Luxusgut oder Grundrecht? Gabu Heindl über leistbaren Wohnraum

Warum soziale Wohnmodelle zur Zukunft der Branche gehören – und wo Architektin und Stadtplanerin Gabu Heindl Chancen für Kooperationen sieht.
Wohngebäude des Projekts „SchloR – Schöner Leben ohne Rendite“

Mit der Ausstellung „geld.macht. raum“ blickte das „aut. architektur und tirol“ in Innsbruck kritisch auf die Ökonomie des Wohnens. Die Schau zeigt: Leistbares Wohnen ist kein Randthema, sondern berührt Raumordnung, Marktlogik und soziale Verantwortung. Der KURIER sprach mit Architektin und Stadtplanerin Gabu Heindl, Professorin an der Universität Kassel darüber, warum die Baubranche neue Allianzen braucht.

KURIER: Viele Entwickler argumentieren, dass ohne hohe Renditen kein Wohnbau funktioniert. Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Wertschöpfung und schädlicher Spekulation?
Gabu Heindl: Genossenschafts- und gemeinnütziger Wohnbau zeigen, dass Wertschöpfung auch ohne Renditemaximierung funktioniert. Eine Kostenmiete kann ein stabiles System tragen. Wichtig ist mir, Menschen zu ermächtigen, selbst als Projektentwickler zu wirken. Unser Projekt „Planet 10“ oder das gerade fertiggestellte „SchloR – Schöner Leben ohne Rendite“ beweisen, dass Wohnbau dauerhaft ohne Spekulation funktioniert. Beide werden über Direktkredite finanziert.

Gabu Heindl mit schwarzen Rollkragenpullover

Gabu Heindl ist Architektin und Stadtplanerin sowie Professorin an der Universität Kassel.

Genossenschaften oder Baugruppen funktionieren wirtschaftlich – was macht diese Modelle heute relevant?
Diese Modelle führen Wohnraum dauerhaft aus der Verwertungslogik heraus, sichern Werterhalt und bleiben leistbar. Interessant ist: Da der Luxusmarkt gesättigt ist, entdecken auch Unternehmen das soziale Segment. Das offenbart, dass wir eine Debatte brauchen, warum Grund und Boden überhaupt als Ware gilt, und Regularien, die geförderten Wohnbau dauerhaft sozial binden.

Wo sehen Sie die größten blinden Flecken?
Der größte ist der Leerstand – es gibt weit mehr ungenutzten Wohnraum als viele glauben. Während am Stadtrand weiter versiegelt wird, bleibt bestehender Raum ungenutzt. Wir brauchen eine Umbauordnung, die Bestandsumbau attraktiv macht, und eine Debatte über Leerstandsabgaben, um Aktivierung statt Neubau zu fördern.

Wo könnten Marktakteure und gemeinwohlorientierte Modelle kooperieren?
Viele private Akteure, mit denen ich arbeite, sind nicht renditeorientiert. Für Kooperationen gibt es Modelle der Public-Civic-Partnership – bewährte Formen, in denen Zivilgesellschaft und öffentliche Stellen gemeinsam Projekte entwickeln. Hier liegt viel ungenutztes Potenzial.

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