglichkeiten niederschlägt.“ Diese Erfahrung macht auch Wali Malik.
Spätestens seit den Veränderungen in den USA setzt Europa verstärkt darauf, den Standort für Forscher aus dem Ausland attraktiver zu machen. Österreich startete Initiativen mit USA-Fokus. Angefangen beim Gesetzespaket für mehr „Opportunity Hiring“: Damit sollen Berufungsverfahren für US-Wissenschafter rascher und unbürokratischer werden. Die Aufnahme von Professoren und Forschern soll so erleichtert werden.
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) setzt auf das Förderprogramm „APART-USA“. Postdocs aus US-amerikanischen Universitäten bzw. Forschungseinrichtungen können ihre Forschung nach Österreich verlagern. Insgesamt wurden 25 vierjährige Stipendien à 500.000 Euro finanziert.
Die Maßnahmen beschränken sich jedoch nicht auf die Vereinigten Staaten. Mit dem Stipendienprogramm JESH (Joint Excellence in Science and Humanities) sollen internationale Forschungskarrieren unterstützt werden. Wie? „Forscher aus dem Ausland können für ein bis sechs Monate nach Österreich kommen, um mit einer österreichischen Institution zusammenzuarbeiten – und österreichische Forschende können umgekehrt ins Ausland gehen“, heißt es von der ÖAW.
Internationalen Forschenden werden hierzulande auch Förderprogramme in allen Karrierestufen (bspw. ESPRIT für Early-Career-Forschende) sowie digitale Plattformen mit Informationen zu Visum, Jobs, Förderungen und Integration angeboten (EURAXESS).
Österreichs Achillesferse: Wo es noch Hürden gibt
Seit August 2025 ist Malik der neue Leiter des Robotics Labs des ÖAW-Instituts AITHYRA. Medial bekannt wurde der US-amerikanische Forscher, weil er seine Entscheidung, die USA zu verlassen, auch mit den dortigen politischen Entwicklungen begründete. „Die Mittel für die Wissenschaft werden gekürzt. Ich habe Freunde, die Krebsforscher sind und ihre gesamte Finanzierung verloren haben.“ Gleichzeitig wollte er sich verstärkt auf KI-gestützte Wissenschaft konzentrieren. Und diese Möglichkeit eröffnete ein Recruiter, der ihm anbot, in Wien ein Institut von Grund auf neu aufzubauen. „So etwas kommt selten vor. Da fällt es schwer, Nein zu sagen.“ Trotzdem: „Es gibt keinen perfekten Ort“, sagt Malik.
Nuno Maulide spricht konkret zwei Hürden an, die ihm in Österreich begegnet sind. Zum einen müsse sich ein Forschungsstandort kulturell entwickeln und öffnen, zum anderen sei auch die Bürokratie eine Achillesferse. „Die Rahmenbedingungen für internationale Forscher und Visa-Verfahren müssten verbessert werden, um mehr Spitzenforscher nach Österreich zu holen“, sagt Maulide. Lange Wartezeiten für Visa schrecken viele ab. „Dabei braucht Forschung diese hochkarätigen Forscher aus dem Ausland. Sie bringen frischen Wind.“
Elly Tanaka sieht die Entwicklung positiver. Österreich habe die Bedingungen für Forscher in den vergangenen 30 Jahren stark verbessert: „Dennoch sehen Menschen oft nur die Schwächen. Wo ich herkomme, ist man stolz auf seine Stärken. Ich denke, Österreich hätte viele Gründe, dasselbe zu tun.“
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