Monatsanfang und schon im Minus: Zwei Methoden gegen rote Zahlen am Konto
Ein klassisches Szenario am Monatsersten: Das Gehalt ist frisch eingetrudelt, das Girokonto leuchtet grün. Die Fixkosten lassen sich noch halbwegs wegstecken. Mit etwas Pech rufen sich Konsumationen aus dem Vormonat in Erinnerung – über Online-Bezahldienste oder die Kreditkarte. Und plötzlich ist am Ende des Geldes wieder einmal viel Monat übrig.
Während die einen rechtzeitig vor der Nulllinie den Sparstift ansetzen, nehmen andere das Kontolimit nicht ganz so genau. Sie bewegen sich zwar im Rahmen, allerdings im Überziehungsrahmen. „Ich brauche das Minus am Konto, um mich den restlichen Monat zu zügeln“, rechtfertigt sich eine Person, die vielleicht die Autorin dieses Artikels ist. Doch wie gefährlich ist der leichtfertige Umgang mit den roten Zahlen wirklich und wie entflieht man diesem Habitus wieder?
Kontozustand: Immer rund um Null (oder darunter)
„Acht von zehn Menschen, die zu uns kommen, haben einen Kontoüberzug“, sagt Finanzexpertin Gudrun Steinmann. Mit „zu uns“ meint sie die Schuldenberatung des Fonds Soziales Wien (FSW). Das Konto überziehen wäre ihrer Erfahrung nach einer der ersten Schritte in die Überschuldung. „Der Prozess dorthin passiert schleichend. Man gibt jeden Monat ein bisschen mehr Geld aus, als man zur Verfügung hat.“ Banken gewähren den Überzug bis zu einem Limit, sie profitieren schließlich auch davon. „Tendenziell sind es zehn bis 13 Prozent Zinsen, die man für den Kontoüberzug bezahlt.“ Sollte die Bank das Konto fällig stellen, kämen fünf Prozent Verzugszinsen hinzu. Überziehen kann also richtig teuer kommen – „aus der Praxis wissen wir, dass sich Schulden alle vier bis fünf Jahre verdoppeln“, erklärt Steinmann.
Warum sich manche finanziell trotzdem nicht am Riemen reißen? Weil es sich im ersten Moment nach Sicherheit und Kontrolle anfühlt, sagt Podcasterin und Finanzprofi Lisa Pulsinger: „Ich glaube, dass sich viele denken: Ich habe mir das erarbeitet, lebe im Hier und Jetzt. Das legitimiert ein bisschen den schlechten Umgang mit Geld. Am Ende des Tages tut man sich damit aber nichts Gutes.“
Wege aus der Überziehungsspirale gibt es. Der komplette Verzicht ist aber nicht die Lösung, sagen die Expertinnen, da er sich wie Radikal-Diäten kaum dauerhaft durchhalten lässt. Steinmann und Pulsinger schlagen deshalb vor, sich realistische Ziele zu setzen. Sie empfehlen zwei Methoden und in weiterer Folge einen rigorosen Schritt, der der Überziehungssucht final einen Strich durch die Rechnung macht.
Raus aus den roten Zahlen
Für beide Methoden braucht es zunächst einen Überblick über die eigenen Finanzen. Wie viel Geld fließt in Fixkosten oder Lebensmittel? Welche Konsumationen befördern das Konto ins Minus und wie viel finanzieller Spielraum ist vorhanden? Ist das konkretisiert, geht es weiter. Methode eins, Lisa Pulsingers Tipp, ist die Eröffnung eines „Spaßkontos“ – ohne Überziehungsrahmen. Auf dieses zusätzliche Konto wird am Anfang des Monats ein Betrag abgelegt, der ohne schlechtes Gewissen ausgegeben werden darf. „Ich kann mein Leben leben und bin trotzdem sicher unterwegs“, sagt Pulsinger.
Haptischer ist Gudrun Steinmanns Vorschlag: Die Kuvertmethode. Hier wird das zur Verfügung stehende Geld abgehoben und auf Kuverts verteilt. Bargeld wäre eine gute Möglichkeit, Selbstdisziplin wirklich zu erarbeiten, ist Steinmann überzeugt. „Die Bewusstseinsbildung ist ganz wichtig“, sagt sie. „Wir machen viel im Vorbeigehen, kaufen lauter Kleinigkeiten, mit denen wir uns zu wenig auseinandersetzen.“
Wer es durch eine der beiden Methoden schafft, den roten Zahlen fernzubleiben (ein Gewöhnungseffekt stellt sich jedoch vielleicht erst nach Monaten ein), könne schließlich die Profi-Stufe zünden: Das Habenkonto. Oder in anderen Worten: Auf den Überziehungsrahmen bei der Bank verzichten und gar nicht mehr ins Minus gehen können.
Einen zusätzlichen Spartipp hat Gudrun Steinmann noch parat: Kontogebühren vergleichen. „Wir Österreicher ziehen im Leben öfter um, als dass wir das Bankkonto wechseln.“ Bei der Arbeiterkammer gebe es den Bankenrechner und wer persönliche Unterstützung bevorzugt, kann eine Budgetberatung vom FSW in Anspruch nehmen.
Kommentare