Austropapier-Chefin: „Haben sehr wohl einen Standortnachteil“
Austropapier, die Vereinigung der österreichischen Papierindustrie, präsentierte ihre aktuellen Zahlen. Der Branche geht es „so lala“, sagt Geschäftsführerin Sigrid Eckhardt.
KURIER: Jeder elfte Arbeitsplatz in Österreich ist mit der Papierindustrie verbunden. Wie geht es Ihrer Branche?
Sigrid Eckhardt: Es sind keine Jubelzeiten. Wir stehen unter Druck, das bedingt sich natürlich aus den generellen Krisen, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben.
Die Papierindustrie wurde schon im Zuge der Energiekrise schwer getroffen. Rohstoffe wurden knapp, der Papierpreis verdoppelte sich. Wie ist die Situation jetzt?
Den Ausschlag, den wir gesehen haben, als der Russland-Ukraine-Konflikt losgegangen ist, sehen wir jetzt nicht, weil damals ging es tatsächlich um eine Versorgungskrise. Selbstverständlich ist es aber so, dass sich die Lage jetzt zuspitzt. Wir sind in manchen Bereichen mit Preissteigerungen konfrontiert, beispielsweise in der Logistik, und auch Energiepreise erhöhen sich sukzessive.
Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin Austropapier.
Wie gesichert sind die 440.000 Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt mit der Papierbranche verbunden sind?
Es handelt sich um die gesamte Wertschöpfungskette für Forst, Holz und Papier. Grundsätzlich ist es uns ein Anliegen, jeden einzelnen Arbeitsplatz zu halten. Deswegen setzen wir uns so horrend dafür ein, dass Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass das auch möglich ist. Aus heutiger Sicht wird sich nicht die Standortfrage gestellt. Es ist eher ein Fragezeichen in die Zukunft, was Planbarkeit und Kostenstruktur betrifft.
Wie bewerten Sie den Standort Österreich?
Der Standort Österreich ist benachteiligt, zum Beispiel bei der Energiekostenthematik. Wir haben hier sehr wohl einen Nachteil, der bedingt sich durch strukturell höhere Preise im Bereich des Stromes, im Bereich der Netzkosten und natürlich auch, was politische Entlastungsmaßnahmen betrifft, sind uns andere Mitgliedstaaten meilenweit voraus. Wir haben in Österreich die 2,3fache Höhe an Energiekosten im Vergleich zu Deutschland.
Dennoch wird in Sachen Wettbewerbsfähigkeit in Österreich häufiger von Personalkosten gesprochen.
Sie wiegen nicht deutlich weniger schwer, aber wenn wir uns das auf der Kostenfaktorverteilung anschauen, dann schlagen die Energiekosten in einer energieintensiven Industrie mehr durch als die Personalkosten.
Wichtige Schritte, die es jetzt braucht?
Ein wichtiges und wesentliches Anliegen ist der Bürokratieabbau. Das muss schneller gehen. Wir haben jetzt wieder ein prominentes Beispiel eines Mitgliedsbetriebs, der seit fünf Jahren dran ist, ein Kraftwerk am Standort zu errichten, und es gibt bis dato keine Genehmigung. Das wäre so wesentlich, um zu dekarbonisieren und die industrielle Transformation zu begleiten.
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