Wie ein 20-Jähriger Lebensmittel retten will

Foodsavers ist eine neue App gegen Lebensmittelverschwendung in Wien. Was es damit auf sich hat, erklärt der Gründer.
Drei junge Menschen unterhalten sich in einer Küche mit Obst und Getränken auf dem Tisch.

Es war eine ganz spezielle Kennzahl, die Viktor Lisowski schockierte: Circa 170 Kilo Lebensmittel werden pro Österreicher jährlich verschwendet. „In meinem Maturajahr haben wir uns eine Doku angeschaut und das war eine absurde Statistik für mich. Ich dachte mir: Das kann doch nicht sein, dass es da keine Lösung gibt.“ Also krempelte er die Ärmel hoch und suchte selbst nach einer Lösung. Im Vorjahr absolvierte er seine Matura und gründete einige Monate später „Foodsavers“. Seit etwas mehr als einer Woche ist die App bereits im App Store verfügbar.

Was es damit auf sich hat und wie eine App die Lebensmittelverschwendung reduzieren soll, erklärt der 20-jährige Gründer im KURIER-Gespräch.

KURIER: „Foodsavers“ ist eine App, die, wie der Name verrät, helfen soll, Lebensmittel zu retten. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Viktor Lisowski: Ich war schon immer sehr an Nachhaltigkeit interessiert. Und ich wollte eine Plattform aufbauen, auf der Leute ihre überschüssigen Lebensmittel weitergeben können. Etwa, weil sie in den Urlaub fahren oder einfach zu viel eingekauft haben. Es kann ja sein, dass jemand anderer einen Nutzen für diese Produkte hat. Ich habe mir all diese Gedanken aufgeschrieben, bin zu einem Programmierer gegangen, und so kam es zur App.

Wie funktioniert die App?

Wir haben ein C2C-Geschäft. Das bedeutet, dass Privatpersonen ihre überschüssigen Lebensmittel direkt an andere Privatpersonen weitergeben können. In der App geben sie an, was und wie viel sie abzugeben haben sowie wann und wo die Abholung möglich ist. Das Ganze ist kostenlos.

Die App ist schon seit einigen Tagen öffentlich verfügbar – wie läuft es?

Wir haben über 200 registrierte Nutzer in nur einer Woche und rund fünf „Trades“ am Tag – es werden also täglich etwa fünfmal Produkte abgeholt. Außerdem habe ich bereits drei Mitarbeiter, die mich unterstützen. Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt und dass wir uns so gut entwickeln.

Viktor Lisowski steht vor einem weißen Hintergrund mit verschränkten Armen. Er lächelt.

Was wird dort bereits angeboten?

Ein Nutzer bietet aktuell zum Beispiel über 10.000 Flaschen von einem Sportgetränk an.

Hat man da keine Sicherheitsbedenken?

Es dürfen nur Sachen hochgeladen werden, die verpackt sind. Keine gekochten Mahlzeiten oder Ähnliches. Aber auch hier ist der Markt wahnsinnig groß. Allein im vergangenen Jahr wurden in Österreich 150.000 Tonnen verpackte Lebensmittel verschwendet. Das sind genießbare Lebensmittel, die einfach im Müll landen. Zu verpackten Lebensmitteln zählen übrigens auch Früchte, wie Äpfel oder Bananen, sofern sie „zu“ sind.

Also solange sie nicht angebissen oder angeschnitten sind?

Genau.

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