Wie der IMMOunited-Deal von der Kartellbehörde gestoppt wurde

Roland Schmid wollte seine Plattform IMMOunited an die Scout24-Gruppe verkaufen – die Kartellbehörde verunmöglichte aus seiner Sicht den Deal.
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Fast zwei Dekaden lang ein Unternehmen aufzubauen, es groß und erfolgreich zu machen, es verkaufen zu wollen, aber nicht verkaufen zu dürfen – so ist es IMMOunited-Gründer Roland Schmid gegangen. Wir fragen nach, was hinter dem geplatzten Deal steckt.

KURIER: Herr Schmid, nach 19 Jahren IMMOunited: Warum wollten Sie Ihre Firma eigentlich verkaufen?

Roland Schmid: Man will sein Unternehmen eigentlich nie verkaufen, aber ich habe meinen 50. Geburtstag gefeiert, eine dreieinhalbjährige Tochter. Wir sind in einem KI-Zeitalter angekommen, das heißt, die Geschwindigkeit wird deutlich schneller. Und es gab einen spannenden Interessenten, nämlich Scout24. IMMOunited wäre mit diesem Deal bestehen geblieben, Scout24 wäre neuer Eigentümer gewesen. Ich habe mich in dem Konstrukt wahnsinnig wohlgefühlt. Es war alles angerichtet.

So ein Verkaufsprozess zieht sich über Monate – er kam aber dann nicht zustande. Warum?

Der Prozess dauerte tatsächlich eineinhalb Jahre. Im März 2025 war das große Signing und eigentlich Teil eins des großen Prozederes. Es ist in Österreich üblich, dass man über die Kartellbehörden oder die Bundeswettbewerbsbehörde gehen muss, wenn das verkaufte Unternehmen mehr als fünf Millionen Umsatz macht.

Im Prozess kam es dann zu einem Nein.

Es kam kein klares Nein, aber es gab viele Verzögerungen und es rennt einem die Zeit davon. Es gab zu viele Auflagen, die offengeblieben sind bis zur Frist am 13. Dezember. Es wurde uns ganz klar signalisiert: Im Zweifel müssen wir untersagen. Aber ist einmal untersagt, war es das. Um Gespräche neu anfangen zu können oder andere Lösungen zu diskutieren, haben wir zurückgezogen. Weil aber jeder neue Versuch wieder vor der Wettbewerbsbehörde gelandet wäre, haben wir im Jänner beschlossen, es endgültig sein zu lassen. Das heißt, letztlich war es rechtlich keine Untersagung, es war ein Zurückziehen des Prüfungsantrags unsererseits. Faktisch bedeutet es aber für mich: Ich wollte mein Unternehmen verkaufen und konnte nicht.

Was hat der Wettbewerbsbehörde nicht gefallen?

Es war ein Konvolut an Problemen, eine diffuse Angst, die zu spüren war: dass Scout24 die Makler ersetzt, dass es Preiserhöhungen geben könnte. Es war eine immense Unsicherheit zu spüren, bei der ich mich frage, wo sie herkommt. Letztendlich ist uns dann die Zeit davongelaufen, wir konnten die Auflagendiskussion nicht fertig führen.

Das Fenster hat sich geschlossen, könnte es sich wieder öffnen?

Sag niemals nie – aber aus heutiger Sicht ist das erledigt. Alle wussten von der Verkaufsabsicht, da sind viele involviert. In der Phase nach dem Signing herrscht eine gesamtheitliche Verunsicherung. Zum jetzigen Zeitpunkt öffnet sich kein Fenster mehr, weil es ist jetzt wichtig, für Klarheit, Sicherheit und neues Vertrauen zu sorgen.

Welcher Schaden ist durch diesen Prozess entstanden?

Es ist ein nachhaltiger Schaden. Wir haben Mitarbeiter und Kunden verloren. Da passiert ein Cash-Schaden im Prozess. Und die Berater kosten auch sehr viel Geld. Ich würde den Schaden niedrig siebenstellig beziffern. Ich habe mehrfach gehört: Einen Firmenverkauf in Österreich muss man sich leisten können, vor allem, wenn er schiefgeht.

In welcher Größenordnung wäre der Deal gewesen?

Ein guter, schöner zweistelliger Millionenbetrag.

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Was haben Sie gelernt durch diesen Nichtverkauf?

Dass es tatsächlich immer anders kommt, als man denkt. Man hat Berater, die sagen, man solle sich keine Sorgen machen. Der Deal würde klappen. Wir haben gedacht, eine rechtliche Situation zu haben, die problemlos ist. Wenn dann etwas, mit dem man stark gerechnet hat, nicht eintritt, ist das lebensverändernd. Weil so eine Summe Geld zu bekommen, ist wie ein Lottogewinn.

Auf Ihrem Online-Profil steht sinngemäß „Man muss gewinnen, aber auch verlieren können“. Sind Sie ein guter Verlierer?

Das Ende der Transaktion ist kein Verlieren, sondern eine Enttäuschung. Weil das Unternehmen besteht ja weiterhin, war davor sehr gut aufgestellt und ist es jetzt auch. In dem Fall, glaube ich, ist der Markt der Verlierer.

Wie meinen Sie das?

Man baut ein Unternehmen mit viel Arbeit, mit viel Leistung, mit viel Fleiß, mit viel Risiko auf. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo es um eine Nachfolgeregelung geht. Für mich war immer klar: Wenn ich meine Firma verkaufen will, verkaufe ich sie. Wir sind ein demokratisches Land, die Firma ist mein Eigentum, ich kann damit machen, was ich will. Übrig geblieben ist aber: Ich verkaufe eben nicht, an wen ich will. Das war teuer und hat viel Verunsicherung gebracht. Man braucht in der Wirtschaft Rechtssicherheit. Die brauchen auch Investoren, die in den Standort Österreich weiter investieren und expandieren möchte. So ein Fall ist schlecht für den Standort.

Der ohnehin schon einige Probleme hat.

Egal, wo man hinschaut, merken wir, wir hinken hinten nach. Es fühlt sich an, als wäre alles viel schwieriger geworden. Wir beschäftigen uns wahnsinnig viel mit uns selbst. Man merkt, es geht das Geld aus und es werden nur noch Löcher gestopft, anstatt zu überlegen: Wie können wir Mehrwert und mehr Wirtschaftsleistung generieren? Die Standortdiskussion ist eine wichtige, weil wir brauchen Investoren – nicht nur in Österreich, in ganz Europa. Da geht die Reise gerade in die falsche Richtung. Man hat das Gefühl, als Unternehmer ist man der böse Kapitalist, dem es eh gut geht und wo wir schauen müssen, wo wir das Geld aus ihm herausbekommen.

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