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Wirtschaft Immobiz
03/17/2020

Meine, deine – unsere Wohnung?

Die gemeinsame Wohnung birgt Hürden: Was ist meins, was deins? Wohnpsychologin Barbara Perfahl über Territorien.

von Ulla Grünbacher

KURIER: Was sollte man bedenken, wenn man zusammenzieht?

Barbara Perfahl: Häufig werden die Wohnbedürfnisse nicht abgeglichen. Bei der Euphorie und der Verliebtheit wird vergessen, sich darüber auszutauschen. Dass wir unterschiedlich sind, zeigt sich auch im Zusammenwohnen. Da geht es um funktionale Aspekte, etwa ob ein Arbeitsplatz benötigt wird, aber auch um persönliche Bedürfnisse, die der Wohnraum erfüllen soll: Sicherheit, als Rückzugsort, zur Repräsentation oder als geselliger Treffpunkt.

Sie bevorzugt den Landhausstil, er hat es gerne minimalistisch. Wie bringt man unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut?

Konflikte entstehen dann, wenn die Bedürfnisse des anderen nicht gesehen werden. Ein Beispiel: Ihn nervt die Deko, die sie überall aufstellt, sie nervt der Kabelsalat von seinen technischen Geräten. Meist sagt man dann, man findet dieses und jenes hässlich. In Wirklichkeit geht es um das Territorium. Das ist wie im Bad, wenn jemand sein Handtuch hinlegt, um seinen Bereich zu markieren.

Welche Probleme gibt es, wenn der eine seinen bisherigen Wohnsitz aufgibt und zum anderen zieht?

 

Es gibt ja dieses Bild, dass die Wohnung die dritte Haut des Menschen sei, die Kleidung ist ja die zweite Haut. Wenn ich mir vorstelle, meine dritte Haut ist auch die des Partners, dann ist klar, dass ich Rücksicht nehmen muss. Es ist wichtig, dass beide das Gefühl haben, das ist ihr Wohnbereich.

Wer passt sich leichter an eine neue Wohnsituation an: Männer oder Frauen?

Männern ist das genauso wichtig wie Frauen. Sie richten sich Hobbyräume oder Medienzimmer ein, in Wahrheit ist das ihr Rückzugsbereich.

Wie schafft man aus einer Wohnung, die schon lange dem einen gehört, ein gemeinsames Zuhause?

Im Idealfall hat jeder ein eigenes Zimmer. Wenn sich das nicht ausgeht, sollte jeder zumindest einen eigenen Bereich haben, das kann zum Beispiel ein Schreibtisch sein.

Welche Folgen hat das, wenn einer der beiden keinen eigenen Bereich hat?

Wenn die Territorien zu stark eingeschränkt werden, dann schaukeln sich die Konflikte stärker auf. Es wird anstrengend.

Was ändert sich, wenn Kinder – eigene und die des Partners – im Spiel sind?

Sobald Kinder da sind, schraubt man selbst seine Bedürfnisse zurück. Der verfügbare Raum teilt sich dann durch drei, vier oder fünf Personen. Hier kann man hin und wieder einen Familienrat abhalten und auch die Kinder befragen, ob alle mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Raum zufrieden sind.

Wie schwer ist es, in einer Wohnung ein neues Leben aufzubauen, wo der Partner mit dem Ex gewohnt hat?

Es ist schön, wenn man vor dem Umzug so planen würde, als wäre es eine gemeinsame neue Wohnung. Man sollte sich nicht erst austauschen, wenn man im Möbelhaus steht. Dann geht es vor allem darum, Dinge zu verändern und zu schauen, ob das für beide gut ist. Schwierig ist es, in den Resten der ursprünglichen Partnerschaft zu wohnen.

Was raten Sie Paaren, die zusammenziehen wollen?

Es kann helfen, mit fremden Augen durch die Wohnung zu gehen und Zeit zu investieren, Raumfunktionen zu verändern. Aus dem Kinderzimmer kann zum Beispiel ein Arbeits- oder ein Esszimmer werden. Es kann außerdem helfen, etwas Geld in neue Dinge zu investieren. Denn die Wohnungseinrichtung bildet den jeweiligen Lebensentwurf ab. Aber: Schönes und glückliches Wohnen ist nicht vom Geld abhängig.

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