© Gilbert Novy

Wirtschaft | Karriere
06/08/2019

Multitasking macht erfolglos: Ein Plädoyer für Monotasking

Gastkommentar von der Bestsellerautorin, Vortragsrednerin, Internetveteranin und Digital-Detox-Pionierin Anitra Eggler.

Wer alles gleichzeitig macht, macht nichts mehr richtig. Klingt logisch, oder? Ich habe lange gebraucht, um diese Erkenntnis in einen neuen Arbeitsstil zu konvertieren. Monotasking statt Multitasking. Für eine 15 Jahre lang von der Rasanz der Digitalisierung getriebene Ex-Startup-Managerin ist Monotasking wie Heilfasten für Übergewichtige. Multitasking war mein Zucker, digital war mein Fett.  

Inzwischen steht auf meinem Schreibtisch eine Sanduhr. Ich arbeite in Intervallen von 15 Minuten. Störungsfrei. Hochkonzentriert. Nur eine Sache am Stück. Dann: kurze Pause. Zeit für ein Katzenvideo – Zwinkersmiley. 

Karrierelüge

Multitasking ist eine der größten Karrierelügen aller Zeiten. Die Personalanzeigen sind dennoch voll von der Suche nach stressresistenten Alleskönnern aus dem Gleichzeitigskeitsuniversum. Es wäre ja auch zu schön: Der Mensch ist geneigt zu glauben, er könne durch Gleichzeitigkeit mehr und schneller schaffen.

Das Gegenteil ist der Fall. Hier sind sich auch die Hirnforscher einig: Multitasking übersteigt die Fähigkeiten des Hirns. Man kann es auch nicht lernen. Das Hirn lässt uns im Stich, sobald wir versuchen, zig Dinge gleichzeitig zu machen.

Die Folge: Multitasker brauchen länger und erzielen schlechtere Ergebnisse als Menschen, die sich auf eine Sache konzentrieren. Multitasking gewöhnt das Hirn an Dauerunterbrechung, das ist fatal. Warum? Multitasking trainiert nicht das Hirn, sondern dem Hirn ein Aufmerksamkeitsdefizit an. 

Mein Kind kann das!

Stopp, höre ich jetzt Eltern rufen. Mein Kind kann das! Mein Kind ist mit Multitasking aufgewachsen. Das Hirn wächst mit seinen Aufgaben. Leider nicht. Dennoch ist diese Denke ein beliebter Placebo-Trost von Eltern, deren Kinder 25 Stunden am Tag spielend, surfend, textend, musikhörend, Selfies schießend, kurz: digital dauerabgelenkt dahinvegetieren und vorgeben, Hausaufgaben zu machen. 

Multitasking ist nicht lernbar. Jedes Hirn wird durch Überforderung nicht schneller, sondern langsamer. Das Hirn ist wie ein Computer: Prozessor und Speicher begrenzt. Wenn zu schnell und zu voll, dann Frontal(lappen)crash! Multitasking überfordert jeden, Kinder ganz besonders. Deshalb: multi raus, mono rein!

Kontakt: karriere@kurier.at

Anitra Eggler ist Bestsellerautorin, Internetveteranin und Digital-Detox-Pionierin. Als Vortragsrednerin zählt sie zu den gefragtesten Referentinnen unserer Zeit. Ihr aktueller Besteller "Mail halten! Die beste Selbstverteidigung gegen E-Mail-Wahnsinn, Handy-Terror und digitale Dauerablenkung" (erschienen bei Like Publishing, 4. Auflage, 24,95 Euro) hilft mit über 100 Tipps, das Beste aus der Digitalisierung rauszuholen. Das Internet-Ich der Autorin finden Sie hier: https://www.anitra-eggler.com.