Büro von innen: Ohne Ablenkungen

Die Werbeagentur Lowe GGK ist auf drei Etagen angesiedelt. Wenn man hier nicht kreativ sein kann, dann nirgends.

Rudi Kobza, Chef und Miteigentümer der Werbeagentur Lowe GGK zieht sich für die Fotos noch rasch das Sakko an. Auf Anweisung des Fotografen platziert er sich vor seinem Arbeitstisch, wo seine Unterlagen wie Memorykarten angeordnet sind. Er bekrittelt: „So steh’ ich im Arbeitsalltag nie.“ Er versucht, beim Shooting ein entspanntes Gesicht zu machen, „wenn ich rede, dann schau’ ich immer so konzentriert“, sagt er und setzt sich auf die lederne Sitzgruppe, in seinem 30-m2-Büro. „Klaudia! Wie viel Quadratmeter haben wir insgesamt?“ Seine Assistentin Klaudia Winkler ruft zurück: „900“. Rudi Kobza: „Na, dann sagen wir 1000.“ So arbeitet man bei einer der größten Werbeagenturen des Landes: auf Zuruf, mit Schmäh und mit ein bisschen Spielraum. 2006 haben Rudi Kobza und sein Team die Räumlichkeiten in der Mariahilfer Straße bezogen, mit dem Gedanken, nah am Geschehen zu sein. „Die Mariahilfer Straße ist die größte Konsumstraße Österreichs. Ich habe viele Kunden vor der Tür, das MuseumsQuartier um die Ecke, den Naschmarkt und die Innenstadt in Gehdistanz“, sagt Kobza. Die Agentur erstreckt sich über drei Etagen: In der ersten Etage befindet sich der Empfang, die Cafeteria und Räume für Beratungsgespräche. Auf der zweiten Ebene teilen sich Rudi Kobza und Managing Director Michael Kapfer-Giuliani ein Büro. Ein prächtiger Besprechungsraum mit einem Tisch, so aufgeräumt und glänzend, dass man von ihm essen könnte, dominieren die Etage. Dutzende Preistrophäen, rund um einen Flatscreen angeordnet, belegen das Können des Teams und haben vielleicht schon so manchem Kunden imponiert. Bilder hängen hier nirgends. „Keine Ablenkung“, sagt Kobza. Überhaupt ist die Architektur sehr klar, ohne Umschweife, direkt, aber nicht steril, fast gemütlich. Passt zum Agenturchef. Schwarz, grau, weiß und Glas zieht sich als Thema durch alle Etagen. „Ich glaube, dass Architektur einen direkten Zusammenhang mit dem Denken der Menschen hat. Eine Agentur braucht das Offene, Ästhetik, und das Aufgeräumte“, sagt Kobza. Im dritten Geschoß liegt das kreative Herz der Agentur. Dort oben ist fast alles offen. Nur Dieter Pivrnec, der Executive Creative Director hat ein eigenes Büro, er kann die Glastür bei Bedarf schließen. „Dass die Kreativschmiede ganz oben angesiedelt ist, ist symbolisch zu verstehen. Es ist frei.“ Die wenigen Trennwände auf der dritten Ebene verursachen eine scheinbar intime Atmosphäre. Die Mitarbeiter diskutieren und beraten über Projekte, die sie auf ihren weißen Apple-Bildschirmen und Laptops kreiert haben. Hier sind die Wände beklebt, etwa mit Sprüchen. Auf einem steht „Sehr gerne“.
Es scheint, als ob Kreativität Struktur als Nährboden braucht. Zumindest sind sie hier eine erfolgreiche Symbiose eingegangen. „Ich arbeite sehr gerne hier. Es ist zeitlos“, sagt Kobza.
(kurier) Erstellt am
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