Radatz-Chef: "Es könnte noch mehr Fleischkonsum sein"
Franz Radatz ist ein richtiger Fleischtiger. Veganes kommt ihm nicht auf den Teller, dafür würzige Waldviertler oder knackige Käsekrainer, denen er einmal pro Jahr eine riesige Party schmeißt. Seit fast vierzig Jahren führt der gelernte Fleischermeister den Wiener Familienbetrieb Radatz und setzt mit diesem jährlich rund 200 Millionen Euro um. Ein Business Gespräch über Wurstpreise und den gestiegenen Fleischkonsum.
KURIER: Sie haben kürzlich wieder den Welttag der Käsekrainer mit einem ordentlichen Medienaufgebot und vielen Promis zelebriert. Wie viel Vermarktung und Kult braucht Fleisch heute?
Franz Radatz: Heutzutage ist das unumgänglich. Wir haben vor über zehn Jahren mit dem Käsekrainer-Tag begonnen, allerdings in kleinem Rahmen. In dem Zusammenhang haben wir dann auch unseren Social-Media-Auftritt aktualisiert und uns wirklich in der Breite aufgestellt.
Wie sehr schauen Sie auf Klicks und Likes?
Ich schaue mir im Grunde nur die Summe an und die ist mit 1,8 Millionen Klicks doch beachtlich! Ich glaube, es ist ganz wichtig, die Kunden und Kundinnen mit Unterhaltung bei der Stange zu halten.
- 1962 gründeten Franz Radatz Senior und seine Frau Elisabeth in Wien das Familienunternehmen. Seit 1988 leitet Sohn Franz Radatz Junior die Geschäfte.
- 1998 übernahm Radatz den Salami- und Speckproduzenten Stastnik.
- Radatz beliefert österreichweit die wichtigsten Handelsketten. Zudem betreibt das Unternehmen 23 eigene Radatz-Filialen und 17 Wurstgroßmärkte.
- 200 Millionen Euro Umsatz macht Radatz pro Jahr.
Lässt sich bemessen, wie viel Sie dafür investieren und wie groß der Nutzen ist – im finanziellen Sinn?
Werbung lässt sich immer schwer monetarisieren. Es ist auf jeden Fall viel günstiger als klassische Werbung, die heute fast nicht mehr leistbar ist in unserem Bereich.
Mit den warmen Temperaturen nimmt jetzt die Grillsaison wieder Fahrt auf ...
Unsere wichtigste Saison.
Ein Mitbewerber aus der Fleischbranche klagte jedoch, dass der Preis von Würsteln in Österreich kaputt ist. Es wäre fast unmöglich, mit Schleuderpreisen aus günstiger Produktion mithalten zu können.
Die Preissituation kann man niemandem anlasten. Das ist branchenimmanent, weil wir sehr investitionsintensiv sind. Wir brauchen immer die neuesten Maschinen mit höherer Kapazität. Dadurch entstehen Leerkapazitäten, die wiederum zu günstigen Preisen führen. Der Konsument profitiert davon.
100 Gramm Käsekrainer kosten bei Ihnen rund 1,65 Euro. Ein guter Preis oder zu niedrig in Ihren Augen?
Die Rohstoffpreise variieren sehr stark. 1997, da gab es den Euro zwar noch gar nicht, aber da lag der Schweineeinkaufspreis vom Schlachthof ungefähr bei zwei Euro. 2001 waren es wieder zwei Euro und dazwischen ist der Preis auf einen Euro abgesackt. Solche Sprünge kennen wir heute gar nicht mehr, aber es ist trotzdem eine Berg- und Talfahrt.
Business Gespräch: Franz Radatz
Ab Juli wird die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel gesenkt. Wurst und Fleisch fällt nicht darunter, finden Sie das gut?
Ja, das finde ich gut, weil wir ersparen uns doch viele Umstellungskosten.
Die Österreicher essen 58 Kilogramm Fleisch pro Jahr, die empfohlene Jahresration haben wir im April bereits verputzt. Konsumieren wir zu viel Fleisch?
Ich glaube, es könnte sogar mehr sein. Laut AMA-Statistik essen wir ein bisschen mehr Fleisch als im Vorjahr. Wobei, so ehrlich muss man sein, das ist die Verschiebung wieder zum In-Haus-Verzehr und weg vom Außer-Haus-Verzehr.
Und die Jungen? Essen sie noch Fleisch?
Naja, nach der neuesten Ö3-Umfrage (Jugendstudie, Anm.) essen die 16- bis 25-Jährigen zu 84 Prozent Fleisch.
Also war der Vegan-Hype nur ein Sturm im Wasserglas? Haben Sie Ihr Sortiment deshalb nie um pflanzliche Produkte erweitert?
Wir haben ein Chili sin Carne bei den Fertiggerichten. Gemüselaibchen vegetarisch machen wir seit Jahrzehnten schon, die kommen sehr gut an. Es ist also keine prinzipielle Abneigung, aber ein Wurstprodukt vegan hinzufabrizieren ... sag niemals nie. Wenn es schmeckt und physiologisch vertretbar ist, gerne. Solange es uns nicht schmeckt, hat es aber keine Chance.
Beim Fleischkonsum zeichnen die Menschen ja gerne ein verklärtes Bild. Es wird, wenn man fragt, nur Fleisch gegessen, dessen Herkunft man kennt, nur beim Fleischer des Vertrauens eingekauft. Ist das so?
Ich glaube, die Herkunft ist schon wichtig. Im Lebensmitteleinzelhandel steht sie präsent auf den Verpackungen bei den Marken, die darauf Wert legen.
Und wie sehr werden Ihre Verkäufer auf Herz und Nieren geprüft, was Ihre Produkte betrifft?
Im Verkauf bei uns in den Geschäften ist das Vertrauen einfach gegeben, weil sich die Kunden auf den Fleischer ihres Vertrauens verlassen.
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