Eierproduzent: „Preis ist in immense Sphären gestiegen“
Zu Ostern sind die Eier wieder einmal knapp. Warum seit Jahren weltweit ein Engpass herrscht und was das für den Preis bedeutet, erklärt Martin Schrall, Chef des niederösterreichischen Familienbetriebs Schrall Eier. Er vermarktet Eier von 300.000 Legehennen. Ein Viertel des gesamten Farbware-Sortiments im heimischen Lebensmitteleinzelhandel stammt aus seiner Produktion.
KURIER: Schon 2018 sagten Sie in einem Interview, dass es knapp wird mit der Versorgung, jetzt hält der Engpass seit Jahren an. Was ist da los?
Martin Schrall: Es gibt vielerlei Gründe. 2018 war Fipronil (Insektengift, das die Eier verunreinigte Anm.), in den 2010er-Jahren war der Dioxinskandal. Das war alles nicht in Österreich. Jetzt haben wir die Geflügelgrippe, die seit mehreren Jahren weltweit die Bestände befällt.
Aber nicht in Österreich. Warum wird es dann eng?
Wir haben natürlich auch Importware. In Polen, Deutschland, Holland, überall kursiert die Geflügelpest. Das nimmt sehr viele Tiere aus der Produktion und drückt auf den gesamten europäischen Markt. Voriges Jahr war auch Amerika besonders betroffen, wo Herr Trump bei der Botschaft gefragt hat, ob wir nicht ein paar Eier schicken könnten.
Business Gespräch mit Martin Schrall
Und die Antwort war: Wir haben selbst nicht genug.
Ganz genau. Wir haben ein Abkommen mit dem Handel, dass er wirklich auf österreichische Qualität setzt. Aber wir haben auch die Gastronomie, die mittlerweile, das muss man fairerweise sagen, einen sehr großen Teil von heimischen Direktvermarktern bezieht. Aber wir haben auch einen Bereich auf den Märkten, denen die Herkunft egal ist und bei denen nur der Preis zählt. Und das ist momentan genau das Thema: Der Preis ist international aufgrund der Geflügelpest in immense Sphären gestiegen.
Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Es gibt eine internationale Notierung für Aufschlagware. Das sind Eier, die als Frischei nicht der Güteklasse A entsprechen, weil sie etwa eine verrunzelte Schale haben. Die werden aussortiert und von Bäckereien oder Nudelproduzenten aufgeschlagen und verarbeitet. Im Sommer lag der Preis – und der war schon sehr hoch – bei zwei Euro für rund 17 Eier, die Eierproduzenten bekommen haben. Momentan sind wir bei 3,60 Euro.
Also fast eine Verdopplung.
Der Markt ist so leer gefegt und alles, was am freien Markt erhältlich ist, ist sauteuer. Manche Händler greifen aber nur auf billige Ware zurück und verkaufen sie auch nur dann, wenn der Preis für sie stimmt, Ihre Kunden brauchen aber trotzdem Eier und gehen dann zum Handel oder Direktvermarkter und kaufen dort. Da haben wir viele Bilder gesehen, wo das Supermarktwagerl mit lauter Zehnerpackerln angefüllt gewesen ist. Wir wissen, dass teilweise auch die Gastronomie, wenn sie ihre Eier nicht vom Großhandel bekommt, dann zum Handel geht und die Eier kauft.
Trotzdem gibt es jedes Jahr aufs Neue die Entwarnung vor Ostern: Jeder, der ein Osterei essen will, wird eines bekommen. Auch heuer?
Ja, es wird für jeden ein Osterei geben. Ob es aber in der gewünschten Farbe oder Haltungsform sein wird, will ich nicht zu hundert Prozent garantieren. Vor allem im Bio-Bereich ist es ein sehr schwieriges Thema, das muss man offen und ehrlich sagen.
Inwiefern?
Das rührt aus den Jahren des Kriegsbeginns in der Ukraine, als es zu einer Preissteigerung kam. Viele Konsumenten haben dann auf die günstigere Ware zurückgegriffen, Betriebe sind auf ihren Eiern sitzen geblieben und haben dann überlegt, was sie tun sollen. Manche sind auf Freilandhaltung zurückgegangen und die steigen natürlich nicht so schnell wieder in den Biobereich ein. Also hier haben wir einen Nachholbedarf, was die Produktion betrifft.
Exkurs: Big Brother zieht in den Hühnerstall
Wie die KI die Eierproduktion verändert, verrät Eierproduzent Martin Schrall.
Der Große Bruder beobachtet und hat sein wachsames Auge jetzt auf den Hühnerstall geworfen. KI-Sensoren, die im Stall eingebaut werden, sollen das Federvieh durchgehend analysieren. Noch kommt diese Technologie bei Martin Schrall nicht zum Einsatz – darauf zurückgreifen, würde er aber allemal. Was sich der Geflügelhalter davon verspricht?
Weniger Krankheiten und eine bessere Versorgung seiner Tiere. Denn die Sensoren sollen Verhaltensänderungen registrieren und vor Krankheiten warnen. Ein Beispiel: Wenn die Hühner plötzlich weniger Durst haben als gewöhnlich. „Am Wasserverbrauch sehe ich schon ein, zwei Tage vorher, dass irgendetwas ist“, sagt Martin Schrall. „Über die KI sollen Auffälligkeiten frühzeitig erkannt werden, damit man gegenarbeiten kann.“ Etwa mit einem kleinen Vitaminkick, der dem Futter beigemischt wird.
Es gibt noch eine Technologie, die der Eierproduzent im Blick hat: „In Amerika gibt es die ersten Maschinen, die das Eigewicht nur über Daten bestimmen.“ In Österreich werden Eier noch klassisch gewogen, berichtet er. In den USA wird es mittels Kameras berechnet – über den Umfang oder die Länge des Eis. „Es wird nur mehr gescannt, in Europa ist das aber noch nicht zugelassen.“ Schrall ist überzeugt: Über kurz oder lang wird diese Technologie auch bis nach Österreich kommen. „Das ist der nächste riesige Quantensprung. Da brauchen wir wieder Daten, Daten, Daten.“ Je mehr Eier über die Maschinen laufen, desto genauer wird auch die KI werden.
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