Nie mehr Garten gießen? Expertin setzt auf diese Methode
Zusammenfassung
Landschaftsgestalterin Elsa Triebaumer wurde für ihren klimafitten Garten vor Kurzem ausgezeichnet. Insgesamt wurden vier Gartenplaner aus Österreich mit ihren Projekten unter die TOP 50 Gärten des Jahres 2026 gewählt. Die Gärten liegen im Traunviertel, Wienerwald und in den Regionen Kufstein und Innsbruck-Land.
Starkregen, lange Trockenphasen und sehr kalte Winter: Wetterextreme machen heimischen Gärten zu schaffen. Und stellen Landschaftsgestalter wie Elsa Triebaumer ständig vor neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund entstand bei der Landschaftsarchitektin der Wunsch, den eigenen Garten sowohl auf Trockenheit als auch auf Starkregen vorzubereiten und dies mit einer besonderen Atmosphäre zu verbinden.
Ihr Privatgarten im oberösterreichischen Traunviertel umfasst 8.000 Quadratmeter, 740 Quadratmeter davon hat sie gemeinsam mit ihrem Partner Wolfgang, einem gelernten Gemüsebauer, mit viel Liebe zum Detail neu gestaltet. Ihr Zuhause ist ein 300 Jahre alter Bauernhof mit Hanggarten und umliegenden Weiden im Alpenvorland. Ebene Flächen für die Nutzung musste sich das Paar auf dem teils steilen Hang erst durch Terrassierung schaffen. Entstanden sind neben Plätzen zum Verweilen vor allem viele Beete, in denen sich Obst- und Gemüsepflanzen mit Zierpflanzen mischen dürfen.
Elsa Triebaumer, Landschaftsarchitektin und Mitbegründerin
von wildflorie.
Prototyp eines Regengartens
Dieses Projekt dient Triebaumer auch als Experimentierfeld für Auftragsarbeiten ihres Unternehmens wildflorie. Dieses hat sie 2016 gemeinsam mit der Meisterfloristin Lisa Hartleitner in Scharnstein gegründet. „Ich lerne sehr viel von meinen Pflanzungen und kann die Erkenntnisse dann bei unseren wildflorie-Projekten einbringen. Um dem oft gewünschten Anspruch eines pflegeleichten Gartens gerecht zu werden, experimentieren wir beispielsweise mit verschiedenem Mulchmaterial. Denn frisch angelegte Beete machen ohne Mulch viel mehr Arbeit. Bei unseren Gartenprojekten verwenden wir Grasmulch für Schnittblumenbeete und Kiesmulch für neu geschaffene Staudenbeete“, erklärt die Expertin.
Besonders wichtig ist ihr der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser. „Daher habe ich das Prinzip der Schwammstadt für meinen Garten abgewandelt und auf eine versiegelungsoffene Gestaltung geachtet“, so die Expertin. Bei den gepflasterten Flächen kann das Regenwasser über Fugen versickern, das überschüssige Wasser rinnt über ein Gefälle zu den Beeten. „Ich möchte das Maximum des gefallenen Regens vor Ort halten, das Regenwasser ist die Ernährung für den Garten. Damit ist keine künstliche Bewässerung notwendig.“ Zudem wird Regenwasser auf dem Grundstück in Zisternen gespeichert und kann zur Bewässerung der Blumen- und Gemüsebeete verwendet werden. Damit die Beeterde langsamer austrocknet, werden sie mit Mulch bedeckt und dicht bepflanzt. Das wirkt wie ein Sonnenschirm. „Schon mein Papa hat gesagt: Die Erde darf niemals nackt sein!“
Beete zur Selbstversorgung: Hier dürfen Kräuter und Beeren neben Blumen wachsen.
Die Gartengestalterin legt großen Wert auf Kreislaufwirtschaft und hat daher viel mit Recyclingmaterial gearbeitet. So wurden etwa die Pflastersteine schon zwei Mal andernorts verwendet und die Mauersteine stammen von einem Hausabbruch in der Nachbarschaft. Die alte Garage wurde zu einem Glashaus umgebaut. Dafür wurde das Dach entfernt und durch Glas von einer ehemaligen Gärtnerei ersetzt.
Bei ihrer Arbeit schafft Triebaumer immer auch Ecken, wo die Pflanzen wild wachsen dürfen: „Wichtig für die Biodiversität ist auch Totholz. Dafür werden Äste aus dem Rückschnitt von Bäumen gestapelt. Hier siedeln sich Käfer und Insekten an, die so Nahrung für Vögel sind. Ein Kreislauf, für den wir als Gartenbesitzer verantwortlich sind.“ Wie wild darf ein Garten sein? „Am Anfang muss ein Konzept stehen. Trotzdem soll der Garten lebendig sein. Er darf sich über die Jahre verändern, braucht aber eine moderierende Pflege, sonst ist bald nichts mehr von der Gestaltung zu sehen.“
In den offenen Fugen kann Regenwasser versickern.
