Wirtschaft
18.04.2018

IWF zu Österreich: Kein Nulldefizit, aber sinkende Schulden

Heimische Staatsschuldenquote sinkt 2023 auf 63,2 Prozent. Alle reichen Länder stehen auf der Bremse - außer den USA.

Der am Mittwoch veröffentlichte "Fiscal Monitor" des Internationalen Währungsfonds (IWF) nimmt die Finanzlage der Staaten unter die Lupe. Anders als für Deutschland, das bereits seit 2014 Budgetüberschüsse erzielt, trauen die Experten in Washington Österreich offenbar kein Nulldefizit oder gar Überschüsse zu: Das gesamtstaatliche Defizit soll in den Jahren 2019 bis 2021 zwar auf jeweils -0,2 Prozent des BIP schrumpfen, aber im negativen Bereich bleiben. Nur wenn man die Zinskosten für die bestehenden Schulden herausrechnet (Primärsaldo), ginge sich demnach ein Überschuss von bis zu 1,1 Prozent des BIP (für 2019) aus.

Dafür soll Österreichs Schuldenquote (gemessen an der Wirtschaftsleistung BIP) relativ deutlich zurückgehen und bis 2023 auf 63,2 Prozent  des BIP schrumpfen. Das wäre zumindest in die Nähe der Maastricht-Schwelle (60 Prozent) - für den gesamten Euroraum prognostiziert der IWF bis dahin eine Staatsschuldenquote von 71,7 Prozent. Für Deutschland wird 2023 eine Schuldenquote von 42 Prozent erwartet, der Musterschüler im Euroraum ist allerdings Estland mit dann nur noch 6,4 Prozent.

Die negativen Ausreißer im Euroraum wären 2023 weiterhin Griechenland (165 Prozent), Italien (117 Prozent) und Portugal (105 Prozent). Bemerkenswert ist Irland, dessen Staatsverschuldung in der Krise wegen riesiger Bankpleiten auf 120 Prozent explodiert war und bis 2023 auf 52 Prozent gesunken sein soll. Ähnlich sieht es bei Zypern aus, das nach 108 Prozent in der Spitze in fünf Jahren auf 68 Prozent herunterkommen soll.

Die USA stechen heraus

Der globale Schuldenstand hat 2016 mit 164 Billionen Dollar oder 225 Prozent der Wirtschaftsleistung einen neuen Rekord erreicht. Laut Prognose des Internationalen Währungsfonds  kehrt sich der Trend allerdings um: Von 2018 bis 2023 werde der Schuldenstand bei zwei Dritteln aller Länder weltweit sinken. Die reichen Industriestaaten stehen durchwegs auf der Bremse. Mit einer Ausnahme: Den  USA prognostiziert der IWF wegen der Steuerreform und Budgetpläne einen Schuldenanstieg von 108 auf 117 Prozent der Wirtschaftsleistung.