Blackout-sicher und von Robotern gebaut: Was Aufzüge heute können müssen
Nicht mehr Strom als eine Waschmaschine verbraucht ein moderner Aufzug in einem Mehrfamilien-Haus. Das sagt Janine Schwabe-Häder, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Schindler am Standort Österreich. Der über 150 Jahre alte Schweizer Konzern zählt zu den größten Herstellern von Transportlösungen weltweit. Die Managerin erklärt, wie Aufzüge Blackout-sicher gemacht werden und was ein Aufzug eigentlich kostet.
KURIER: Was müssen Aufzüge heute können?
Janine Schwabe-Häder: Für den Passagier sind Aufzüge auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar. Sie fahren hinauf, hinunter. Aber sie können viel, viel mehr. Es hat sich technologisch extrem viel getan. Mittlerweile sind Aufzüge stark vernetzte Geräte. Wir haben am Wienerberg neben unserem Service Center, wo wir uns um Störungen und Kundenanrufe kümmern, auch unser Technical Operations Center. Dort können wir in die Aufzüge hineinsehen, ob eine Störung stattfindet. Wir können mit Eingriffen auch die Verfügbarkeit erhöhen oder die ein oder andere Störung abfangen, indem wir uns remote einwählen.
Aufzüge sollen auch Blackout-sicher sein – wie das?
Man kann eine automatische Notevakuierung einbauen. Das lässt sich bei der Neuanlage gleich mitmachen oder im Nachhinein nachrüsten. Kommt es zu einem Stromausfall, ist der Aufzug mit einem entsprechenden Akku versorgt und hat die Möglichkeit, selbstständig in den nächsten Halt zu fahren und die Tür zu öffnen. Die Passagiere können die Kabine verlassen und der Aufzug bleibt dann dort stehen.
Was kostet ein Aufzug?
Zwischen einem Aufzug in einem Einfamilienhaus versus einem Aufzug im DC Tower 2 ist eine große Bandbreite. Aber ich würde sagen, es lässt sich mit einem mittelgroßen Auto vergleichen. Nach oben hin sind hier wenig Grenzen gesetzt.
Schindler gehört zu den größten Herstellern in dem Bereich. Wie sehr hat man die Konkurrenz im Blick?
Wir sehen natürlich, was am Markt passiert. Wir konzentrieren uns aber darauf, dass wir in unserer innovationsgetriebenen Technologieführerschaft weiterkommen. Wir haben beispielsweise den ’R.I.S.E.’ entwickelt, wo wir als erstes Unternehmen mit Robotern tatsächlich die Installation im Schacht machen. Hier fährt ganz autonom ein Installationsroboter durch den Schacht und befestigt mit entsprechend vorinstallierten Daten die Ankerbolzen, sodass die Aufzugsmontage sicherer und schneller geht.
Was bedeutet viel KI und Robotik für Ihr Personal?
Uns sind unsere Mitarbeiter extrem wichtig, sie sind der Kern unserer Tätigkeit. Natürlich gibt es das eine oder andere in Richtung Automatisierung. Das ist aber eine Unterstützung für unsere Mitarbeiter. Beispielsweise haben unsere Servicetechniker einen digitalen Werkzeugkoffer am Handy, mit dem sie Informationen vom Aufzug bekommen und sich effizienter und schneller um die Störungen kümmern können.
Business Gespräch: Janine Schwabe-Häder
An welchen Innovationen sind Sie noch dran?
Energieeffizienz ist sicherlich ein Thema, gepaart mit Transit-Management-Systemen. Wir haben die Möglichkeit, Aufzugsgruppen beispielsweise in Spitälern oder in größeren Gebäuden so zu vernetzen und anzusteuern, dass wir da einen möglichst effizienten Personenfluss durch das Gebäude herstellen können. Das beschränkt sich nicht nur auf den Aufzug, sondern beginnt beim Eingang ins Gebäude bis teilweise in die Wohnung.
Man will also die gesamte Navigation innerhalb eines Gebäudes optimieren.
Daraus ergibt sich auch ein geringerer Energiebedarf. Das geht sowohl bei neuen, aber auch bei bestehenden Aufzügen. Wir haben beispielsweise den roten Bettenturm im AKH modernisiert, und die bestehenden Aufzüge mit neuen Antrieben, Steuerungen und dem neuen Portsystem versehen. Es ist gelungen, den Energiebedarf um 80 Prozent zu senken.
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