Bauen für Olympia: Was von den Spielen in Italien bleibt

Die Nachhaltigkeit sollte bei den Winterspielen in Norditalien im Vordergrund stehen: Die Eingriffe in die Alpendörfer sind zum Teil dennoch spürbar.
Olympisches Dorf in Cortina

Es lebe der Sport, heißt es auch diesmal, wenn die Olympischen Winterspiele nach 20 Jahren nach Norditalien zurückkehren. Neben Licht – Hochglanzbilder des Winterwunderlandes und Emotionen im Siegestaumel – bringen die Spiele auch Schatten: vor allem für einen Teil der Austragungsorte, sowohl was die erhofften Impulse für den Tourismus betrifft, als auch die baulichen Investments. Schon in der Vergangenheit blieben von manchen Spielen Bauwerke, die keiner mehr brauchte, und Schulden.

Paris hat es 2025 vorgemacht: Die Olympischen Sommerspiele setzten konsequent auf Nachhaltigkeit, der Rückbau temporärer Sportstätten spielte eine zentrale Rolle. Der Großteil der Wettbewerbe wurde in bestehenden Einrichtungen ausgetragen oder es wurden temporäre Anlagen errichtet, die nach den Spielen wieder demontiert wurden.

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Die neu errichtete Santagiulia Eishockey Arena in Mailand, entworfen von David Chipperfield Architects in Zusammenarbeit mit Arup, ist das Aushängeschild der Winterspiele in Norditalien.

Doch der Blick in die Vergangenheit der Spiele zeigt: Nicht jede neu errichtete Wettkampfstätte konnte sinnvoll nachgenutzt werden, mancherorts zeugen Ruinen vom einstmaligen Glanz. Auch in Norditalien finden sich ungenutzte Sportanlagen von den olympischen Winterspielen von vor 20 Jahren.

Nachhaltigkeit: Plan und Umsetzung

Die Spiele 2026 sollten besonders nachhaltig werden, versprachen die Organisatoren bereits bei der Bewerbung. Ob das gelungen ist, wird sich erst Jahre später zeigen. Klar ist: Neubauten halten sich tatsächlich in Grenzen, doch auch viele der Adaptierungen sind zum Teil umfangreich ausgefallen.

Die Eishockey Arena im Süden Mailands, entworfen vom renommierten Büro David Chipperfield Architects in Zusammenarbeit mit Arup, ist das Aushängeschild bei den aktuellen Winterspielen. Drei ineinander verschachtelte Ringe aus schimmerndem Aluminium umhüllen das Gebäude, verbunden durch transparente Glasstreifen. Tagsüber reflektieren die metallischen Oberflächen das Licht, nachts verwandeln LED-Streifen die Fassade in eine leuchtende Skulptur.

Hier, in der neu errichteten Arena in Mailand, wird um Eishockey-Gold gespielt. Die Bauarbeiten sind erst in letzter Sekunde fertig geworden. Nach den Spielen wird die Arena als Eventhalle genutzt.

Das olympische Dorf in Mailand, entworfen von Skidmore, Owings & Merrill (SOM), wurde von Anfang an mit Blick auf die Nachnutzung konzipiert. Die Räume für die Athleten wurden so gestaltet, dass sie sich in Einrichtungen für das zukünftige Stadtviertel umwandeln lassen – mit minimalem Umbauaufwand.

2026 Milano Cortina Winter Olympics - Press tour of Milano-Cortina 2026 Olympic Village construction site

Olympisches Dorf in Mailand

Ab dem Studienjahr 2026/27 soll der Neubau Studierenden als Wohnheim zur Verfügung stehen. Ganz anders sieht das Konzept für das olympische Dorf in Cortina aus. 377 Mobile Homes aus Holz wurden auf einem ehemaligen Flugplatz errichtet, die nach den Spielen wieder rückgebaut werden. Für kritische Stimmen eine vergebene Chance, langfristig günstigen Wohnraum zu schaffen.

Neu ist auch der Eiskanal im malerischen Bergdorf Cortina d'Ampezzo, der – anders als ursprünglich geplant – anstelle der alten Eugenio-Monti-Bahn errichtet wurde.

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Neue Bob-Bahn in Cortina 

Ursprünglich wollte man die bestehende Bahn nutzen. Der Kostenpunkt für den Neubau: 120 Millionen Euro. Für die Errichtung der neuen Bahn aus Beton mussten viele Bäume am Berghang gefällt werden, das hat dem Projekt viel Kritik eingebracht. Auch bestehende Infrastruktur musste für den Neubau weichen. Dies stieß auf den Widerstand der lokalen Bevölkerung.

Teures Wohnen

Die Immobilienpreise in dem Ort mit rund 5.000 Einwohnern haben sich im Vorfeld stark erhöht. Viele Hotels wurden für die Spiele renoviert oder ausgebaut, der Ort wurde zur Baustelle. Die Gondelbahn, die Zuschauer vom Tal zu den Rennen bringen sollte, wurde nicht rechtzeitig fertig, was für einige logistische Probleme sorgte.

Neben Mailand und Cortina zählt auch das Südtiroler Biathlon- und Langlaufmekka Antholz zu den Austragungsorten. Hier wurden trotz Widerstands der Bevölkerung 2,5 Hektar Wald in einem Naherholungsgebiet gerodet, um ein neues Speicherbecken für die Beschneiung der Langlaufloipen zu bauen – die Kritik daran war groß.

OLYMPIA 2026: ERÖFFNUNG "AUSTRIA HOUSE"

Austria-Haus bei der Eröffnung

Österreich vor Ort präsent

Das Österreich-Haus in Cortina ist im traditionsreichen Jägerhaus untergebracht. Mit einem großzügigen Public-Bereich für Fans und Gäste sowie einer Gala Hall im Heustadel befindet es sich wenige Geh-Minuten vom Olympischen Eiskanal, der Curling-Halle und dem Stadtzentrum von Cortina entfernt. Das Haus fungiert als Treffpunkt für Sportler, Sponsoren und Ehrengäste, in die VIP-Bereiche gelangt man nur gegen Bezahlung.

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