Italien sucht finanzielle Hilfe in China
Das hoch verschuldete
Italien verhandelt nach Medienberichten seit Wochen intensiv mit Vertretern chinesischer Investmentfonds über den Kauf italienischer Staatsanleihen und eine Beteiligung an führenden Unternehmen des Euro-Landes. Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti ist nach Regierungsangaben in der vergangenen Woche mit Lou Jiwei zusammengekommen, berichtet die Financial Times in ihrer Dienstag-Ausgabe. Jiwei ist Vorsitzender der China Investment Corporation - einem der weltweit größten Investmentfonds. Zudem sollen bei den Gesprächen Vertreter der Cassa Depositi e Prestiti teilgenommen haben - einer staatlichen Institution, die für den Zugang von ausländischen Investoren an strategischen Beteiligungen in Italien zuständig ist.
Vor zwei Wochen sollen Vertreter der italienischen Regierung in Peking Gespräche mit mehreren staatlichen Stellen geführt haben, die für die Verwaltung der chinesischen Devisenreserven mit einem Volumen von etwa 3,2 Billionen US-Dollar zuständig sind, hieß es in dem Zeitungsbericht weiters. Im August schon sollen chinesischen Investoren und dem Chef der italienischen Schuldenverwaltung, Vittorio Grilli, verhandelt haben.
Italien leidet unter einer hohen Staatsverschuldung. Im laufenden Jahr erwarten Experten einen Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt von 120 Prozent. Der Maastricht-Vertrag sieht nur eine Schuldenobergrenze eines Mitgliedslandes der Eurozone von 60 Prozent an der Wirtschaftsleistung eines Jahres vor. Wegen seines hohen Schuldenbergs ist Italien ins Visier der Finanzmärkte geraten. Trotz Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlte Italien am Dienstag für fünfjährige Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 3,86 Mrd. Euro die höchsten Zinsen seit Einführung des Euro: Die Rendite lag bei 5,6 Prozent. Die Auktion war 1,27-fach überzeichnet.
Italien will weiter sparen
Um die Schulden in den Griff zu bekommen, plant Italien weitere Sparmaßnahmen. Dazu sollen in den nächsten Tagen Gespräche aufgenommen werden, sagte Finanzstaatssekretär Alberto Giorgetti am Dienstag in Rom. Gegenstand der Beratungen sei dann auch, was die
Regierung tun könne, um die Wirtschaft anzukurbeln. "Die erste große Frage ist Wachstum", sagte Giorgetti. "Das ist ein Thema auf der Agenda." Das von der Regierung bereits beschlossene und vom Senat verabschiedete Sparpaket soll im Lauf der Woche auch im Abgeordnetenhaus verabschiedet werden.
Das 54 Mrd. Euro schwere Paket sieht einen ausgeglichenen Haushalt bis 2013 vor. Italien ist nach Griechenland innerhalb der
Eurozone das Land mit der höchsten Staatsverschuldung. Im Zuge der Griechenland-Krise ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion zunehmend ins Visier der Finanzmärkte geraten. Die Regierung steht in der Kritik der Europartner, nicht beherzt genug gegen die Schulden vorzugehen.
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