Wirtschaft
04.05.2017

Immofinanz und Petrikovics schließen endgültig Frieden

Es geht um insgesamt 23 Millionen Euro. Ex-Vorstand muss hohen Millionenbetrag in Raten zahlen. Indes hat der OGH das Urteil gegen Tennis-Manager Leitgeb aufgehoben.

Nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen schließen die börsennotierte Wiener Immofinanz AG und ihr ehemaliger Vorstandschef Karl Petrikovics nun Frieden. Der Ex-Manager, der eine sechsjährige Haftstrafe wegen Untreue in einer niederösterreichischen Justizvollzugsanstalt absitzt, und der Immobilienkonzern haben sich auf eine außergerichtliche Einigung verständigt. Sie bringt der Immofinanz unterm Strich insgesamt 23 Millionen Euro ein.

Am 1. Juni müssen aber noch die Aktionäre in der Hauptversammlung den Deal absegnen.

"Wenn die Hauptversammlung zustimmt, wird die Einigung mit 2. Juni rechtskräftig", bestätigt Stefan Frömmel von der Immofinanz-Gruppe im Gespräch mit dem KURIER. "Die Einigung beinhaltet auch, dass wir sämtliche Privatbeteiligten-Ansprüche in den Strafverfahren gegen Karl Petrikovics zurückziehen, die anhängigen Zivilprozesse werden ewig ruhend gestellt." Oder anders gesagt: Alle Verfahren werden mit einem Schlag beendet.

Drei Stufen

Der Deal besteht aus drei Teile: Erstens zahlt Petrikovics an die Immofinanz-Gruppe zehn Millionen Euro in Raten. Dem Vernehmen nach wird dieser Betrag zugunsten des Immobilienkonzerns durch Pfandrechte auf Liegenschaften, die im Eigentum von Petrikovics stehen, besichert.

Zugleich werden diese Ratenzahlungen, die über mehrere Jahre lang erfolgen sollen, auch entsprechend verzinst. Zweitens fließen drei Millionen Euro aus der früheren Manager-Haftpflichtversicherung (D&O-Versicherung) von Petrikovics an die Immofinanz-Gruppe.

Millionen-Verzicht

Und drittens verzichtet Karl Petrikovcs auf seine Forderungen in Höhe von zehn Millionen Euro, die auf seine früheren Tätigkeiten als Vorstandschef bei der Immofinanz, ihrer ehemaligen Schwester Immoeast und bei der früheren Constantia Privatbank, heute Aviso Zeta, zurückgehen. Diese Ansprüche hatte er eingeklagt.

Petrikovics soll aus seinem früheren Dienstverhältnis Abfertigungs- und Urlaubsansprüche in Millionenhöhe haben. Dem Vernehmen nach ging es dabei um mehrere Hundert Urlaubstage, die er nicht konsumiert hatte – der Manager und Banker galt als Workaholic. In letzterem Fall soll das Risiko für den Immobilienkonzern, den Prozess gegen Petrikovics am Ende doch noch zu verlieren, relativ hoch gewesen sein. Hier hat die Immofinanz die Reißleine gezogen.

Weitere Deals

Damit hat der Immobilienkonzern sämtliche Altlasten aus der Ära Petrikovics bereinigt. Bereits Ende 2015 hatte die Immofinanz-Gruppe eine Einigung mit rund 3000 geschädigten Immofinanz-Anlegern abgeschlossen, die vom Prozessfinanzierer AdvoFin vertreten wurden. Ihre Tochter Aviso Zeta zahlte 64,8 Millionen Euro Schadenersatz an die Anleger. Damit wurden rund 300 Anlegerprozesse und mehrere Sammelklagen beendet.

Auch mit dem früheren Vertriebsvorstand Norbert Gertner wurde ein außergerichtlicher Vergleich geschlossen, welcher der Immofinanz 7,86 Millionen Euro einbrachte.

Urteil aufgehoben

Indes hat der Oberste Gerichtshof (OGH) ein Urteil in der Immofinanz-Affäre aufgehoben: gegen Tennis-Manager Ronnie Leitgeb. Das bestätigt sein Verteidiger Thomas Kralik im Gespräch dem KURIER. Leitgeb hatte in der Causa „Villa Esmara“ 20 Monate bedingt ausgefasst. Er soll die Immofinanz bei diesem Trainingszentrums-Projekt in Monaco geschädigt haben. Der OGH kam zum Schluss, dass bei der Urteilsfindung wesentliche Aussagen, die Leitgeb entlasteten, außer Acht gelassen wurden. Der Fall muss neu verhandelt werden.