© Baumschlager Eberle Architekten

Wirtschaft Immobiz
10/06/2020

Das Haus, das ohne Heizung auskommt

In r Lustenau steht das erste Wohnhaus, das ohne Heizung auskommt und dennoch hohen Wohnkomfort verspricht. Wir zeigen, wie das geht.

von Julia Beirer

„Dieses Wohnhaus ist anders gebaut“, sagt Jürgen Stoppel, Partner bei Baumschlager Eberle Architekten gleich zu Beginn des Gesprächs. Der Grund für den Erklärungsbedarf: Keine der acht Wohnungen ist mit Heizgeräten oder einer Klimaanlage ausgestattet. Stattdessen regelt die massive Baumasse – bestehend aus 50 Zentimetern dicken Außenwänden aus Tonziegeln, Geschoßdecken aus Beton, dafür keine Wandverkleidung, Holzwände oder andere Verbundmaterialien – die Temperatur in den Wohnräumen. „Durch die fehlende Verkleidung kann die Speicherqualität der Massen optimal genutzt und eine Temperatur von 22 bis 26 Grad ganzjährig gewährleistet werden“, erläutert Stoppel.

Baumschlager Eberle Architekten

Wie das im Winter bei Temperaturen von bis zu Minus fünf Grad möglich ist, erklärt der Bauexperte: „Die Menschen in den Räumen geben wie die Waschmaschine oder der Kühlschrankwärme ab. Zudem ist die Baumasse sehr träge und die Temperatur verändert sich nur sehr langsam.“ Wichtig ist allerdings, darauf zu achten, dass Fenster nicht zu lange geöffnet bleiben. Dafür arbeitet Baumschlager Eberle Architekten seit 15 Jahren an der Entwicklung spezieller Sensoren, die Temperatur, Luftqualität und -feuchtigkeit in den Räumen messen. Ein Algorithmus entscheidet, wann Lüften Sinn macht. Stoppel: „Ist die Luftqualität schlecht, öffnet sich ein Fenster. Sobald die Werte optimal sind, schließt es automatisch.“ Zur Erklärung: In einem Wohnraum mit 30 Quadratmetern ist die Luft nach fünf bis zehn Minuten sauber.

Fotovoltaikanlage auf dem Dach

Da das Temperaturempfinden sehr individuell ist, kann eine stromerzeugende Fotovoltaikanlage am Dach zusätzlich Wärme erzeugen. „Unter den Parkettböden sind Matten verlegt, die mittels Strom aktiviert werden können. So steigt die Temperatur.“ Die Kosten für diese Bauweise sind in etwa dieselben, wie bei herkömmlichen Bauten. Stoppel: „Eingespart werden allerdings Wartungs- und laufende Betriebskosten, da der Strom am Dach produziert wird“, erklärt Stoppel.  Warum baut also nicht jeder so? Den Grund dafür sieht der Architekt in den geringen Erfahrungswerten.

Trend: hochtechnisierte Häuser

„Bei neuen Systemen sind die Menschen eher vorsichtig. Daher geht der Trend hin zu hoch technisierte Häusern.“ Wichtig sei, Projekte zu zeigen, die beweisen, dass ein Ansatz ohne Technik funktioniert. Eines davon ist das eigene Bürohaus „2226“ der Baumschlager Eberle Architekten, ebenfalls in Lustenau. Es funktioniert ohne Heizung, Klimaanlage und – solange Tageslicht verfügbar ist – ohne künstliches Licht. Stoppel: „Im Büro ist der Sommer die Herausforderung, weil es zu heiß werden kann. Im Wohnbau ist die Auskühlung im Winter zu bedenken.“ Das Konzept konnte also nicht eins zu eins übernommen werden, aber das Prinzip ist dasselbe: jedes Detail muss so konzipiert sein, dass ein Vorteil für die Bauweise entsteht.

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