In Zeiten des Mangels: Wie sich Wohnungen und die Wohnungssuche verändern

Die Lage am Mietenmarkt spitzt sich zunehmend zu, weil der Nachschub an neuen, verfügbaren Wohnungen ausbleibt. Wie sich das auf Vermarktungszeiten und Wohnungsgrößen auswirkt.
In Zeiten des Mangels: Wie sich Wohnungen und die Wohnungssuche verändern

Der Wohnungsneubau bleibt rückläufig, daher spitzt sich die Lage auf dem Mietenmarkt zu. „Der Produktionsüberhang aus den Boomjahren bis 2022 ist längst aufgebraucht, es gibt so gut wie keine Wohnraumreserven mehr und die Nachfrage ist ungebrochen stark“, sagt BUWOG-Geschäftsführer Andreas Holler. Die Folge sind steigende Preise. Bei den Miethöhen geht EHL Immobilien für heuer mit einem Anstieg um sieben bis acht Prozent aus, „wobei das Plus in den peripheren Stadtentwicklungsgebieten schwächer und in zentralen Lagen stärker ausfallen wird“, konkretisiert Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen.

Kaum inseriert, ist die Wohnung schon wieder weg

Die Vermarktungszeiten für Mietwohnungen haben sich infolge der Angebotsknappheit deutlich verkürzt. Die Wiedervermietung von frei gewordenen Wohnungen gehen meist nahtlos an Nachmieter über, schildert Karina Schunker. Langes nachdenken darüber, ob eine Wohnung passt, ist oft nicht mehr möglich. Denn Mietverträge werden oft unmittelbar nach der Erstbesichtigung abgeschlossen, Eigentumswohnungen werden bereits in sehr früher Bauphase gekauft.

 „Es ist bereits absehbar, dass das Kaufangebot im Jahresverlauf und in den Folgejahren deutlich zurückgehen wird. Das motiviert Interessenten, sich aus dem vielfältigen Angebot lieber jetzt eine passende Wohnung auszusuchen, statt zuzuwarten“, so Karina Schunker. Wohnungssuchende würden auch mehr Kompromisse eingehen. Eine gute Straßenbahn-Anbindung reiche oft aus, es müsse nicht mehr unbedingt eine U-Bahn vor der Haustüre sein.

Und es gibt einen klaren Trend zu kleineren – und damit eher leistbaren – Wohnungen, da bei Anmietung und Kauf weniger auf die Quadratmeter, als die Zimmer-Anzahl geschaut wird. Das gehe von der 3-Zimmer-Wohnung mit rund 65 Quadratmetern bis hin zur 4-Zimmer-Wohnung mit etwa 85 Quadratmetern. Solange die Funktionalität der Wohnung gegeben ist, werden also auch kompaktere Grundrisse zunehmend angenommen.

Flucht in den ländlichen Raum? 

Dass die Wohnungsmieten so stark steigen, bleibt nicht ohne Auswirkungen. „Wenn Wohnen in der Großstadt für immer mehr Menschen unleistbar wird, führt dies verstärkt zu Abwanderungstendenzen und Zersiedelung im Umland“, gibt EHL-Geschäftsführer Michael Ehlmaier zu bedenken. Damit gehen ein höherer Bodenverbrauch im ländlichen Raum sowie steigende Kosten für den Ausbau und den Erhalt der Infrastruktur einher. Gleichzeitig nimmt der Pendlerverkehr zu.

450 Wohnungen stellt die BUWOG in diesem Jahr fertig, das wird zumindest zum Teil  den Druck vom Wohnungsmarkt nehmen. Die neuen Wohnungen entstehen etwa an der Oberen Alten Donau, im 15. Bezirk, südlich von Wien und in Salzburg Liefering.

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