Förder-Aus für Sanierung: Warum Sie trotzdem dämmen sollten
Anfang dieser Woche überraschte Umweltminister Norbert Totschnig mit dem Förderstopp für die thermisch-energetische Sanierung. Neue Registrierungen und Förderanträge für den „Sanierungsbonus“ sind nur mehr für den Kesseltausch möglich. Begründet wurde dies damit, dass der Kesseltausch eine „deutlich höhere CO2-Einsparung pro eingesetztem Euro erzielt“ als die thermisch-energetische Sanierung. Das lässt Georg Bursik, Geschäftsleiter der Baumit GmbH, so nicht gelten. Kurzfristig sei das vielleicht der Fall, langfristig aber die Kombination aus Wärmedämmung und Wärmepumpe sinnvoll. „Die beste Energie ist die, die man nicht verbraucht“, meinte er bei einem Pressegespräch. Dämmung, Fenster- und Fassadensanierung sind die Grundvoraussetzung für nachhaltige CO2-Reduktion, dauerhaft leistbare Heizkosten und den effizienten Einsatz moderner Heizsysteme.
Georg Bursik, Geschäftsleitung Baumit GmbH.
Viele schlecht isolierte Gebäude
Laut Bursik sind bundesweit 1,2 Millionen Gebäude schlecht oder gar nicht isoliert. Durch diese schlecht gedämmten Häuser würden jährlich mehr als 9,6 TWh an Energie verpuffen. Das entspricht der jährlichen Stromproduktion von sieben Donaukraftwerken der Größenordnung von Ybbs-Persenbeug. Daher sei es sinnvoll „sich einen Mantel anzuziehen, wenn es draußen kalt ist“, erklärte Bursik. Das heißt für Immobilienbesitzer: Zuerst den Heizwärmebedarf durch Dämmung dauerhaft senken und danach auf ein neues Heizsystem mit angepasster Leistung wechseln.
Ein Fenstertausch verbessert die Dämmung.
Investitionen stocken
Auch der Forschungsverband der Baustoffindustrie (FBI) zeigt sich kritisch gegenüber Plänen des Bundesministers. Solche kurzfristigen Eingriffe gehen zu Lasten von Planbarkeit und schaffen Unsicherheit bei Gebäudeeigentümern und Betrieben, wodurch Investitionen verhindert werden.
Kritik kommt auch von der Plattform Fenster Österreich. Denn nicht nur die Fassadensanierung, sondern auch ein Fenstertausch verbessert die Dämmung. Ein Kesseltausch ohne vorherige Sanierung führe zu überdimensionierten Anlagen und damit zu unnötig hohen Förderkosten, erklärt Johann Scheuringer, CEO und Mehrheitseigentümer des oberösterreichischen Familienunternehmens Josko.
Fassadensanierung kann nachhaltig CO2 reduzieren.
Ein gedämmtes Haus bleibt länger warm
Noch ein Argument für eine sanierte Fassade führt Georg Bursik ins Treffen: „Im Extremfall wirkt Dämmung wie eine Sicherheitsreserve. In unserem Viva-Forschungspark zeigte eine Blackout-Simulation, dass gedämmte Häuser nach 48 Stunden ohne Heizung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt innen rund 17 Grad Celsius hielten – ein ungedämmtes Vergleichshaus fiel auf knapp 10 Grad Celsius.“
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