Anna Starkl: „Gärtner, bleib bei deinen Wurzeln“
Selbst für Familienmitglieder ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Was als Ein-Mann-Betrieb von Josef Starkl I. begann, ist heute ein weitverzweigtes Gärtnereiunternehmen – seit über einem Jahrhundert in Familienhand. Allein in der vierten Generation zählt die Starkl-Dynastie 18 Nachkommen. Eine von ihnen ist Anna Starkl: die älteste Tochter des jüngsten Enkels des Gründers. Im August 2025 hat sie die Geschäftsführung der neu gegründeten Starkl Pflanzen GmbH übernommen – und soll nun mit ihren Geschwistern und Cousins die Grundsteine für die nächsten hundert Jahre legen.
KURIER: Vor einem halben Jahr wurde mit der Starkl Pflanzen GmbH eine Gesellschaft gegründet, die alle einzelnen Starkl-Betriebe vereint. Warum?
Anna Starkl: Wir haben festgestellt, dass es leichter ist, wenn man gewisse Dinge gemeinsam organisiert. Man muss nicht immer alles an jedem Standort neu erfinden. Es ist viel Synergieeffekt möglich. In der GmbH kümmern wir uns um die Dinge, die alle betreffen. Wir arbeiten also Probleme ab und entwickeln eine Strategie, wie es in Zukunft weitergehen kann.
- Gärtnerei Starkl: wurde 1912 gegründet
- Heute werden die acht Gartencenter in Niederösterreich und Wien von der vierten Generation geleitet.
- Anna Starkl war zuvor u. a. im Rewe-Konzern, CFO von Billa Kroatien und CEO sowie CFO der Zeiler Holding.
Welche Probleme gibt es?
Das erste Thema, das wir uns vorgenommen haben, war der Pflanzenversand. In alten Dokumenten haben wir festgestellt, den gibt es seit 90 Jahren. Der Urgroßvater hat damals das erste Mal Pflanzen mit der Post in Österreich verschickt. Mein Großvater hat das weiterentwickelt, da gab es in den 50er- und 60er-Jahren eine große Versandhalle und einen ganz berühmten Katalog, den insbesondere die ältere Generation kennt. Dieser Pflanzenversand hat sich in den vergangenen Jahren aber in eine andere Richtung entwickelt, als das die Starkl-Gartencenter getan haben. So haben wir mit der neuen Firma beschlossen, den Pflanzenversand für alle Häuser gemeinsam aufzustellen und nicht als Konkurrenzunternehmen.
Parallel investieren Sie viel in die Standorte. In Aschbach eröffnet dieser Tage das große Gartencenter neu.
Dort entsteht ein riesengroßer Erlebnisgarten mit Spielplatz und Themengärten. Auch ein Restaurant wird eröffnet. Das ist ein Projekt, das sehr viel unternehmerischen Wagemut verlangt. Ich bin aber zuversichtlich, dass das gut ankommt. Man merkt einfach, dass die Kunden das Erlebnis suchen.
Ein Einkaufserlebnis bot auch Ihr Starkl Stadtsalon – der Standort am Wiener Nestroyplatz, der 2023 eröffnet hat. Jetzt läuft der Abverkauf, im März schließt er endgültig. Was ist passiert?
Hin und wieder muss man sich zugestehen, dass etwas nicht funktioniert hat und sich auf andere Dinge konzentrieren. Der Stadtsalon war tatsächlich ein Herzensprojekt von meinem Bruder und meiner Schwester. Sie haben probiert, ein Konzept zu entwickeln, wie man im städtischen Bereich das gärtnerische Flair vermitteln kann. Uns haben dafür aber die Freiflächen gefehlt, es ist mehr ein Interior-Thema geworden. Wir konnten also nicht unsere Hauptkompetenz ausspielen und dann muss man in unserer Branche sagen: Gärtner bleib bei deinen Wurzeln.
Zum ausführlichen KURIER Business Gespräch mit Anna Starkl
Kann heute jeder Pflanzen und Blumen verkaufen oder sucht der Kunde eine starke Marke im Hintergrund?
Mittlerweile kann sie tatsächlich jeder verkaufen, weil Pflanzen und Blumen in den letzten Jahren zu einem Wegwerfgegenstand geworden sind. Das finde ich sehr schade. Eigentlich sind sie eine langfristige Investition und etwas, das man über mehrere Jahre haben sollte. Aber man merkt, dass das, was als Wegwerfprodukt verkauft wird, auch nicht so gut funktioniert. Es kann schon sein, dass man sich einmal ein Blumenstöckerl wohin stellt und dann nach ein paar Wochen wieder wegschmeißt. Aber überall, wo es um langfristige Themen geht, ist den Kunden die entsprechende Qualität wichtig. Wenn man einen Baum haben will, der hundert Jahre steht ... da weiß ich nicht, ob man den im Diskont-Supermarkt findet.
Vom Schnittblumengeschäft am Valentinstag wollen Sie nicht profitieren?
Wir haben nur zu den Saisonterminen Schnittblumen – also Valentinstag und Muttertag. Aber wir halten uns zurück, weil das einfach nicht unsere Hauptkompetenz ist.
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