Du, du, du! Aber das "Sie" ist der perfekte Abstandhalter
Benimmexperte Thomas Schäfer-Elmayer ist erstaunlich offen, was das kollektive Du angeht. „Alles entwickelt sich weiter“, sagt er entspannt. Das stimmt sicher. Aber man darf es schon bemerkenswert finden, wenn ein Trend mit so großer Vehemenz und so viel Nachdruck kommt, dass man sich davon irgendwie bedrängt fühlt. Was wiederum, siehe unsere zweite Expertin, auch nicht sein soll.
Was vor Jahren wohl vom allseits bekannten schwedischen Möbelhaus angestoßen wurde, soll jetzt eine neue Norm werden. Wir sind alle per Du, wie im englischsprachigen Raum. Gleichauf, gleichgestellt und überhaupt alle gleich. Mit der gleichen Beharrlichkeit wie im Möbelhaus, findet man nun in E-Mail-Signaturen die Anleitung zum Du-Wort: Gerne per du, ein Du verbindet, mit Du ist man schneller wir. Man kommt also nicht aus, will man weiterhin halbwegs lässig sein und nicht ganz von gestern. Auch, wenn man das Du in vielen Fällen als unangebracht empfindet.
Wann das der Fall ist? Wenn das Machtgefälle im Business zu groß ist, es der oder die Mächtigere das Du-Wort gönnerhaft anordnet, sich die Angelegenheit dadurch insgesamt zu nah anfühlt.
Das Du suggeriert eine Gleichheit, die es eigentlich nicht gibt. Die Distanz hingegen ist im Business ein Vorteil und das Sie ein Abstandhalter für Professionalität. Kennen Sie sicher.
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