Auszeichnungen für Österreich
Das Projekt in Oberösterreich hat vor wenigen Tagen eine internationale Anerkennung erhalten. Jedes Jahr prämiert der Architekturverlag Callwey die schönsten Privatgartenprojekte von Landschaftsarchitekten, Garten- und Landschaftsbauern.
Der Award „Gärten des Jahres“ zählt zu den bedeutendsten im Bereich der Gartengestaltung im deutschsprachigen Raum und wird von einem Jahrbuch mit fünfzig ausgezeichneten Projekten begleitet. Bereits zum zweiten Mal in Folge ist ein von Elsa Triebaumer und ihrem Team realisiertes Projekt unter den prämierten Gärten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Insgesamt wurden vier Gärten aus Österreich ausgezeichnet: Neben dem Traunviertel finden sich die Projekte in Niederösterreich sowie in den Regionen Kufstein und Innsbruck-Land.
Prämierter Garten von Begründer im Wienerwald.
Hanggarten im Wienerwald
Das steile Grundstück im Wienerwald (NÖ) bot kaum nutzbare Ebenen. Für die Verwandlung dieser brachliegenden Fläche in einen Ort, der sich anfühlt wie ein privates Urlaubsrefugium, zog Gartenplaner Peter Baumgarten von Begründer eine großzügige Ebene für den Pool-Bereich, dem Herzstück des Gartens, ein.
Um das Maximum an ebener Fläche zu schaffen, wurde entlang der Grundstückskante eine massive, ca. vier Meter hohe Wurfsteinmauer errichtet, den Höhenversatz kaschiert eine Reihe Amberbäume. Um den Pool sind der Essbereich sowie eine großzügige Lounge-Terrasse angeordnet. Gräserstreifen aus Bläulicher Rutenhirse verbinden die klar strukturierten Bereiche miteinander.
Der neue Naturbadeteich wertet das Tiroler Bauernhaus auf.
Naturgarten mit Teich in Kufstein
Eine Familie aus der Region Kufstein in Tirol wünschte sich eine dezente Modernität für ihren Garten, die mit dem traditionellen Bauernhaus aus dem Jahre 1780 im typischen Tiroler Stil im Einklang stehen sollte. „Der bis dato ausschließlich bäuerliche Nutzgarten sollte in ein Grün verwandelt werden, das die Erholung, den Genuss und die Begegnung mit der Natur in den Mittelpunkt rückt und den Panoramablick auf die umliegende Bergwelt unterstreicht“, erklärt Gartenarchitekt Hannes Eder von Eder Gartenarchitektur.
Der Naturschwimmteich stellt das zentrale Element des neuen Gartens dar. Die traditionelle Streuobstwiese blieb als wertvoller Bestandteil der Landschaft erhalten, rahmt den Schwimmteich ein und bietet zugleich etwas Sichtschutz gegenüber Wanderern.
Der Vorgarten bildet die Brücke zur modernen Architektur des Einfamilienhauses.
Vorgarten in Innsbruck-Land
Die „Spielwiese“ für Gartengestalter Ludwig Stangelmayer von den Inngärten war beim Projekt in Innsbruck-Land nur 38 Quadratmeter groß. Der Vorgarten sollte die Brücke von der modernen Architektur des Einfamilienhauses zur wildromantischen Berglandschaft des Stubaitales bilden. Daher vereint er Elemente der Gebäudearchitektur mit jenen der umgebenden Landschaft wie Findlinge und Latschen. „Den Eingangsbereich bestimmt ein großes Rundfenster in der Fassade unmittelbar vor dem Garten. Indem rund um die Linde eine ringförmige Natursteinmauer im gleichen Durchmesser wie das Fenster angelegt wurde, entsteht der Eindruck, als würde das Rundfenster einen Schatten in den Garten werfen. Dies schafft eine harmonische Verbindung mit der Architektur“, erklärt Stangelmayer.
BUCHTIPP
„Gärten des Jahres. Die 50 schönsten Privatgärten 2026“
Einen Überblick über die schönsten Privatgärten im deutschsprachigen Raum bietet das Buch zum Wettbewerb „Gärten des Jahres 2026“,
von Konstanze Neubauer und Susanne Wiborg,
€ 61,70, Callwey Verlag.
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