Genug genügt: So schön kann reduzierter Wohnraum sein
Es war keine klassische Bauaufgabe“, erinnert sich Architektin Stephanie Topf. „Es war eine existenzielle Lebensfrage.“ Die ökologisch bewusste Auftraggeberin suchte zum Pensionsantritt keinen Neubeginn, sondern einen Ort, „an dem sie bleiben kann“: ebenerdig, barrierefrei, ruhig und doch zentral gelegen. Fündig wurde sie in St. Nikolaus, dem ältesten Stadtteil Innsbrucks, mit einer 55 Quadratmeter großen Erdgeschoß-Einheit in einem über hundert Jahre alten Haus.
Von Beginn an ging es um mehr als ein Raumprogramm. „Wir haben sie vom ersten Suchen der Wohnung bis zum Einzug begleitet“, sagt Alexander Topf. Die Anforderungen – Gartenbezug, Zentrumsnähe und langfristige Wohnfähigkeit – waren Ausdruck eines Lebensentwurfs: selbstbestimmt, urban und ressourcenschonend.
Die Architekten Stephanie und Alexander Topf.
Ein Platz zum Bleiben
Die Ausgangslage war herausfordernd: niedrige Decken, dunkle Strukturen und kleinteilige Zimmer. Anstatt den Raum zu erweitern, entschieden sich die Architekten für Reduktion. „Der eigentliche Eingriff lag nicht in der baulichen Expansion, sondern in der Neuorganisation der Räume“, erklärt Alexander Topf. Durch Zonierung, Blickbeziehungen und Lichtführung entstand trotz einer Raumhöhe von nur 2,40 Metern Großzügigkeit.
Der zentrale Wohnraum öffnet sich heute über ein fast raumhohes Fenster zur Terrasse und zum Garten mit Blick auf die Bergkulisse. Innen und Außen verschränken sich, der Grünraum wird zum erweiterten Wohnzimmer. „Dieses In-der-Stadt-Bleiben haben wir über die starke Innen-Außen-Beziehung umgesetzt“, so Stephanie Topf.
Tageslicht, Blick ins Grün und mitgebrachte Möbel schaffen Vertrautheit.
Es wurde bewusst nicht alles neu gestaltet. So blieben die vorhandenen Küchenmöbel erhalten und wurden mit Linoleum-Fronten und einer neuen Arbeitsplatte aus hellem Ahorn aufgewertet. „Uns ging es um einen ressourcenschonenden Umgang und darum, die Geschichte weiterzuerzählen“, erklärt Alexander Topf. Der Boden ist ein Unikat: Ahornparkett im Fischgrätmuster, das exakt in der benötigten Menge gefertigt wurde. „Er erzählt von Maß und Verantwortung“, ergänzt die Architektin.
Mit eigenen Händen
Ein wesentlicher Teil der Sanierungsarbeiten wurde in Eigenleistung ausgeführt. „Das war nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern vor allem emotional“, weiß Alexander Topf. Durch die körperliche Arbeit machte sich die Bauherrin die Wohnung zu eigen und zu ihrem Zuhause. Das Projekt zeigt, dass gute Architektur nicht von der Größe oder dem Budget abhängt, sondern von der Haltung. Oder, wie es die Architekten formulieren: „Genug ist Einstellungssache.“
Kommentare