Wirtschaft | Karriere
08.06.2018

Dresscode im Büro: Stil adelt Profession

Mode-Fehltritte im Job sind ein Eigentor und schaden nachhaltig der Karriere. Warum Dresscodes auch im Sommer unumgänglich sind.

Die frischverlobte Meghan Markle, die sich als angehender Royal in einem transparenten, goldbestickten Kleid zeigt. Melania Trump, die als First Lady mit High Heels ins Katastrophen-Gebiet nach Houston, Texas reist. Barack Obama, der zu seiner Amtszeit als US-Präsident in einer altmodischen „Mom“-Jean öffentlich auftritt. Diese Weltstars haben ihrerzeit weltweit für Spott, Belustigung oder zumindest für Gesprächsstoff gesorgt. Kleidung ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Auftretens. Ist sie unpassend, hagelt es Kritik. Weil die jeweilige Rolle nicht adäquat nach außen getragen wird.

Das öffentliche Auge ist ungnädig, die Gesellschaft scheint am liebsten kleinkariert zu mögen. Doch die Kleiderwahrnehmung ist psychologisch und sozial tief in uns verankert – vor allem im Berufssystem. Dresscodes sind keine Laune, sondern geschichtlich weit nachverfolgbare Maßstäbe mit einem bestimmten Sinn. Im Altertum sollte die Kleiderordnung den jeweiligen sozialen Status und die gesellschaftliche Hierarchie optisch verdeutlichen.

Stilvoll zum Erfolg

Heute geht es im Berufsleben aber um viel mehr – um etwas Persönliches. „Ein Dresscode ist deshalb wichtig, da man mit einer angemessenen Optik seine Kompetenz unterstreicht. Wer sich stilvoll anzieht, adelt seine Profession“, schildert Stylist und Modeexperte Mio Paternoß. Ein gepflegt gekleideter Mensch erhalte viel mehr Autorität und Aufmerksamkeit. Modische Fehltritte untergraben folglich die eigenen Fähigkeiten. Hinter dieser Stofffassade versteckt sich aber noch mehr Psychologie, wie eine aktuelle Erhebung der britischen Anglia Ruskin University ergeben hat. Frauen in höheren Positionen tragen demnach gerne Roben und Designerkleidung (sie können es sich leisten und haben die Position, in der sie sich das trauen dürfen), jene in unteren Ebenen entscheiden sich laut Studien bewusst für etwas Schlichteres und Unauffälligeres. Grund dafür: Der Chefetage wird so Wertschätzung entgegengebracht.

Wissenschaftler wissen auch: Die Wahl der Kleidung überträgt sich sowohl auf die Arbeit als auch auf unsere Laune und kann deshalb unseren Erfolg beeinflussen. Das Umfeld spielt dabei ebenfalls eine Rolle: Ein Großraumbüro beispielsweise kann wie eine Bühne wirken, auf der viele Arbeitnehmer nicht stehen wollen. Die zahlreichen Blicke engen ein. Folge: Schlichte Outfits für weniger Aufmerksamkeit auf dem Präsentierteller und somit weniger Störfaktoren. Zu gewöhnliche Alltagskleidung kann laut Paternoß jedoch vom Inhalt ablenken . „Ein Dresscode wertet auf, was präsentiert wird.“

Optik oder Wohlbefinden?

Im Sommer wird die Büro-Etikette noch weniger eingehalten, denn die Hitze macht es schwierig, gemütlich und dennoch professionell aufzutreten. Der Stylist weiß: „Absolute No-Gos sind kurze Unterteile und schulterfreie Oberteile. Damen müssen immer ihre Schultern bedeckt und knielange Röcke tragen. Unifarbene Etuikleider sowie hochwertige Sommerblusen mit Stoffhosen sind perfekt“. Bei Herren seien Hemd und Anzughose Pflicht. „Das Sakko kann mitgebracht, muss aber nicht getragen werden“, so der Experte. Kühlende, natürlich Stoffe wie Seide, Leine, Popeline oder Sommerwolle helfen, das Körperklima zu regulieren und die Haut atmen zu lassen.

Etiketten haben sich inzwischen aber gelockert. „Früher waren kurze Hemden bei Männern ein No-Go“– heute seien sie weitläufig akzeptiert. Nicht jedoch das T-Shirt, schon gar nicht mit Aufdruck. „Offene Schuhe bei Frauen sind bereits gang und gäbe“, erkärt Paternoß. Flip Flops hingegen sind und bleiben ein Freizeitschuh.

Welche Veränderungen können wir zukünftig erwarten?„Je nach Branche und Position wird der individuelle Charakter jedes Einzelnen immer wichtiger. Die Persönlichkeit wird mehr zum Ausdruck gebracht, aber Eckpunkte für ein angemessenes Auftreten müssen eingehalten werden. Ein gepflegtes Äußeres und die Liebe zum Detail wird weiterhin das Verkaufsargument Nummer Eins bleiben“, sagt der Profi.