Lehrlingszahlen: Gibt es in Österreich jetzt eine Lehrstellenlücke?
Ein Thema sorgte vergangene Woche für Diskussionen: Lehrlinge. Bei einer Pressekonferenz der Arbeiterkammer und des Österreichischen Gewerkschaftsbunds zum aktuellen Lehrlingsmonitor war von einer Lehrstellenlücke die Rede. Konkret sagte AK-Präsidentin Renate Anderl: „Wir sehen seit Jahren, dass immer weniger Betriebe jungen Menschen eine Chance auf eine gute Lehre geben.“ Das würden auch AMS-Zahlen bestätigen. Im Jänner gab es laut AMS 5.963 offene Lehrstellen, aber knapp 24.500 Lehrstellensuchende.
Der KURIER konfrontierte die Wirtschaftskammer Österreich mit diesen Ergebnissen. Ihre Reaktion: „Diese Zahlen können wir nicht nachvollziehen.“ Laut AMS seien Ende Jänner 2026 österreichweit 17.564 offene Lehrstellen gemeldet gewesen. Diesen standen 13.507 suchende Jugendliche gegenüber.
AK, ÖGB und WKÖ nennen dieselbe Quelle, bestehen aber auf völlig andere Zahlen – wie kann das sein?
Eines vorweg: Laut AMS stimmen alle Zahlen. Der Unterschied liegt darin, wer als „sofort verfügbar“ gilt. Bei den Lehrstellen etwa melden nicht alle Betriebe ihre offenen Plätze dem AMS. Außerdem werden manche Lehrstellen erst Monate später frei – Bewerbungen sind zwar schon möglich, in der Statistik gelten sie aber noch nicht als „sofort verfügbar“.
Ähnlich ist es bei den Jugendlichen. Manche suchen zwar eine Lehrstelle, können aber noch nicht sofort beginnen – weil sie noch zur Schule gehen. Je nachdem, ob man nur sofort verfügbare Lehrstellen und Bewerber zählt oder auch jene, die erst später starten können bzw. in einer überbetrieblichen Ausbildung sind, ergeben sich unterschiedliche Zahlen.
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